warUmwelt: Der ökologische Pfotenabdruck

Was hat ein Hund mit der Umwelt zu tun? (Foto: Péter Göblyös via pixabay.com)

Sie sind Freund, Kinderersatz, Sportpartner, Beschützer, Lehrmeister oder Kuscheltier und ein großer Teil des Lebens ihrer Halter. In der Statistik zum CO2-Fußabdruck eines Menschen tauchen sie jedoch selten auf: Haustiere. Wie groß ist ihr Anteil an den Emissionen? Wie setzen sich diese zusammen und was sind weitere Auswirkungen von Haustieren auf unsere Umwelt? Von Antonia Rösler

Vor ca. 28.000 Jahren begann der gemeinsame Weg des Wolfes und des Menschen, eine Freundschaft, die heute in mehr als 8 Millionen deutschen Haushalten gelebt wird [5, 6, 7]. Mehr als 10 Millionen Hunde leben heute in Deutschland, eine enorme Menge. Dazu kommen ca. 15,7 Millionen Katzen und zusätzlich ca. 10 Millionen Kleintiere (Nagetiere, Ziervögel, Aquarien-Fische, Reptilien, Amphibien etc.) [8].

Das neben den 83,1 Millionen Menschen in Deutschland [9] auch deren Haustiere unsere Umwelt beeinflussen, sollte jedem, egal ob Tierhalter oder nicht, klar sein. Während ein Mensch vor allem durch sein Verhalten in den Bereichen Verkehr, Wohnen und Ernährung zum Klimawandel und der allgemeinen Umweltverschmutzung beiträgt, können diese Faktoren bei Haustieren noch weiter eingegrenzt werden.

Das Futter natürlich

Der direkteste und offensichtlichste Pfad zwischen Haustier und Umwelt ist der des Futters. Die beiden häufigsten Haustiere sind Carnivoren, ihr Futter zumeist in Plastikbeuteln oder Alu-/ bzw. Weißblechdosen und –schalen verpackt. Durchschnittlich ist ein Hund (ca. 15kg schwer und Lebensdauer von 13 Jahren) durch sein Futter für 8,2 Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich. Je größer der Hund und desto länger die Lebensdauer, desto höher wird natürlich auch der Emissions-Wert [1].

Um das Ganze in Vergleich zu setzen: für diese Menge an CO2-Äquivalenten können wir Menschen mind. 70.000km Auto fahren oder 13mal von Berlin aus in Barcelona Urlaub machen (also hin- und zurück fliegen) [1, 3]. Ein einzelner solcher Hund entspricht pro Lebensjahr ca. 7% des jährlichen CO2-Äquivalent-Ausstoßes eines deutschen Durchschnittsbürgers [1].

Weitere Hinterlassenschaften

Trifft man die Annahme, dass Halter 15% der Häufchen ihrer Hunde beim Spazierengehen aufsammeln, bleibt (wieder für den obengenannten „Durchschnittshund“) ein Frischwasser-Eutrophierungspotential

Nicht nur ein ästhetisches Problem: Hundekot. (Foto: gamagapix via pixabay.com)

(unter Eutrophierung versteht man die Anreicherung von Nährstoffen in Gewässern) von 5kg Phosphat-Äquivalent, das entspricht ca. dem Potential der Produktion von 21.900l Bier [1]. Nicht nur aus Rücksicht auf andere Spaziergänger:innen sollte die Sammelrate also deutlich höher liegen, auch die Umwelt wäre dankbar. Alternativ könnte auch der Bierkonsum auf null gesenkt werden.

 

 

Urlaub vor dem Terrarium

Nicht nur der Film Findet Nemo löste vielerorts einen Run auf tropische Zierfische aus [11], diese sind jedoch nicht die einzigen Tiere, die zum Zwecke der Haustierhaltung importiert werden. Vor allem in der Aquaristik und Terrarienkunde werden häufig nicht heimische Tiere gehalten. Sollten diese ihrem zuhause entkommen oder von ihrem Besitzer ausgesetzt werden, gibt es drei Szenarien: 1. Die Tiere können außerhalb ihres Aquariums/Terrariums nicht selbstständig überleben. 2. Die Tiere koexistieren in der Wildnis mit der heimischen Fauna und Flora. 3. Die nun freilebenden Tiere vermehren sich unkontrolliert und/oder schaden der heimischen Flora und Fauna durch übertragene Krankheiten oder schwerwiegende Eingriffe in die Nahrungsnetze.

