Der Zerbrochene Leuchtturm – Part II

Bewölkter See an einem windigen Nachmittag (Foto: Maximilian Schulz)

Die Agenten Rookie und Seth werden zu einer abgelegenen Küsteninsel gerufen, angeblich soll dort ein heller Lichtblitz gesehen worden sein. Bei ihrer Ankunft finden sie heraus, dass der Leuchtturm komplett zerstört wurde. Wer oder was war dafür verantwortlich? Findet es heraus in Part II von “Der Zerbrochene Leuchtturm”. Von Roland R. Maxwell (Maximilian Schulz).

(Part I der Geschichte findet ihr hier.)

Rahmelo stand einige Zeit lang verblüfft da, bevor er langsam und beschämt die Hand senkte. Rookie ging auf ihn zu und schüttelte sie stattdessen.

»Tut mir wirklich leid«, sagte sie, »aber mein Partner kann es gar nicht ausstehen, wenn man so auf ihn zu stürmt, ihn voll quatscht und auch noch mit seinem Vornamen anspricht.«

»Oh, das ist verständlich. Sehr verständlich. Aber wann hat man denn schon mal die Gelegenheit den Behemoth hautnah mitzuerleben. Ich habe bereits so viele Legenden über ihn gehört.«

»Die Hälfte davon ist sicherlich gelogen.«

»Und Sie müssen dann Fräulein Morle sein, nicht wahr?«

Ihr Lächeln erstarrte sofort.

»Fräulein? An Ihnen ist die Emanzipation wohl auch vorbeigerauscht! Sehe ich so aus wie ein Fräulein? Ich bin eine Agentin! Kein Fräulein! Was denken Sie sich eigentlich? Agentin Morle, nichts da Fräulein

Wütend stampfte sie davon und ließ den Wissenschaftler irritiert stehen. Heißes Blut stieg in den Kopf, er war so rot wie eine Tomate.

»Tut… Tut mir… Tut mir leid«, stammelte er leise vor sich hin. Von einem Fettnäpfchen gleich ins nächste.

Seth redete gerade mit den MEKs als Rookie dazustieß. Er schaute sie kurz an und lächelte.

»So, Oldtimer. Was ist dein Plan?«, fragte sie.

Er rümpfte die Nase: »Ganz einfach. Du schaust dir die angrenzenden Gebäude an. Den Geräteschuppen und das Wärterhaus. Schnapp dir zwei der schwerbewaffneten Jungs und guck, ob du irgendetwas Brauchbares findest.«

»Und was wirst du in der Zwischenzeit machen?«

»Ich schau mir den Keller des Leuchtturms an. Man hat mir gerade erklärt, dass die Insel ein Untergeschoss hat. Wer weiß, was sich da finden lässt.«

»Warum darfst du in den Keller?«

»Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, Rookie«, er grinste sie an.

»Das ist nicht fair!«, sie plusterte ihre Wangen auf.

»Das Leben ist nicht fair, Rookie.«

»Nimm wenigstens die zwei restlichen MEKs mit. Dann stehen die hier nicht so sinnlos herum.«

»Von mir aus«, entgegnete Seth genervt. Er wollte gleich los stampfen, doch Rookie hielt ihn am Ärmel fest. Er drehte sich um.

»Noch was?«

»Was ist mit ihm?«, sie zuckte mit ihrem Kopf in Richtung Rahmelo, der verloren in der Gegend herumstand.

»Den Chinamann? Was soll mit dem sein?«, fragte Seth verwirrt.

»Na ja… er soll ja seinen Job machen. Mit wem soll er mitgehen?«

»Na, mit dir. Ich nehm das Weichei nicht mit. Der hat doch noch nicht mal Haare an den Eiern. Der kann schön dir auf den Sack gehen.«

»Er scheint dich sehr zu mögen«, Rookie lachte.

»Deswegen soll er Abstand von mir halten, bevor ich ihm den Kiefer breche.«

»Sei nicht so hart zu ihm. Er scheint zwar ein Trottel zu sein, aber ein harmloser.«

»Das ist ja das Problem«, er schaute zu Rahmelo rüber, »nimm ihn einfach mit und pass auf, dass er nicht stirbt! Sonst hagelt es wieder Beschwerden von der Wissenschaftsabteilung und darauf hab ich echt keinen Bock.«

»Wer hatte denn die Aufgabe, die Umgebung auszukundschaften und hat dann fälschlicherweise behauptet, die Luft sei rein? Was dazu geführt hat, dass zwei Wissenschaftler zerfleischt wurden«, sie schaute ihn an, eine Augenbraue war nach oben gehoben.

»Woher hätte ich denn wissen sollen, dass sich dieses Voidviech im Schlafzimmer unterm Bett versteckt?«, verteidigte Seth sich.

»Indem man vielleicht gründlich nachguckt?!«

»Ja, ist ja gut«, er rollte genervt mit den Augen, deutete den zwei MEKs, dass sie ihm folgen sollten und verschwand Richtung Leuchtturm.

»Alter Sturkopf«, fauchte Rookie.

Die zwei anderen MEKs warteten geduldig auf ihre Befehle.

»Na, dann los, Jungs. Schauen wir uns mal den Geräteschuppen an. Wird bestimmt aufregend.«

»Roger«, antwortete einer der Einsatzkräfte.

Rookie drehte sich um und rief: »China! Komm, wir schauen uns den Schuppen an!«

Er schaute sich erschrocken um, so als hätte sie ihn aus irgendeinem Tagtraum geweckt und lief dann hastig zu ihr rüber. Kurz bevor er bei ihr ankam, stolperte er, wodurch ihm seine runde Brille von der Nase fiel. Rookie seufzte, hob die Brille auf und übergab sie ihm.

