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campusPOLITIK Featured Ganz vorn — 19 September 2018

Das studentische Kulturzentrum (KuZe) in der Potsdamer Innenstadt. Kneipe, Veranstaltungsort und Sitz der Beratungen des AStA. (Foto: Julia Hennig)

Potsdam wirbt bereits am Hauptbahnhof mit Bannern für Potsdam als Wissenschaftsstadt. Dennoch könnten die Studienbedingungen an einigen Punkten noch verbessert werden. Zum Schluss unserer Artikelreihe zur Potsdamer Oberbürgermeisterwahl haben wir daher alle Kandidat_innen gefragt, wie sie Potsdam für Studierende attraktiver und lebenswerter gestalten wollen. Wohnen, Verkehr und studentisches Leben – alle drei Themen sind eng miteinander verbunden und fließen hier zusammen. Außerdem präsentieren wir euch kurze Abschlussstatements der Kandidat_innen. Von Julia Hennig

Potsdams Entwicklung als Hochschulort

Im Wintersemester 2016/17 waren an den Hochschulen in Potsdam 24.856 Studierende eingeschrieben. In Potsdam lebten am 31.12.2017 175.702 Personen, die Potsdam als Erstwohnsitz angemeldet haben. Vor 17 Jahren sah dies jedoch noch anders aus. Im Jahre 2001 waren 129.307 Personen mit Erstwohnsitz in Potsdam angemeldet, der Anteil der Studierenden mit 15.436 lag dabei bei 16%. Der Wohnungsleerstand betrug 10%. Aus diesem Grund führte die Stadt ab dem Wintersemester 2001/2002 ein Begrüßungsgeld von 50€ für jede_n Studierende_n ein, der_die sich mit seinem_ihren Hauptwohnsitz in Potsdam anmeldete. Für die Stadt bedeuteten die neuen Bürger_innen höhere Schlüsselzuweisungen.

Im Sommersemester 2013 wurde das Begrüßungsgeld schließlich zum letzten Mal ausgezahlt, da bis zu diesem Zeitpunkt sowohl die Bevölkerungszahl als auch die Studierendenzahl gestiegen war (und immer noch steigt). Zudem war der Wohnungsleerstand auf 1,8% gesunken. Der Plan, mehr Studierende mit Potsdam als Hauptwohnsitz zu gewinnen, schien aufgegangen zu sein. Jedoch sollte man sich auch kritisch fragen, ob sich nicht nur die Studierendenzahlen, sondern auch die Studienbedingungen verbessert haben.

Studierendenleben in Potsdam

Vor drei Jahren erschien in der Berliner Zeitung ein Artikel mit dem Titel “Das Studentenleben in Potsdam ist alles andere als langweilig”. Hierin wird betont, dass in Potsdam das kulturelle Angebot von den Studierenden selbst organisiert wird und das Pub à la Pub, das Nil, das KuZe und das Casino vorgestellt. Die Autorin beschreibt jedoch auch die schwierige Wohnsituation, da bezahlbarer und hochschulnaher Wohnraum begrenzt ist. An dieser Stelle verbinden sich die drei Themen Wohnen, Verkehr und studentisches Leben, zu denen wir die Kandidat_innen befragt haben. Wer in Potsdam keine bezahlbare Wohnung findet, pendelt automatisch länger zur Hochschule und verbringt daher auch meist weniger Zeit am Hochschulort. Wir haben daher die Kandidat_innen gefragt, wie sie Potsdam für Studierende attraktiver und lebenswerter gestalten möchten.

Martina Trauth: Potsdam soll eine Studentenstadt werden

Martina Trauth, parteilos, unterstützt von DIE LINKE. ©Matthias Baumbach

Studentisches Leben bereichert jede Stadt. Es steht und fällt mit der Wohnraumsituation und die ist für Studierende hier nach wie vor schwierig. Doch in Potsdam sind die Wege nah und es gibt eine sehr gute Vernetzung unter den Studierenden. Unsere gemütlichen Biergärten oder Bars, wie das Pub á la Pub, kulturelle Angebote oder internationale Feste fördern die Attraktivität als lebendige Stadt.

Trotzdem ist Potsdam zumindest für auswärtig wohnende Studenten nachts wenig attraktiv. Um studentisches Leben zu fördern, braucht es nicht nur eine Innenstadt mit einer attraktiven Clubszene, sondern auch lebendige und bezahlbare Freiräume in den Kiezen. Hier brauchen wir eine bessere Zusammenarbeit von Student*innen bzw. studentischen Vertretungen, Kulturschaffenden, Investoren und Stadtverwaltung.

