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Portrait Sabine Kunst

Sieht ihrer neuen Aufgabe positiv entgegen: Sabine Kunst  (Foto: MWFK)

 

Wie erwartet wurde am 19. Januar Sabine Kunst (SPD), aktuell Wissenschaftsministerin in Brandenburg, vom Konzil der Humboldt-Universität mit 49 von 55 Stimmen zur neuen Uni-Präsidentin gewählt. Damit findet die langwierige Suche nach einer Neubesetzung des Amtes in Berlin ein Ende, die Frage nach ihrer Nachfolge in Potsdam aber bleibt offen. Von Peter Schuld und Denis Newiak.

Eigentlich hätte Jan-Hendrik Olbertz bereits im Oktober 2015 als HU-Präsident abgelöst werden sollen. Doch dazu kam es nicht, weil sein designierter Nachfolger Martin Lohse seine Kandidatur im letzten Moment zurückzog. Olbertz selbst hatte wiederum im Vorfeld erklärt, nicht erneut antreten zu wollen. Er war mit seiner geplanten Reform der universitären Führungsstruktur am internen Widerstand gescheitert und wollte deshalb aufhören. Damit drohte die HU zeitweise ohne klare Führung zu bleiben, einige Stimmen sprachen gar von einer unregierbaren Universität (speakUP berichtete).

Schwieriger Posten

Im Dezember 2015 wurde dann Sabine Kunst als neue Kandidatin vorgestellt – obwohl ihre Amtszeit als Ministerin noch bis 2019 dauert. Bereits damals hatte sie viele Vorschusslorbeeren bekommen. Mit ihrer Person werden große Hoffnungen, aber auch große Erwartungen verbunden. Sie gilt als durchsetzungsfähig und verfügt über einschlägige Fachkenntnis. Von 2007 bis 2011 war sie Präsidentin der Universität Potsdam, 2010 wurde sie als „Hochschulmanagerin des Jahres“ gekürt.

Entsprechend zuversichtlich äußerte sich die 61-Jährige nach ihrer Wahl: Die HU als unregierbar zu bezeichnen sei „überzogen“, sagte Kunst laut Tagesspiegel. „Es geht ja nicht ums Regieren, sondern darum, die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu schaffen.“ Während ihrer Zeit als Universitätspräsidentin in Potsdam als auch als Chefin des Wissenschaftsministeriums war Kunst nicht unumstritten. Insbesondere die von ihr forcierte und umgesetzte Hochschulen-Fusionierung in der Lausitz führte zu starken Gegenreaktionen.

Gemischte Gefühle

Die Reaktionen auf ihre Wahl – mit einem „überwältigenden Ergebnis“ von 49 Für- und nur sechs Gegenstimmen, wie Kunst selbst kommentierte – fielen überwiegend positiv aus. Peter Heiß, Geschäftsführer des Studentenwerks Potsdam, sagte auf Nachfrage, er würde sich über das „klare Votum“ sehr freuen, jedoch würde mit Kunst auch eine „Unterstützerin der Studentenwerke“ in Potsdam verloren gehen. Von der Nachfolge erwarte Heiß weiteres Engagement für das Studentenwerk, insbesondere in Bezug auf die Finanzierungssicherheit und erweiterte Möglichkeiten bei der Kreditaufnahme für Investitionen, etwa für neue Studierendenwohnheime.

Die Studierendenvertreter_innen der HU zeigten sich, wie schon im Dezember, zurückhaltend. Trotz der Gespräche mit Kunst blieben noch einige Forderungen und Kritikpunkte im Raum. Ähnlich hatte sich bereits einige Tage vor der Wahl Claudia Fortunato vom Allgemeinene Studierendenausschuss (AStA) der Uni Potsdam gegenüber speakUP geäußert: „Wir sehen den potentiellen Abschied von Frau Kunst aus Brandenburg ohne Trauer. Sie zeichnete sich nie durch eine besonders studierendenfreundliche Politik aus.“ Vom Universitätspräsidenten Oliver Günther war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Amtsantritt voraussichtlich zum Sommersemester

Zur Frage möglicher Nachfolger von Kunst im Wissenschaftsministerium wollte sich die Landesregierung bislang nicht äußern. Das Ministerium selbst wolle keine Aussagen über mögliche Nachfolger_innen machen und verwies auf den für die Neubesetzung zuständigen Ministerpräsidenten, dessen Staatskanzlei sich ebenfalls bedeckt hält. Frau Kunst wolle in der ihr verbliebenen Zeit als Ministerin alle offenen Aufgaben „geordnet übergeben“, so ein Sprecher.

Hinter den Kulissen wird aber Martina Münch (SPD) als ein möglicher Name gehandelt. Münch war bereits von 2009 bis 2011 Wissenschaftsministerin, bevor sie ins Bildungsministerium wechselte – der dortige Minister Holger Rupprecht hatte seinen Stuhl aufgrund einer Dienstwagenaffäre räumen müssen. Nach der Landtagswahl 2014 war sie allerdings aus der Regierung ausgeschieden.

Vorerst ist Kunst trotz ihrer Wahl noch Wissenschaftsministerin. Mit einem Wechsel nach Berlin rechnet sie voraussichtlich im Sommersemester. Das hängt auch davon ab, wie schnell die Landesregierung auf sie verzichten kann. Bis dahin bleibt auch Olbertz noch als Präsident der HU im Amt.

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cvd

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