»Du hast da was verloren.«

Er errötete, ihm war die Situation mehr als nur peinlich.

»Oh… Danke, Fräu… Ich mein, Agentin Morle. Ich bin… Ich bin so ungeschickt manchmal. Ich bin so aufregt. Da… Da… Da passieren mir schon mal dumme Sachen. Hihi«, kicherte er wie ein kleiner Schuljunge.

»Tu mir bitte einen Gefallen…«

»Natürlich, natürlich! Jeden!«

»Konzentriere dich! Du bist hier nicht in deinem sicheren Labor, sondern beim Feldeinsatz! Wenn du nicht aufpasst, kannst du sehr schnell draufgehen. Und darauf haben wir, also Seth und ich, gar keine Lust. Das bedeutet nämlich unnötig viel Papierkram und viel zu lange Gespräche. Verstanden?«

Er schluckte ängstlich und nickte.

»Gut«, sie schaute wieder zu den MEKs, »gehen wir, die Arbeit ruft.«

Zuerst ging es zum Geräteschuppen. Es war kein großes Gebäude, eher ein kleines Häuschen. Es sah fast so aus, als hätte man es notdürftig aus Treibholz zusammen gezimmert. Der Erbauer schien auch nicht sehr bewandert in seiner Kunst gewesen zu sein. Die Nägel waren alle schief eingehämmert worden, manche der Bretter waren nicht richtig gesägt. Die Farbe blätterte überall ab. Das Dach war einfach bloß eine Platte. Das Haus hatte keinerlei Fenster und die Tür keinen Türknauf, sondern nur ein Loch. Alles sehr amateurhaft.

Rookie öffnete die Tür und musste aufpassen, dass sie ihr nicht entgegen fiel. Die Tür war auch nicht richtig befestigt. Ihr wurde ein kleines, dunkles Kämmerlein offenbart. An der einen Wand stand eine Werkbank mit allerhand Werkzeugen und einer Öllampe zur Beleuchtung. Im Schuppen befand sich auch ein uralter, verrosteter Rasenmäher, eine Harke, zwei Angeln, ein roter Werkzeugkasten, ein paar ranzige Eimer und eine verbeulte Schubkarre. Die Luft roch nach nassem und vermodertem Holz. Rookie hörte, wie Rahmelo seinen Notizblock aufklappte und fleißig jeden noch so unwichtigen Fleck notierte.

»Hmm, wie aufregend. Ein alter Schuppen«, gähnte Rookie.

»Jungs, lasst uns zum Haus gehen. Hier in diesem Gebäude werden wir keine Anomalien finden.«

Das Haus des Leuchtturmwärters war in einem weitaus besseren Zustand als die kleine Hüte. Es war sogar professionell gebaut, mit Fenstern und einer Tür. Bestehend aus roten Ziegelsteinen und in der Größe relativ klein, es hatte auch nur ein Erdgeschoss. Diesmal ließ Rookie die Vordertür von einem der MEKs öffnen, nur zur Sicherheit. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sie von einem Monster oder Kultisten überrascht wurde, weil sie unvorsichtig die Tür geöffnet hatte.

Die MEKs gingen mit gezogenen Waffen in das Haus und sicherten die Umgebung. Erst als die Luft rein zu sein schien, folgten Rookie und Rahmelo. Die Wohnung war mehr als nur überschaubar. Es gab nur drei Räume: Eine kleine Küche mit Vorratskammer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer mit Nachttopf. Überall lag Staub, hier schien schon lange niemand mehr gewesen zu sein. Der Leuchtturmwärter hatte es hier sehr heimelig. Die Vorratskammer war gut gefüllt, mit allerhand Fisch, Konserven, Trockenfleisch, eingelegtem Obst und Marmelade. Das Wohnzimmer hatte eine gemütliche Couch, einen kleinen Esstisch und zwei Stühle, zusätzlich noch einen Schreibtisch und ein gefülltes Bücherregal. Das meiste waren Bücher über Seefahrt, Meerestiere, Leuchttürme und Schiffe. Den einen oder anderen Abenteuerroman konnte man auch finden. Aber ebenso auch zwei Bücher mit den Titeln Einfache Konstruktionen und Architektur für Anfänger. Doch abgesehen davon gab es im Wohnzimmer nicht viel zu sehen, also ging Rookie zum Schlafzimmer über.

Ein ordentlich gemachtes Bett, ein leerer Nachttopf, eine Garderobe, der Raum war sehr bescheiden eingerichtet. Auf dem Nachtschrank lag ein Buch mit dem Namen Die zwölf heiligen Schriften. Der Leuchtturmwärter war ein Gläubiger, ein Cathlicist. Dem Zustand des Buches nach zu urteilen ein sehr strenger sogar. Rookie nahm es in die Hand und blätterte ein wenig darin. Das Papier war leicht braun, die Seiten hatten Einrisse und Eselsohren. Es war sehr häufig gelesen worden. Gut möglich, dass der Wärter jede Nacht gebetet hatte.

Über dem Bett hing ein Rahmen mit einem schwarz-weiß Foto. Ein Mann in einer Matrosenuniform und eine Frau in einem Sommerkleid waren zu sehen. Sie standen vor dem Leuchtturm. Das muss der Wärter gewesen sein, dachte Rookie. Und vielleicht… seine Frau? Wo der Wärter sich wohl befand? Hoffentlich ging es ihm gut und er konnte die Insel verlassen, bevor… was auch immer hier passiert war. Rookie hörte, wie jemand das Zimmer betrat. Sie drehte sich um. Es war Rahmelo, er hielt ein Stück Papier in der Hand.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr in Part III

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