Interview mit einer jungen Heldin. Vom Thementag über den Friedensjournalismus – Teil 2

Claudia Stoleru, Studentin der Kulturarbeit an der FH Potsdam (Foto: Claudia Stoleru)

Als ich am 21. Februar auf dem Thementag der FH Potsdam zum Thema „Friedensjournalismus“ war (den 1. Teil zum studentisch organisierten Thementag findet ihr hier), sind mir vor allem auch die Initiatorinnen in Erinnerung geblieben. Sie haben eine lernfreundliche und motivierende Atmosphäre geschaffen und so das Thema für mich überhaupt erst zum Leben erweckt. Nun möchte ich den Fokus auf die Menschen hinter der Veranstaltung richten. Claudia Stoleru war eine von ihnen. Ein Interview von Jana Voldman.

Wie bist Du zum Thema Friedensjournalismus gekommen?

Wir haben als Projektgruppe im Rahmen unseres Studienprojektes das Überthema Krieg und Frieden erhalten zum Anlass des 75-jährigen Kriegsendes und haben dann zusammen als Gruppe erstmal überlegt: Was assoziieren wir überhaupt mit Krieg und Frieden? Und sind dann auf den Gedanken gekommen, dass wir ziemlich viele Informationen über Kriegsverläufe vor allem über die Medien erhalten. Sobald man das Handy einschaltet, kommen die ersten Nachrichten oder auf Facebook. Also wir sind halt auf die Medien gekommen.

Und dann sind wir aber auch darauf gestoßen, dass wir das Gefühl haben, wann immer wir etwas über Kriege berichten oder lesen oder hören, dass wir da doch ein sehr negatives Weltbild vermittelt bekommen. Also immer wieder kommen sehr viele Totenzahlen oder Katastrophen. Und haben uns dann die Frage gestellt, ob es nicht doch alternative Medien gibt. Und sind dann in die Recherche gegangen und haben verschiedene journalistische Formen gefunden und die jeweiligen Redner recherchiert. Und so sind wir dann auf den Thementag gekommen, auf den Friedensjournalismus.

Warum interessierst Du Dich persönlich für Friedensjournalismus?

Ich habe nach meinem Abitur einen Friedensdienst geleistet im Ausland in Rumänien mit der Organisation Eirene, was auf Altgriechisch auch Frieden bedeutet. Die haben auch ein Friedensjournalismus-Projekt. Ich habe einen Friedensdienst in Rumänien absolviert in einem Kindergarten in einem Roma-Viertel in der Stadt Cluj-Napoca. Und da ging es vor allem darum, gewaltfreie Methoden herauszufinden, wie kann ich mit jemandem umgehen, mit dem ich zerstritten bin, beispielsweise.

Das sind auch so große Inhalte von Eirene. Wie kann ich auch friedvoll mit der Umwelt umgehen? Immer wieder im Alltag, aber auch in größeren Konflikten. Und das war so mein erster Berührungspunkt mit der Friedensarbeit.

Was ist für Dich ein Beispiel für Friedensjournalismus?

Für mich ist eigentlich das beste Beispiel Peace Counts. Das ist ein Projekt, das, glaube ich, 2002 oder 2004 entstanden ist mit Journalisten und Journalistinnen, die sich eben auf die Suche gemacht haben nach Friedensstiftern und Friedensstifterinnen, weil sie eben genauso wie wir das Gefühl hatten, dass in den Nachrichten viel zu viel von Konflikten berichtet wird und etwas Positiveres am besten an den Platz treten sollte. Und dann sind sie gereist in verschiedenen Ländern, haben immer wieder nach verschiedenen Leuten gesucht, die sowohl im Kleinen als auch im Großen Frieden stiften, Konflikte lösen, sich für marginalisierte Gruppen einsetzen.

Mit einer dieser Initiatorinnen kamen wir auch in Kontakt. Das ist so für mich eigentlich eines der schönsten Projekte. Der Friedensjournalismus arbeitet natürlich auch mit der Friedenspädagogik Hand in Hand. Das sind ja mehrere Felder, die sich dann überschneiden.

Was hat Dein Studiengang mit dem Thema zu tun?

