Truman, Churchill und Stalin in Potsdam – aktuelle Ausstellung zur Potsdamer Konferenz 1945

Die Flaggen der „Großen Drei“ am Schloss Cecilienhof im Neuen Garten (Foto: Hannah Mück)

Anlässlich des 75. Jahrestages der Potsdamer Konferenz findet momentan die Ausstellung “Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt” im historischen Ort Schloss Cecilienhof statt. In Potsdam haben von Juli bis August 1945 die Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion in vielen Sitzungen die territoriale Neuordnung in Mittel- und Osteuropa festgelegt. Unsere Redakteurin hat die Ausstellung besucht. Von Hannah Mück.

Gerade in diesen besonderen Semesterferien ist das kulturelle Freizeitprogramm ganz schön eingeschränkt. Jetzt, wo das Wetter langsam herbstlicher wird und man bald nicht mehr draußen Sport machen oder sich mit Freund_innen treffen kann, fragt ihr euch vielleicht, was man in Potsdam so unternehmen kann. Da kann ich euch die Ausstellung zum 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz empfehlen. Selbst für diejenigen unter euch, die eigentlich nicht gerne ins Museum gehen, wird diese Ausstellung ein interessantes Erlebnis sein, da nicht nur viel Wissen vermittelt wird, sondern auch, weil das Schloss Cecilienhof an sich einen Ausflug wert ist.

Die Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt“

Vor 75 Jahren haben sich nach Kriegsende und der Niederlage Deutschlands die Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion im Potsdamer Schloss Cecilienhof getroffen, um mit dem Potsdamer Abkommen die „Neuordnung der Welt“ zu definieren. Besucht man die aktuelle Ausstellung, betritt man zunächst das schöne Schloss Cecilienhof im Neuen Garten und erhält den Audio-Guide. Dort wird einleitend erklärt, warum überhaupt Potsdam – und noch genauer Schloss Cecilienhof – als Ort für die Nachkriegsverhandlungen der „Großen Drei“ ausgewählt wurde: Potsdam war im Vergleich zu Berlin relativ wenig zerbombt worden und das im Neuen Garten gelegene Schloss konnte ringsherum von den Truppen bewacht werden.

Für die Staatsmänner Truman, Churchill und Stalin wurden die schönsten und größten Villen der Stadt besetzt – die Potsdamer Anwohner_innen mussten ihre Häuser zur Verfügung stellen und sich selbst neue Unterkünfte suchen. Durch die Ausstellung hindurch wird man von Joy Milward, der Sekretärin von Winston Churchill, begleitet. Sie berichtet in Videos, Audios und ihrem eigenen Tagebuch, wie sie 1945 Potsdam erlebt hat und wie Angestellte der Staatsoberhäupter die Nachkriegszeit in Europa empfunden haben.

Mit dem ausgehändigten Smartphone kann man die QR-Codes scannen – um sich ein ganz genaues Bild von der Potsdamer Konferenz zu machen (Foto: Hannah Mück)

Neben Erklärungstafeln und Touchscreens, die vom Audio-Guide ausführlich erklärt werden, kann man bei dieser Ausstellung historische Augenblicke ganz nahe nachempfinden. Allein das Gefühl, durch die historischen Räume zu gehen, wo vor genau 75 Jahren Truman, Churchill und Stalin die wichtigsten Gespräche über die Zukunft der politischen und sozialen Weltordnung geführt haben, ist sehr eindrucksvoll. Die luxuriös eingerichteten Arbeitszimmer der Großen Drei können mit dem Originalmobiliar betrachtet werden.

Einblicke in die Ausstellung (Foto: Hannah Mück)

Sowohl in der imposanten Konferenzhalle, als auch auf der Terrasse des Schlosses gibt es QR-Codes, die man mit dem Smartphone des Audio-Guides scannen und dann virtuell die Sitze mit den Staatsmännern füllen kann. Das Foto der drei Staatsmänner in den Sesseln im Garten kennt vermutlich jede_r aus dem Geschichtsbuch. Gerade, wenn man dann das Foto mit dem eigenen Sichtfeld vergleicht und realisiert, dass genau hier, im Neuen Garten, die drei Politiker saßen, wird einem die historische Bedeutsamkeit des Schlosses Cecilienhof bewusst.

Der Fokus der Ausstellung liegt neben der Konferenz in Potsdam auch auf den Flüchtlingsströmen, die nach Ende des Krieges in Europa ausgelöst wurden. Außerdem gibt es einen eigenen Teil zu den diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und der Sowjetunion, zum Nahen und Mittleren Osten sowie Japan und China.

Zitat vom Piloten des Atombomben-Begleitflugzeugs. (Alle Ausstellungstexte sind übrigens auf Deutsch, Englisch und Russisch abgedruckt) (Foto: Hannah Mück)

Der Sprecher des Audio-Guides macht darauf aufmerksam, dass der Zweite Weltkrieg nicht in Europa, sondern in Asien geendet hat. Ein Teil der Ausstellung behandelt den Atombombenabwurf der USA über Hiroshima und Nagasaki. Da ab 1945 bereits der Kalte Krieg zu erahnen war, schließt die Ausstellung mit einem Raum rund um die Gründung der Vereinten Nationen im Herbst 1945 ab.

Daten und Fakten zur Ausstellung

Für jede_n, die_der politisches oder historisches Interesse hat und sich den Ort des Geschehens einmal persönlich anschauen möchte, ist die Ausstellung auf jeden Fall empfehlenswert. Auch wenn viele bekannte Fakten zum Zweiten Weltkrieg dort noch einmal aufgegriffen werden, bin ich mir sicher, dass jede_r von euch noch etwas Neues in dieser Ausstellung lernen kann. Außerdem sollte man als Potsdamer_in unbedingt die Gelegenheit nutzen, in dem geschichtsträchtigen Schloss noch mehr über die Stadt zu erfahren.

Die Ausstellung kann noch bis zum 31.12.2020 besucht werden. Für Studierende kostet der Eintritt inklusive einem Audio-Guide 10€, für alle anderen 14€. Die Tickets müssen im Voraus online gekauft werden, damit immer nur eine begrenzte Anzahl von Besucher_innen gleichzeitig in das Schloss Cecilienhof eintreten können. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag von 10-17.30 Uhr beziehungsweise ab dem 02.11. von 10-16.30 Uhr. Weitere Informationen findet ihr hier.

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