Hallo Halloween!

Überall blitzen die gruseligen Kürbisfratzen durch (Foto: pixabay)

Seit Wochen sind die Vorboten des Kürbisfestes in den Supermärkten zu kaufen: Unzählige Gummiwürmer, Lakritzfledermäuse und Marshmallowgespenster reihen sich neben bereits ersten Schokoweihnachtsmännern. Neben den allseits beliebten Kürbissuppen, dem Laternenbasteln oder den immer kreativer werdenden Kürbisschnitzereien laden auch örtliche Kürbishöfe mit gezüchteten Riesenkürbissen zum Staunen ein. Denn: Halloween steht vor der Tür. Ein Feiertag zwischen religiösen Bräuchen und der Süßigkeitenindustrie. Von Greta Bach-Sliwinski.

Halloween gilt hierzulande als fröhliches Gruselfest, an dem verkleidete Erwachsene hemmungslos feiern und verkleidete Kinder für Süßigkeiten um die Häuser ziehen dürfen. Doch was genau steckt hinter dieser scheinbar weiteren kommerziellen Ausschlachtung, so viele dekorative Kürbisfratzen und gruselige Schauerkostüme wie möglich an Menschen weltweit zu verkaufen?

Dämonen, Geister und Hexen

Schauriger Süßigkeitentrend (Foto: pixabay)

Das uns heute bekannte Halloween-Fest hat seinen kulturellen Ursprung wahrscheinlich bei den vor über 5000 Jahren lebenden Kelt_innen. Der 31. Oktober wurde „Samhain“ genannt und galt als Ende des Sommers und Beginn des neuen Jahres. Man glaubte, dass in dieser Nacht die Tore zwischen den Lebenden und der Geisterwelt offen standen und Seelen der jüngst Verstorbenen zu ihrem Ursprungsleben zurückkehren durften.

Aus Angst vor dämonischen Wesen oder Hexen entzündete man traditionell große Opfer aus Getreide, um so den bevorstehenden Winter einzuläuten. Vor den Häusern wurden reich gedeckte Tafeln mit Speisen und Getränken für die Toten vorbereitet, die diese außerdem davon abhalten sollten, einen Groll gegen die Menschen zu hegen. Mit Körperbedeckungen aus Tierhäuten, imposanten Masken und allerlei Körperbemalungen sollen sich die Kelt_innen traditionell vor den Geistern versteckt haben: Die scheinbar ersten Halloween-Kostüme!

Allerheiligen, Allerseelen oder Reformationstag?

Süßes oder Saures?! (Foto: pixabay)

Im europäischen Mittelalter machte sich schließlich die christliche Kirche das heidnische Fest zu Eigen und es entstanden am 01. und 02. November die Gedenktage „Allerheiligen“ und „Allerseelen“. Um dem urchristlichen Fegefeuer – in dem unter Qualen die Sünden aus Lebzeiten abgearbeitet werden mussten – zu entgehen, nutzten Gläubige ihre Zeit im Diesseits, um das gefürchtete Leiden in den Flammen zu verringern: Es entstanden unterschiedliche Bräuche wie der sogenannte „Heischbrauch“, bei dem man in der Nacht vor Allerheiligen von Haus zu Haus zog und unter Gebeten und Gesängen Gaben einsammelte (erheischte).

Evangelische Christ_innen feiern den 31. Oktober nicht als Halloween-Fest, sondern als Reformationstag: Durch eine prägende Zeit des kirchlichen Wandels im 16. Jahrhundert kam es zur Abspaltung des Protestantismus. Am Tag vor Allerheiligen soll der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) mit seinen 95 Thesen diese weitreichende Reformation eingeleitet haben.

Im Zuge der Industrialisierung und der kirchlichen Aufklärung zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert kam es abermals zum religiösen Umschwung: Bräuche wie der „Heischbrauch“ verschwanden immer mehr aus Europa und gerieten in Vergessenheit. Doch irische Auswander_innen sollen im 19. Jahrhundert die Festlichkeiten um Allerheiligen in den USA etabliert haben und es entwickelte sich das bei Kindern beliebte „Trick-or-Treating“ („Süßes oder Saures“). Das Wort „Halloween“ leitet sich aus „All Hallows Eve“ ab und verweist somit auf den Abend vor Allerheiligen: Das amerikanische Halloween war geboren. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Gruselnacht auch in Europa wieder mehr Beachtung geschenkt, da US-amerikanische Soldaten das Fest quasi zurückbrachten.

Gedenktage für die Verstorbenen

„Día de los muertos“ (Foto: pixabay)

Noch heute finden an „Allerheiligen“ und „Allerseelen“ Messen und Lichterprozessionen statt, um andächtig und zurückhaltend den Verstorbenen zu gedenken. Ganz im Gegensatz zum christlich-geprägten Mexiko, wo ein dreitägiges, buntes Spektakel stattfindet: Der „Día de los muertos“ (deutsch: Tag der Toten). Straßen werden prunkvoll geschmückt, Menschen bekleiden sich in traditionellen Gewändern und der Tod wird zu Tisch gebeten.

Eine ganze Sagenwelt baut sich auf dem Gruselfest auf, die noch heute in Bräuchen und Traditionen zu finden ist. Die gruseligen Kürbisfratzen, die weltweit geschnitzt werden, wurden ursprünglich gefertigt, um das Böse von sich abzuhalten. Dieser Brauch geht auf die Legende des Jack O’Lantern zurück, der durch eine List dem Teufel entkam und dessen verlorene Seele seitdem mit einer Rübenlaterne und der Glut des Höllenfeuers umherstreift.

Großes Interesse gewann Halloween schließlich durch die Horror-Filmindustrie. Hexen, Vampire, Untote! Sie alle versammelten sich auf den Kinoleinwänden der Welt und wurden Symbol des Halloween-Kosmos. Es ist zu erkennen, dass der Halloween-Kult mit seiner Faszination am Tod ein weltweites Phänomen ist, das das Interesse der Menschen seit Tausenden von Jahren weckt. Die schönste, abendliche Gestaltung für Halloween dieses Jahr bestünde wohl aus einer warmen Kürbissuppe und einem gruseligen Horrorfilm – Macht’s euch gemütlich!

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