Das ist eine sehr gute Frage, nämlich eigentlich recht wenig bis jetzt noch. Mal sehen, ob sich das noch verändert. Wir haben eigentlich kaum Themen, die sich damit beschäftigen. Wir hatten ein Seminar zu kulturellen Kooperationen, in dem das so ein bisschen anklang: Wie kann ich in der Kulturarbeit Projekte gestalten, in denen beispielsweise Menschen mit verschiedenen Migrationshintergründen oder Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, teilnehmen? Wie schafft man es da, für alle Zugänge zu schaffen? Das klang da so ein bisschen an, hat aber tatsächlich nicht ganz so viel damit zu tun, was ich auch, ehrlich gesagt, sehr schade finde.

Denn ich glaube, das ist eher ein Themenfeld, das sich in der Sozialen Arbeit verorten lässt, also Konfliktlösung. Vielleicht gäbe es in Zukunft Potenzial, dass man da zusammenarbeiten könnte. Frau Angela Micklay (Ergänzung: eine der Redner_innen) hatte uns auch erzählt, dass sie das so schade findet, dass gerade dieses Thema Frieden, Konfliktlösung, das es eigentlich ein Thema ist, was alle Studiengänge betreffen könnte, vor allem Studiengänge, die dann später mit Menschen zusammenarbeiten. Ist doch sehr schade, dass das bei uns bis jetzt noch nicht so verankert ist.

Was hat Dich motiviert, den Thementag mitzugestalten?

Vor allem die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, dass zu wenig von Frieden berichtet wird. Dass ich einen Beitrag leisten wollte, eine journalistische Form, die wirklich sehr unbekannt ist, ein bisschen in die Öffentlichkeit zu bringen. Klar, natürlich, ich weiß, das ist nur auf unserem Campus. Aber trotzdem hatten wir, glaube ich, alle das Gefühl, dass wir einen kleinen Beitrag dazu geleistet haben, dass etwas, was wirklich noch nicht so groß und nicht so bekannt ist, trotzdem eine kleine Bühne erhält und vielleicht zum Denken anregt.

Was war der erste Schritt zur Vorbereitung?

Tatsächlich das Konzept. Daran saßen wir sehr lang. Das Konzept ist eigentlich der Grundstein, den man legen muss, um mit einem Projekt überhaupt erstmal zu beginnen, weil man sich erstmal fragt: Was ist unser Ziel? Wo wollen wir hin? Welche Zielgruppe wollen wir erreichen? Das muss man auch noch definieren. Dann auch einen Zeitplan erstellen. Also erstmal diesen ganzen Rohbau anzufertigen. Ja, das ist erstmal wie ein Fundament, auf dem das ganze aufgebaut wird. Wenn man da weiß: Wo möchte ich eigentlich hin mit meinem Projekt? Was ist unser Ziel? Wenn man das schon ganz früh definiert hat, kann gar nicht so viel schiefgehen.

Was war euer Ziel?

Unser Ziel war es tatsächlich, den Friedensjournalismus bekannter zu machen, dazu anzuregen, dass man Kriegsberichterstattungen nicht einfach so konsumieren sollte, sage ich mal, sondern wirklich reflektieren sollte. Daher auch der Beitrag von Herr Ekkehard Sieker (Ergänzung: einer der Redner_innen). Sind Kriege vielleicht wirklich auch konstruiert teilweise? Wie viel Macht steckt da dahinter? Also gerade dieser große Begriff der Macht des Medienmonopols. Woher kommen, wer finanziert eigentlich diese großen Zeitungen? Welche Hintergründe stecken dahinter?

Um einfach zu sensibilisieren und dazu anzuregen, zu hinterfragen, bevor man überhaupt von Kriegsberichterstattungen liest oder welche Quellen man benutzt, weil das letztendlich unser alltägliches Leben ja total beeinflusst. Also von wem lesen wir? Was kriegen wir da für ein Weltbild oder was kriegen wir da für ein Bild vermittelt? Und wie gehen wir damit im Alltag um? Das war uns sehr wichtig.

Was, würdest du sagen, war die größte Hürde?

Also ich glaube, am Anfang war vor allem die größte Hürde die Finanzierung, weil wir uns, genauso wie alle anderen Projekte in ganz Potsdam und Berlin, beispielsweise bei Stiftungen beworben haben. Das heißt, wir standen in direkter Konkurrenz zu auch erfahrenen Künstlern und Künstlerinnen, was für uns natürlich als Anfängerinnen schon auch eine Herausforderung war. Wobei wir auch dann eine Crowdfunding-Kampagne gestartet haben, die auch erfolgreich gewesen ist. Und die Festlegung: Was ist eigentlich unser genaues Thema? Und was wollen wir erreichen?

