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Obwohl ihre Amtszeit als Wissenschaftsministerin von Brandenburg noch bis 2019 andauert, wird Sabine Kunst (SPD) voraussichtlich im Januar zur neuen Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin gewählt – ein Vorgang, der von vielen begrüßt, von einigen aber auch kritisiert wird. Von Peter Schuld.

Sabine Kunst, Wissenschaftsministerin von Brandenburg.

Sabine Kunst, aktuell Wissenschaftsministerin von Brandenburg, wurde als neue Präsidentin der HU nominiert (Foto: MWFK).

In der Verwaltung der HU rumort es seit einiger Zeit. Nachdem der noch amtierende Präsident Jan-Hendrik Olbertz versucht hatte, die Führungsstruktur der Universität zu zentralisieren und damit gescheitert war, gibt es zahlreiche offene Baustellen. Olbertz selbst hat eine erneute Kandidatur bereits im Vorfeld abgelehnt. In den universitären Gremien gebe es für seine Pläne keine Mehrheit, hatte er schon im März 2015 erklärt. Seine Amtszeit hätte daraufhin im Oktober enden sollen, doch bislang konnte schlicht kein_e Nachfolger_in gefunden werden.

Martin Lohse aus Würzburg, der für diesen Posten eigentlich vorgesehen war, zog seine Zusage im letzten Moment wieder zurück – er habe unterschätzt, wie viel er sich als Präsident mit der Reform der Verwaltung hätte beschäftigen müssen, so Lohses Begründung. Das sorgte für zusätzlichen Wirbel und befeuerte die Debatte, ob die HU überhaupt noch regierbar sei. In dieser Situation scheint Sabine Kunst vielen als eine von wenigen Personen, die überhaupt die Fähigkeiten besitzt, die Lage wieder zu ordnen und zu beruhigen. Ihre Nominierung Mitte Dezember 2015 kam daher nur auf den ersten Blick überraschend.

Hoher Erwartungssdruck

Die Personalie Kunst wurde weitestgehend positiv aufgenommen. Vorschusslorbeeren bekam die amtierende Wissenschaftsministerin vor allem aus der Politik und der Wissenschaft. „Es ist schön, wenn die Humboldt-Universität wieder jemanden bekommt, der was vom Geschäft versteht“, kommentierte beispielsweise der Vorsitzende der Berliner Einstein-Stiftung, Günter Stock, den Vorgang gegenüber den Medien.

In der Tat gilt Kunst als sehr erfahren und zielstrebig. Von 2007 bis 2011 war sie Präsidentin der Universität Potsdam, bevor sie als Wissenschaftsministerin in die Politik wechselte. Dort setzte sie unter anderem mit der Reform des Brandenburgischen Hochschulgesetzes neue Impulse, sorgte aber auch wiederholt für Gesprächsstoff (speakUP berichtete). Die Hochschul-Fusion in der Lausitz hat sie trotz lautstarker Kritik durchgesetzt. Die Erwartungen an Kunst sind daher entsprechend groß, die Herausforderungen an der HU ebenso.

Offene Fragen

Kritik an der Nominierung der 60-jährigen – sowie die einzige Nein-Stimme im dafür zuständigen Kuratorium – gab es bislang nur von Seiten der Studierenden. Es bleibe abzuwarten, wie genau sich Kunst zu einzelnen Themen positioniere, so Joao Fidalgo von der HU-Studierendenvertretung gegenüber dem Tagesspiegel. Daher wolle man bis zur Wahl der Ministerin noch einige kritische Fragen stellen. Die Wahl selbst ist für den 19. Januar angesetzt.

Sollte Kunst erwartungsgemäß neue HU-Präsidentin werden, würde Brandenburg zugleich die Wissenschaftsministerin verloren gehen. Dies wäre „ein großer Verlust für die Regierung“, so Regierungssprecher Andreas Beese. Zur Frage, wer ihre Nachfolge antreten könnte, halten sich die Verantwortlichen bislang bedeckt.

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