Soll ich das Studium abbrechen? – Ein Interview mit der Psychologischen Beratungsstelle der Universität Potsdam

Wenn die Gedanken sich wie ein ungewisser Weg anfühlen. Die Psychologische Beratungsstelle der Universität Potsdam kann helfen. (Foto: Karl Baptist)

Wenn sich auf unseren Lebenswegen plötzlich Steine befinden, ist guter Rat, Hilfe und Zuwendung viel wert. Auch im Studium können uns viele Gedanken über einen eventuellen Studienabbruch, Prüfungsängste und Stress im Privatleben den Alltag erschweren. Doch an wen kann man sich dann wenden, wenn die Angst vor einem offenen Gespräch mit der Familie oder den Freund_innen zu groß ist? Um diese Sorgen zu nehmen und um Hilfe in solchen Situationen zu leisten, befindet sich in der Uni Potsdam am Neuen Palais die Psychologische Beratung, deren Team (bestehend aus Frau Klöhn, Frau Kober und Frau Fackeldey) uns in diesem Interview ein paar Fragen zur ihrer Arbeit und den dortigen Angeboten beantwortet hat. Von Karl Baptist.

Wo finde ich ein offenes Ohr für meine Anliegen?

Wie würden Sie Ihre Arbeit in der Psychologischen Beratung beschreiben?

Wir beraten Studierende zu unterschiedlichen Themen, wie u.a. Arbeits- und Lernstörungen, Motivationsprobleme, Prüfungs- und Redeängste, Schreibblockaden oder Kontaktschwierigkeiten, aber auch bei Schwierigkeiten und Sorgen, die sich eher indirekt auf die Studienleistung und Zufriedenheit im Studium auswirken können, wie z.B. Beziehungsprobleme, Partnerschafts- und Familienkonflikte, Selbstwertprobleme oder persönliche Krisen.

Wie sind Sie zur Psychologischen Beratung an der Uni Potsdam gekommen?

Frau Klöhn: Ich habe vorher im Bereich der Entwicklungspsychologie beratend bei dem Erstellen von Diplom- oder Hausarbeiten sowie bei der Begleitung von Projekten gearbeitet und bin dann in die Psychologische Beratungsstelle (PBS) ans Neue Palais gekommen.

Frau Kober: Über meinen Beruf als Psychotherapeutin kam ich an die PBS und ich erlebe meine Arbeit hier als bereichernde Ergänzung zu meiner Arbeit als Verhaltenstherapeutin.

Frau Fackeldey: Ich habe vorher als psychologische Beraterin an einer Berliner Privatuni gearbeitet und kann an der PBS sowohl diese Erfahrung als auch meine Basis als systemische Therapeutin gut integrieren.

Welche Anliegen bringen die Studierenden mit, die sich an Sie wenden?

Ganz diverse Themen, die von kurzfristigen Krisen bis zu chronischen psychischen Erkrankungen reichen. Häufige Themen sind z.B. Prüfungs- und Redeängste, depressive Verstimmungen, Partnerschafts- oder Familienkonflikte sowie alles rund ums Thema Prokrastination.

Sind Trends zu beobachten – Änderungen in der studentischen Gesellschaft, häufige Anliegen und Schwerpunkte?

Es ist definitiv eine Zunahme von Stresserleben zu beobachten, wobei gleichzeitig eine zunehmende Offenheit und ein Interesse gegenüber einer Auseinandersetzung mit psychisch belastenden Themen und Erleben bestehen.

Gibt es Anhaltspunkte, dass Studierende aufgrund psychischer Probleme ihr Studium abbrechen? Wenn ja, was würden Sie diesen Studierenden raten?

Die gibt es, ja. Aber bevor es zu einem Abbruch kommt, gibt es viele Möglichkeiten diese Auseinandersetzung zu begleiten, Alternativen zu erarbeiten oder Erleichterung zu schaffen. Beispielsweise können wir besprechen, ob ein Urlaubssemester einem Genesungsprozess zuträglich wäre oder mithilfe eines Nachteilsausgleichs (entsprechend dem Brandenburgischen Hochschulgesetz, BbgHG, § 3 Abs. 4) belastende Rahmenbedingungen angeglichen werden können. Eine wichtige Frage, die wir im Zuge der Beratung häufig stellen, ist, von wem denn eigentlich die Motivation ausgeht, dieses Studium fortzuführen oder abzubrechen, da hier häufig schon wichtige Indikatoren liegen können.

Was möchten Sie unseren Lesern_innen und den Studierenden gerne mitteilen und auf den Weg geben?

Kommen Sie rechtzeitig, nehmen Sie Ihre (Bauch-)Gefühle und Symptome ernst, denn viele Themen lassen sich, wenn sie rechtzeitig erkannt werden, schnell und nachhaltig bearbeiten und es kann einer Chronifizierung oder Verschlimmerung vorgebeugt werden. Man kann mit allen Themen zu uns kommen, es zählt einzig und allein der ganz subjektive Eindruck des Leidens.

Das speakUP-Team bedankt sich bei der Psychologischen-Beratungsstelle der Universität Potsdam für die Beantwortung der Fragen.

Bei konkretem Gesprächsbedarf: Psychologische Beratungsstelle – Universität Potsdam

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