20 Jahre Nikolaisaal: Die Geburtstagsgala

Nikolaisaal, Wilhelm-Staab-Straße mit barockem Vorderhaus und Ticket-Galerie (Foto: Michael Lüder)

Es war ein fulminanter Abend im Nikolaisaal. Die Geburtstagsgala des Potsdamer Konzertsaals läutete am 5. September das 20-jährige Bestehen und die neue Saison ein. Zu Gast waren namhafte Singer-Songwriter_innen wie Gemma Ray, Jesper Munk und Teresa Bergman. Garniert wurde die Veranstaltung von Künstler_innen wie Dominique Horwitz, Balbina und der Kultband Keimzeit. Begleitet wurden die Musiker vom Filmorchester Babelsberg. Unser Redakteur war für die speakUP dabei. Von Rostislaw Suchin.

Nach und nach betreten die Zuschauer_innen den Saal, alle mit Maske. Bis zum Konzertbeginn sollen die Masken aufbehalten werden, ein wenig ungewohnt, aber völlig verständlich. Die Moderation übernehmen Marion Brasch und Knut Elstermann. Es wirkt recht familiär, manchmal zu familiär. Knut Elstermann und Marion Brasch stellen die einzelnen Künster_innen vor und moderieren an und ab. Dabei gelingt es Knut Elstermann etwas besser, eine angenehme Atmosphäre für das Publikum zu schaffen.

Gemma Ray

Gemma Ray (Foto: Alisa Resnik)

Doch nun tritt die erste Künstler_in auf: Gemma Ray. Sie ist eine Erscheinung. Die Haare hochgesteckt und perfekt gestylt, kommt die junge Britin auf die Bühne. Sobald die ersten Worte erklingen und ihr Gesang manifest wird, überzeugt Gemma Ray maßgeblich. Ihre Stimme erinnert leicht an Amy Winehouse, ihre Musik an Titel wie „Bang Bang“ aus Kill Bill oder Lana del Reys „Summer Wine“.

Die E-Gitarre produziert sphärische Klänge, die vom Filmorchester untermalt werden. Die Backgroundsängerinnen verschmelzen an manchen Stellen mit ihrem Gesang, was Honig in den Ohren der Zuschauer_innen ist.  Es sind eben jene ekstatischen halligen Klänge, die die Musik der jungen Britin so besonders machen.

Jesper Munk

Jesper Munk (Foto: Mathias Leidgschwendner)

Der nächste Singer-Songwriter, der sich auf die Bühne begibt, ist Jesper Munk. Der geborene Münchner begleitet sich am Klavier sowie auch an der E-Gitarre selbst. Seine Sounds sind eindringlich und seine warme Stimme vereinnahmt vermutlich jede_n, die_der im Publikum sitzt. Das Metier des jungen Künstlers ist der Blues.

Er erzählt seine Geschichten singend und sobald das Filmorchester mit dessen Streichern präsenter wird, ensteht mehr und mehr Feeling. Schwelgend wie nachdenklich, warm wie ruhig, bewegen sich die Schwingungen von Munks Musik über die Sitzreihen des Nikolaisaals. Das Outfit von Jesper Munk wurde von traditionellen Schneider_innen aus Kenia auf nachhaltige Weise gefertigt, das verrät uns Knut Elstermann im Dialog mit Jesper Munk.

Teresa Bergman

Teresa Bergman (Foto: Jim Kroft)

Auf Jesper Munk folgt eine Erscheinung, Teresa Bergman. In einem silber-glänzenden Kleid beginnt die junge Sängerin das Lied „Only Numbers“ zu singen. Ihre kräftige, fast Skyfall-artige Stimme bildet ein Highlight des Abends. Die Musik ist sowohl komplex, als auch sehr melodisch. Selbst Stellen, die an einen Kanon erinnern, sind Teil des Stückes. Im zweiten Lied, „Home alone“, thematisiert sie die Trennung von einem ihrer Ex-Partner und erzählt die Anekdote mit einem Lächeln. Es sei stets die Frau, die nach der Trennung zwischen zwei Musiker_innen das letzte Wort habe.

Die Stimme ist kräftig, in den tiefen, mittleren und besonders in den hohen Lagen spielerisch und prägnant. Man merkt Teresa Bergman an, dass sie Spaß auf der Bühne hat, dass sie die Zeit genießt. Die ehemalige Straßenmusikerin debütiert an diesem Abend grandios bei der ersten Liaison mit einem Orchester. Selbst Knut Elstermann kann sich den nächsten James Bond-Song mit Bergmans Musik sehr gut vorstellen.

Dominique Horwitz

Dominique Horwitz (Foto: Ralf Brinkhoff)

Um nach Teresa Bergman die Spannung noch mehr zu steigern, tritt Dominique Horwitz auf die Bühne. Der Schauspieler und Sänger hebt den Altersdurchschnitt um einige Jahre, bringt jedoch Erfahrung mit, die den Zuschauer_innen den Atem rauben. Er singt „Sunny“, ein Lied, bei dem man denken würde, wie soll das noch interpretiert werden bzw. überzeugen können. Doch Horwitz schafft es, das Publikum innerhalb weniger Momente einzufangen. Er schafft es mit ausgeprägter Mimik und Gestik und seiner warmen Stimme den Saal zum Grooven zu bringen.

Balbina

Balbina (Foto: Christoph Kassette)

Im Anschluss bricht Balbina die vorherigen Stile und bildet einen Kontrast zu allem Bisherigem. Mit roboterhaften Bewegungen und elektronischen Sounds versetzt uns Balbina in eine andere Welt, eine Welt, die voller Drama und Verzweiflung ist. Es wirkt fast so, als wären wir in einem Science-Fiction-Film von Christopher Nolan. Besonders in den Gesichtszügen von Balbina findet sich eben jenes „Kaputtgehen“, das sie im dritten und letzten Lied beschreibt, wieder. Ein Bruch mit der Wirklichkeit, ein Bruch mit allem.

Keimzeit

Band Keimzeit (Foto: Bernd Brundert)

Die Kultband Keimzeit schließt den Abend ab. Sie bringen eine Lockerheit zurück in den Saal. Verspielt mit Bläserklängen, im Zusammenspiel mit dem Filmorchester Babelsberg entsteht ein Good-Mood-Feeling. Die Rhythmusgruppe aus der Band sowie die des Orchesters blühen bei dieser Musik auf.

Keimzeit setzt einen entspannten Akzent für einen familiären Abend. Es sind viele Stammgäste und Freund_innen des Nikolaisaals zugegen, ein gelungenes Heimspiel. Es ist ein angenehmer Beginn einer neuen Spielzeit, die uns Appetit auf Neues macht, auf mehr Kultur.

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