Möglich wären neue Kooperationen mit den Fachbereichen und kulturellen Einrichtungen für kostenlose Nutzung von Bühnen und/oder kostenlosen Museumseintritt. Ich möchte, dass sich Student*innen in Potsdam mit der Stadt verbunden fühlen und hier auf ein optimales Betreuungsangebot für Kinder zurückgreifen können, um Studium, Forschung und Familie unter einen Hut zu bringen und dass sie nach dem Studium interessante Arbeitsplätze hier in Potsdam finden. Trotz der höchsten Wissenschaftler*innen-Dichte in Deutschland ist Potsdam bislang keine Studentenstadt. Das können wir gemeinsam ändern!

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil… unsere wachsende Stadt vor großen Herausforderungen steht. Wir müssen jetzt den sozialen Zusammenhalt sichern und gemeinsam ein Klima schaffen, in dem Alt und Neu in einem gleichberechtigten Miteinander existieren. Doch dafür brauchen wir an der Rathausspitze einen Mentalitätswandel und eine neue Haltung: Gemeinsam können wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir in Potsdam die einmalige Natur- und Kulturlandschaft bewahren, aber trotzdem den Sprung in die Zukunft schaffen: Als Zentrum der Kreativwirtschaft, als internationaler Wissenschaftsstandort mit einem stabilen Mittelstand und Handwerk als Basis. Liebe Studentinnen und Studenten, Sie und ich können für dafür sorgen, dass diese Stadt einen neuen Politikstil bekommt: Transparent und demokratisch, mit und nicht gegen die Potsdamerinnen und Potsdamer, respektvoll und mit ehrlichem sozialen Anspruch. Dafür kandidiere ich und dafür bitte ich um Ihre Stimme.

Mike Schubert: Studentisches Leben soll sichtbar werden

Mike Schubert, Kandidat der SPD. Foto: Karoline Wolf / BILDHAUS Potsdam

Neben den schon angesprochenen Themen bezahlbares Wohnen und Verkehr ist es wichtig, dass studentisches Leben in Potsdam sichtbarer wird. Das Pub à la Pub ist ein gutes Beispiel, wie das geht. Aber auch insgesamt trägt eine lebendige Stadt zur Attraktivität für junge Menschen bei. Angebote, die von Studierenden gemacht sind oder vor allem von ihnen wahrgenommen werden, gilt es zu erhalten und fördern. Über viele Festivals oder kulturelle Projekte passiert hier schon einiges, was durch eine neue Festivalförderung noch verstärkt werden soll. Doch ich will nicht nur, dass in Potsdam gerne studiert wird. Hier soll man auch gut Arbeiten können. Gerade für Gründer und Start-Ups braucht es gute Voraussetzungen. Mit neuen Räumlichkeiten in Golm, der Potsdamer Mitte und auf dem ehemaligen RAW-Gelände gibt es hier gerade einen richtigen Schub, der meine volle Unterstützung hat.

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil…ich unsere Stadt auch selbst aus der Perspektive als Studierender der Uni Potsdam kenne und weiß, dass studentisches Leben seinen Platz in der Stadt braucht.

Janny Armbruster: Alternative Kulturszene und Sportangebote

Janny Armbruster, Kandidatin für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: Karoline Wolf

Potsdam hat diesen schönen Vorort: Berlin mit seiner vielfältigen Szene. Dem wollen wir hier natürlich nicht Konkurrenz machen. Aber wir können als Stadt schon noch einiges mehr tun für unsere Studis – über günstigeres Wohnen und weniger nervigen Verkehr hinaus. Da geht es vor allem um das Leben in der Stadt: Um lebendige Kieze, wie sie Studierende lieben, aber auch selbst beleben, um Frei- und Möglichkeitsräume wie das KuZe oder das Freiland, aber auch um Freizeit, Sport und Kultur, die Studierenden zum Mitmachen offenstehen. Ich setze mich zum Beispiel ganz besonders für die alternative Kulturszene und den Breiten- und Behindertensport ein.

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil…ich mein ganzes Berufsleben mit Studierenden geteilt habe und ihnen deshalb so nahe stehe wie kaum jemand, und weil ich sie als Oberbürgermeisterin dafür gewinnen möchte, sich auch über ihr Studium hinaus in Potsdam zu engagieren.

Lutz Boede: Öffentlicher Stadtraum für studentische Kultur

Lutz boede, Kandidat für DIE aNDERE. Foto: Lutz Boede

Potsdam fehlt bis heute ein nennenswertes Nachtleben. Dass Tausende Menschen in Potsdam studieren, ist im piefigen Stadtzentrum eigentlich gar nicht wahrnehmbar. Ich bezweifle, dass sich das ändern lässt, ohne dass Teile der Universität ins Stadtzentrum verlegt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass z.B. auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände in der Werner-Seelenbinder-Straße oder in der Pappelallee Wohnraum für Studierende gebaut wird. So richtig studentisches Leben entsteht wohl erst, wenn eine kritische Masse erreicht wird. Große Reserven gibt es bei der Kultur. Warum stellt die Stadt nicht mal den öffentlichen Stadtraum für studentische Kultur bereit? Potsdam ist doch kein Altersheim.

