Sonnenaufgang im Hans Otto Theater: Larissa Aimeé Breidbach im Interview

Larissa Aimée Breidbach (Bild: Steffi Henn)
Larissa Aimée Breidbach (Bild: Steffi Henn)

Larissa Aimée Breidbach ist das neue junge Gesicht des Potsdamer Hans Otto Theaters, derzeit zu sehen in „Das schwarze Wasser“. Wir haben uns mit ihr hinter den Kulissen unterhalten über ihre späte Einsicht in den wahren Studienwunsch, die Highlights der aktuellen Saison und riesige Sonnenbrillen. Interview von Denis Newiak.

speakUP: Vorname Griechisch-Russisch, zweiter Vorname Französisch, Nachname ziemlich Deutsch. Verrät dein Name auch etwas über dein Leben?

Breidbach: (lacht) Das ist ein weites Feld. Geboren bin ich in Mülheim an der Ruhr, da habe ich aber keinen Bezug zu, ich bin dort einfach auf die Welt gekommen. Meine Mutter kommt auch aus Deutschland, mein Vater aus Burkina-Faso, daher das Französische. Wie es zu Larissa kam, kann ich nicht sagen.

speakUP: Was hast du sonst so die letzten Jahre getrieben?

Breidbach: Wo soll ich da anfangen? Ich habe Schauspiel an der HFF in Babelsberg studiert, jetzt heißt sie ja Filmuniversität, da habe ich dann immer gleich einen Bezug zu Potsdam gehabt. Ich mag Potsdam auch total gern!

speakUP: Das musst du ja jetzt sagen.

Breidbach: Nein, muss ich gar nicht! (lacht) Ich habe früher in Berlin gewohnt und bin bewusst nach Potsdam gezogen: Ich mag die Größe, es gibt nichts, was ich vermissen würde, man ist schnell in Berlin, und mit dem Grün und den Seen ist es hier einfach schön.

speakUP: Du bist auch so schon ganz gut rumgekommen, bevor du in Potsdam sesshaft geworden bist.

Breidbach: Ja, nach dem Studium war ich als Gast bei den Festspielen in Bad Hersfeld, in Dresden und in Koblenz, dann festes Ensemble-Mitglied in Köln. Eine richtige Heimatstadt habe ich nicht.

speakUP: Ein Journalist aus Bad Hersfeld meinte mal, du seiest so ein „zartes Geschöpf“. Das würde mich ja ein bisschen aufregen.

Breidbach: Ich mag das gar nicht, wenn man sich so auf Äußerlichkeiten festlegt, deswegen habe ich das gleich dementiert. Ich wirke wohl eben zarter, als ich bin.

speakUP: Was ist für dich sonst typisch? Trägst du z.B. auch privat solche riesigen Sonnenbrillen wie auf dem Plakat, die das Theater im Sommer überall in Potsdam hingehängt hat?

Breidbach: Das war tatsächlich meine eigene Sonnenbrille, die dann aber mit dem Computer ein bisschen aufgemotzt wurde, eigentlich ist die ganz schlicht und schwarz. Ansonsten bin ich, glaub ich, schon recht tough, emotional und bewege mich in Extremen, im Privaten wie auf der Bühne. Vielleicht habe ich etwas Verletzliches an mir, aber für meine Figuren kämpfe ich immer mit allen Mitteln.

speakUP: Erst hast du Amerikanistik, Politologie und Medienwissenschaft studiert …

Breidbach: Schauspiel reizte mich immer, aber ich stand mir wohl selbst im Weg. Und mit dem Studium hatte ich erstmal gehofft, etwas Sicheres zu tun. Dann wurde mir aber klar: Wenn du das gar nicht willst, dann ist das vielleicht doch gar nicht so sicher. Ich hatte erst den Plan, das fertig zu kriegen, aber dann habe ich einfach einen Schlussstrich gezogen und bin sehr glücklich, dann an der HFF aufgenommen worden zu sein.

speakUP: In einem Übungsfilm hast du Veronika gespielt, die „beschließt zu sterben“, und sagst: „Geben Sie mir eine Spritze. Aber eine, damit ich wach bleibe. Damit ich jede Minute, die mir noch im Leben bleibt, auskosten kann. Ich habe noch so viel vor.“ Da sieht deine Figur ganz schön mitgenommen aus.

