Cannes, Venedig, Babelsberg – das internationale Filmfestival in Potsdam: Sehsüchte (incl. English version)

Das omnipäsente „Aufflammen“ des Films. (Foto: Hannah Mück)

Wenn man in diesen Tagen durch die Medienstadt Babelsberg spaziert, sieht man schon an den jungen Menschen, die mit Tennissocken mit Flammenmotiv oder anderem Merch unterwegs sind: das Festival Sehsüchte ist in vollem Gange. Seit Mittwochabend findet das internationale Studierendenfilmfestival zum 50. Mal in der Filmuniversität Konrad Wolf in Babelsberg statt. Noch bis Sonntag, 25.07.2021, können alle Interessierte das Festival und vor allem die diverse Arbeit der jungen Filmschaffenden in Babelsberg und in Potsdamer Kinos feiern. Erste Eindrücke des Festivals von Hannah Mück.

Aus gegebenem Anlass wird das Festival in diesem Jahr als hybrides Projekt mit Veranstaltungen vor Ort in Potsdam wie auch digitalen Veranstaltungen und Streams realisiert. Neben dem Hauptbestandteil des Festivals, über 100 verschiedenen neuen Filmen, gibt es zahlreiche andere Events. Beispielsweise lädt das Universitätsgebäude zu zwei kostenlosen Ausstellungen ein, außerdem gibt es eine 360°-Filmerfahrung, gemeinsames Outdoor-Workout und Live-Musik auf dem Unigelände oder Workshops, die sich thematisch natürlich um das Thema Film drehen.

Von den Studententagen in der DDR zum größten Studifestival Europas in 50 Jahren. (Foto: Hannah Mück)

Die Ausstellung im Foyer der Uni zeigt mithilfe von bunten Collagen aus Erklärtexten, Videoclips, alten Zeitungsartikeln, ehemaligen Festivalplakaten und Zitaten die Geschichte und Entwicklung des Studierendenfilmfestivals. Aus den ersten „Freie Deutsche Jugend-Studententagen“ an der damals noch Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg im Jahr 1972, einem reinen Fest mit Einreichungen aus der DDR, über Beiträge von den „sozialistischen Nachbarn“ und der erstmaligen Präsentation westdeutscher Hochschulfilme im Jahr 1989 wuchs das Festival und der Wettbewerb stetig im internationalen Kontext, sodass es sich heute als das größtes Studierendenfilmfestival Europas bezeichnen darf. Das Jahrzehnte lange Wachstum des Filmfestivals hat auch eine Professionalisierung des Wettbewerbs mit sich gebracht: ein eigener Verein wurde für die Filmtage gegründet, um die Größe des Festivals zu bewältigen.

In der zweiten Ausstellung im Unigebäude, der „Beyond the Frame“-Exhibition, die allerdings auch im online Format verfügbar ist, kann man diverse Video- und Audioinstallationen von jungen Künstler:innen ansehen. Hier reicht das thematische Spektrum vom Versuch der Selbstfindung über die Verstrickung vom Verliebt-Sein und gleichzeitiger häuslicher Gewalt, Projektionen, die den:die Besucher:in mit in das Video einbeziehen bis hin zu Installationen, die die Gefahr der Digitalisierung in Bezug auf politische und gesellschaftliche Systeme erahnen lassen.

Wie die Präsidentin der Filmuniversität, Prof. Dr. Stürmer, bei der ganz auf internationales Publikum abgestimmten bilingualen live gestreamten Eröffnungsfeier schon angemerkt hat: die Tage des Kinos dürften wohl in Anbetracht vom Wachstum der Streamingdienste gezählt sein. Umso größer ist die Freude, dass man trotz der andauernden Pandemie momentan die Möglichkeit hat, in den Potsdamer Kinosälen die Arbeit der jungen Filmschaffenden zu sehen.

 

— ENGLISH VERSION —

Cannes, Venice, and Babelsberg – the international student film festival: Sehsüchte

The omnipresent "eruption" of film. (Photo: Hannah Mück)
The omnipresent „eruption“ of film. (Photo: Hannah Mück)

When walking around the media city Babelsberg today, you can already see by the tennis socks with the flame motive and other merchandise being worn by young people: the festival Sehsüchte is finally happening. Since Wednesday evening, the international student film festival is taking place for the 50th time at the Film university Konrad Wolf in Babelsberg. Until this Sunday, July 25th 2021, you can attend the festival in Babelsberg and celebrate the work of young filmmakers in Potsdam’s cinemas. First impressions of the festival by Hannah Mück.

Due to most apparent reasons, the festival is being realized as a hybrid project with events in Potsdam as well as digital happenings and streams. Next to the main part of the film festival, more than 100 new films, there are numerous events such as two free exhibitions, a 360°-film experience, a collective workout, and live music in the building of the University, or workshops that obviously revolve around the topic Film.

The exhibition in the foyer of the university explains the 50-year-old history and development of the film competition with the help of varied collages made from explanatory texts, short video-clips, old newspaper articles, former festival posters, and quotes. The festival has grown from the first “Free German Youth Student days” at the formerly so-called “Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg” in 1972 in the former German Democratic Republic (GDR), with submissions only from the GDR. Then, there were contributions by the “socialist neighbours” and the first pieces by West-German film unis in 1989. The film festival has grown continuously on the international basis, so it may call itself the biggest student film festival in Europe. The decade-long growth has been accompanied by the steady professionalization of the festival: a special association has been founded for Sehsüchte.

The second exhibition in the university’s building, called “Beyond the Frame”, presents many video and audio installations by young artists. You can also see this exhibition online, although the video and audio quality cannot be compared to the one in the building. The topics of these works reach from the attempt on finding yourself, over the combination of being in love and domestic violence, projections that incorporate the visitor, to installations that let us guess where the danger of digital age in relation to political and societal systems are.

As the president of the Film University, Prof. Dr. Stürmer, already mentioned at very internationally organized, bilingual opening event: the time of actual cinemas may be over soon when looking at the growing demand for online streaming services. You can feel the even bigger joy of the students at the festival that the work of the filmmakers can be shown in Potsdam’s cinemas these days even during the ongoing pandemic.

 

 

 

 

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