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil… ich der einzige Kandidat bin, der gegen die Privatisierung, Musealisierung und Vergreisung des öffentlichen Raumes eintritt.

Dennis Hohloch: Viele Vorschläge für ein besseres Nachtleben

Dennis Hohloch, Kandidat der AfD. Foto: Dennis Hohloch

Potsdam krankt leider nicht nur an knappem sowie teurem Wohnraum oder an stockendem Verkehr, sondern auch das Nachtleben lässt zu wünschen übrig. Natürlich haben wir die besondere Situation, neben der Bundeshauptstadt zu liegen. Nichtsdestotrotz kann und sollte hier mehr getan werden. Das beginnt bei einer durchgehenden ÖPNV-Anbindung der Schiffbauergasse oder einer effizienteren Wirtschaftsförderung, die junge Unternehmen mit kreativen Ideen nicht nur anlockt, sondern auch in den darauf folgenden Jahren unterstützt bis hin zu kostenlosen Eintritten für kulturelle Veranstaltungen in den Potsdamer Museen oder im Theater. Auch weitere Grillplätze u.a. auf dem Lustgarten, der Ausbau des öffentlichen WLAN-Netzes  oder die bessere Zusammenarbeit der Potsdamer Stadtverwaltung mit der Universität und den jeweiligen Verwaltungsstudiengängen bieten Möglichkeiten der Attraktivitätssteigerung.

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil…ich aufgrund meines Alters (29) deren Probleme kenne und mich für ein modernes, digitales aber auch traditionsbewusstes Potsdam einsetzen werde.

Götz Friederich: Studentengerechter ÖPNV und mehr Studierende in der Politik

Götz Friederich, Kandidat der CDU. Foto: Götz Friederich

Zunächst einmal wird Potsdam für die Studierenden wesentlich attraktiver werden, wenn sich das Wohnraumproblem entspannt. Darüber hinaus muss aber auch der ÖPNV studentengerecht gestaltet werden: Beispielsweise müssen die Busverbindungen zwischen den Campi und deren Veranstaltungen angepasst werden. Es kann nicht angehen, dass der Bus gerade abfährt, wenn die Veranstaltung erst in fünf Minuten endet. Insbesondere für Studierende muss Fahrrad-Sharing in der Stadt weiter ausgebaut werden. Im Falle, dass ich Oberbürgermeister werde, würde ich den Kontakt zu den Studierenden deutlich intensivieren: Wir benötigen einen echten Dialog zwischen Studierenden und Verwaltung, wir benötigen eine Verwaltung, die die Studierenden ernst nimmt. – Ja ich will sogar noch einen Schritt weiter gehen: Wir benötigen Studierende in der Stadtverordnetenversammlung und in anderen Mandatsämtern bei allen Parteien, dann können sie ihre Ideen auch aktiv mit einbringen.

Potsdamer Studierende sollten mich wählen, weil… – endlich kostengünstiges Wohnen für die Studierenden in ihrer Universitätsstadt durchgesetzt werden muss, – ein lebendiges Potsdamer Studentenleben zurückkehren sollte und – wir die gut ausgebildeten Menschen von Morgen überzeugen wollen, sich in unserer schönen Stadt mit Natur, Havel und einem einzigartigem Stadtbild zu Hause zu fühlen.

Zum Schluss: Kommentar zur Oberbürgermeisterwahl

Auf die Bevölkerung gerechnet liegt der Anteil der Studierenden bei ca. 14%. Zwar wohnen viele Studierende nicht in Potsdam, jedoch sollten die wahlberechtigten Potsdamer Studierenden ihr Wahlrecht nutzen und zeigen. Letztendlich zeigen wir damit auch unsere Präsenz in der Stadt und dass wir auch an der Potsdamer Stadtpolitik interessiert sind. Informationen zum Ablauf der Wahl findet ihr unserem ersten Artikel zur Wahl. Bei der letzten Wahl im Jahre 2010 lag die Wahlbeteiligung bei 45,9%, bei der Stichwahl zwischen Jann Jakobs von der SPD und Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg von DIE LINKE bei 42,1%. Auch bei dieser Wahl ist bei sechs Kandidat_innen eine Stichwahl wahrscheinlich, so dass ihr euch bereits den 14. Oktober 2018 vormerken solltet.

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