Breidbach: Diese Geschichte hat mich auch selbst sehr mitgenommen, ich konnte das auch irgendwie nachvollziehen. Es geht alles bergab und man will sich das Leben nehmen, und dann geht das auch noch schief. Das würde mir bestimmt auch passieren. (lacht) Letztlich merkt Veronika ja erst dann in der Klinik, was sie eigentlich noch alles erleben möchte und beschließt eben, doch weiterzuleben.

speakUP: In deinem aktuellen Stück „Das schwarze Wasser“ erinnern sich die Figuren an ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen.

Breidbach: Und auch an das, was sie alles verpasst haben! In dem Stück haben verschiedene Menschen – die einen aus einfachen Verhältnissen mit türkischen Vorfahren und die anderen Wohlsituierten mit „Bildungshintergrund“ – eine gemeinsame Nacht im Schwimmbad, wo sich auch Liebesgeschichten andeuten, doch die Chance bleibt ungenutzt: Wer in einem bestimmten Umkreis groß wird, kommt da schwer raus. Das ist kein Klischee, sondern es ist in der Regel leider so. Damit ist das „Schwarze Wasser“ ein hochgradig politisches Stück, denn es geht um Chancengleichheit. Wir zeigen auf der Bühne nur einen kleinen Mikrokosmos, der aber in weiten Teilen den gesellschaftlichen Makrokosmos abbildet.

Breidbach (3. v. l.) in "Das schwarze Wasser" (Foto: HL Böhme)
Breidbach (3. v. l.) in “Das schwarze Wasser” (Foto: HL Böhme)

speakUP: Am Ende des Stückes bleibt nur die Aussicht auf den „Sonnenaufgang“, bei dem man sich wiedersehen will. Gibt es damit einen Hoffnungsschimmer?

Breidbach: Der löst sich jetzt in dem Stück wohl nicht wirklich ein, würde ich sagen. (hält inne) Vielleicht im ganz Kleinen, weil es ein wehmütiges Zurückerinnern ist. Das ist oft der erste Schritt, bevor es besser wird: sich zu erinnern, wo man einen anderen Weg hätte einschlagen können und wo das Leben hätte anders verlaufen können.

speakUP: In dem Stück spielt ihr keine Figuren. Aber was dann?

Breidbach: Eigentlich sind wir alle Erzähler_innen und es war eine richtige Reise herauszufinden, was wir da eigentlich als Schauspieler_innen machen. Spannend ist, dass das ganze Stück nur im Ensemble funktioniert, wie eine Komposition, in der jede_r nur ein Ton ist. Wir überlassen es dem Publikum, hineinzuprojizieren, wer in dem Stück wer sein könnte. In den Proben haben wir gelernt, dass es diese individuelle Illusion kaputtmachen würde, wenn wir mehr spielen statt erzählen würden.

speakUP: Warum reitest du gern?

Breidbach: Ich wollte schon als kleines Kind ein Pferd. Das war aus finanziellen Gründen nicht möglich. Aber ich bin sehr zeitig geritten, das ist meine Leidenschaft, ein Zufluchtsort. Da habe ich mich immer frei gefühlt. Das ist wirklich das Einzige in meinem Leben, was überhaupt nichts mit Theater zu tun hat und mir trotzdem Freude bereitet.

speakUP: Was lässt du dir in der aktuellen Saison auf keinen Fall entgehen – ob auf oder vor der Bühne?

Breidbach: Ich liebe ja Tschechow, von ihm kann man nicht genug lesen oder sehen. Vor allem ist es diese tragische Komik, mit der ich mich sehr identifizieren kann. Er etabliert wunderbare Figuren und erzählt Geschichten, die einfach zeitlos sind. Deswegen werde ich zur Premiere von „Drei Schwestern“ am 8. April mit Sicherheit im Theater sein.

speakUP: Vielen Dank für das Gespräch!

Kommende Aufführungen von das „Das schwarze Wasser“ im Neuen Theater am 11. und 30. Dezember 2015 jeweils ab 19.30 Uhr. Stark ermäßigte Karten für Studierende ab 9,90 Euro könnt ihr direkt online buchen.

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