Kannst Du kurz sagen, wie viel Geld ihr bekommen habt?

750€.

Und wohin habt Ihr den Rest gespendet? Ihr wolltet das ja spenden.

Wir haben so über 200€ übrig. Und jetzt sind wir gerade in der Verhandlung, ob wir das an „Facetten der Kulturarbeit“ spenden, also unseren Verein, der sich über die Kulturarbeit gebildet hat, der ja auch unser Träger war, oder ob wir es tatsächlich dem Internationalen Friedensbüro spenden, von dem ja auch Rainer Braun (Ergänzung: einer der Redner_innen) kam. Oder uns tatsächlich nochmal eines der Magazine oder Zeitungen auswählen, die wir auch in unserer Recherche herausgefunden haben. Es gibt ja auch noch weitere Initiativen, wie zum Beispiel das „Korrektiv“ oder „Perspective Daily“, die ja auch investigativen Journalismus betreiben.

Was hat an der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen Spaß gemacht?

Vor allem hat Spaß gemacht, dass wir so unterschiedliche Erfahrungen mitgebracht haben. Also ich glaube, dafür ist unser Studiengang auch ausgezeichnet, die Kulturarbeit. Dass wir beispielsweise Kommilitoninnen und Kommilitonen haben, die bereits studiert haben oder schon eine Ausbildung gemacht haben. Oder die schon in anderen praktischen Feldern Erfahrungen gemacht haben. Es war ganz interessant zu sehen, wie jede sich in unserer Gruppe beteiligen konnte mit ihren Stärken und auch das mitbringen konnte, was sie bereits erlernt hat. Das war ganz schön, dass so ein Austausch stattgefunden hat.

Und learning by doing eigentlich, das ist so das Motto unserer Projektarbeit, glaube ich, gewesen. Es war schön zu sehen, wie aus einer Idee, die in den Köpfen war, plötzlich so ein Thementag entsteht. Und das alles, ja, auf Grund von unserer Arbeit. Dass wir das geschafft haben als Studierende, was man sich erstmal gar nicht zutraut. Man denkt, das ist so was Riesiges, so einen Thementag zu planen, da steckt so viel dahinter. Und man muss erstmal auf eine richtig gute Idee kommen. Und irgendwie, wenn man einmal anfängt und sich da so ein bisschen hineinarbeitet, dann kommt der Stein ins Rollen. Das war schön zu sehen.

Was hast du von dem ganzen Prozess mitgenommen?

Ich habe mitgenommen, wie ich mit Stress umgehe, wenn man viel erledigen muss, wie man auch vielleicht Grenzen ziehen kann, aber auch vor allem, dass ich mich auf andere verlassen kann und auch auf mich selbst. Dass man sich manchmal auch größere Dinge zutrauen kann. Das hat uns auch Rainer Braun gesagt.

Und das war auch so schön, dass die Redner uns dieses Vertrauen auch gegeben haben und gesagt haben: „Hey, ihr seid zwar nicht lange dabei, aber ihr macht es [die Moderation] sicherlich ganz gut.“ Und das war irgendwie total ermutigend. Also sich auch mal was zu trauen. Auch mal Institutionen anzuschreiben, die vielleicht wirklich unerreichbar sind. Also wir haben teilweise auch Journalisten wie Carolin Emcke angeschrieben, die im Haus der Kulturen der Welt ein ähnliches Format hatte. Sie war der Vorläufer. Und ihr Format hieß „Krieg erzählen“. Und da ging es vor allem auch um den ersten Weltkrieg und wie da die Kriegsberichterstattung war.

Wie kannst du das, was du mitgenommen hast, für dich im Alltag jetzt integrieren?

Also vor allem achte ich jetzt mehr auf die Artikel, die ich lese. Ich hinterfrage tatsächlich, was, wer da berichtet und zu welchem Zeitpunkt. Versuche auch gezielt beispielsweise Artikel, die ich sehr inspirierend finde, auch zu teilen mit anderen Menschen oder mit Freunden und Freundinnen in meinem Umfeld. Und mich vielleicht nicht so schnell erschrecken zu lassen von dem, was ich lese und zu überlegen, dass das, was da geschrieben wurde, auch aus bestimmten Gründen geschrieben wurde. Also ich habe das Gefühl, ich gehe einfach reflektierter damit um, was ich lese, was mir in die Hände fällt.

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Claudia Stoleru für das inspirierende Interview!

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