Der Eintrag von, aus Nordamerika stammenden, Signalkrebsen unter anderem durch die Aquaristik ist einer der Gründe für den starken Rückgang deutscher Flusskrebspopulationen. Signalkrebse sind latente (also von der Krankheit selbst nicht beeinträchtigte) Überträger der Krebspest, welche über das Wasser übertragen wird und für einheimische Krebse tödlich ist. Ein weiteres Beispiel ist der Fall der Tigerpythons in den USA, welche als Haustiere importiert wurden und mittlerweile in Florida besonders den heimischen Kleinsäugern erheblich zusetzen [2].

Was kommt noch?

Auch mehr oder weniger heimische Haustiere sind eine Gefahr für die Umwelt. Besonders freilaufende Katzen können ihr Umfeld auf vielfältige Art und Weise beeinflussen. In Großbritannien fallen jährlich ca. 275 Millionen Kleinnager, Vögel, Amphibien und Reptilien [2] den 10,9 Millionen dort lebenden Hauskatzen zum Opfer [12].

Die Übertragung von Toxoplasma gondii, dem Erreger der Toxoplasmose, kann bei vielen terrestrischen, aber auch marinen, Säugetieren zum Tod führen. T. gondii kommt im Verdauungstrakt von Katzen vor und kann sich so durch Freigänger in der Umwelt verbreiten. [2]

Lösungsansatz Insekten?

Was tun, wenn die Lieblinge aber nun einmal Fleisch essen und es immer mehr von ihnen gibt? Die Haustierhaltung nimmt weltweit zu [2], die Tierhaltung zur Fleischgewinnung sollte jedoch eigentlich dringend eingeschränkt werden.

Eine mögliche Alternative zu Fleisch: Schwarze Soldatenfliegen. (Foto: Brett Hondow via pixabay.com)

Seit Jahren wird auch für den Menschen die Verwendung von Insekten als Proteinquelle in der Ernährung untersucht. Wo sich bei uns vielleicht der Kopf gegen die Vorstellung wehrt, wird in der Tierfutterherstellung vor allem auf Nährwerte und den Anteil der Insekten an den Futtermitteln erforscht.

Sowohl bei Wölfen (in ca. 10%) als auch bei Wildkatzen (in ca. 87%) sind Insekten Bestandteil der natürlichen Ernährung. Durchgeführte Tests ergaben jedoch, dass Hauskatzen deutlich wählerischer auf die Verwendung von Insekten in ihrem Futter reagieren als Hunde. [4]

Was denn nun?

Neben den negativen Einflüssen, die die Haustierhaltung auf unsere Umwelt hat, darf natürlich der positive Nutzen auf den Menschen nicht unterschlagen werden. Eine Umfrage in den USA in 2016 ergab, dass Haustierbesitzer deutlich zufriedener mit ihrem Leben sind als Menschen, die ohne tierische Gesellschaft leben [10]. Gerade jetzt, wenn wir uns viel in den eigenen vier Wänden aufhalten, ist die Gesellschaft eines Haustieres definitiv nicht zu vernachlässigen und kann dem Gefühl von Einsamkeit durch Wärme und Nähe entgegenwirken.

Was den CO2-Fußabdruck angeht, gilt für Haustiere das gleiche wie für alle übrigen Bereiche unseres Lebens: wir sollten CO2 und alle Äquivalente einsparen, so viel wir können. Sollte das in einem Feld direkt nicht möglich sein, sollte an anderer Stelle gespart werden. Wer also nicht auf sein Tier verzichten möchte, sollte versuchen beispielsweise selbst kein oder weniger Fleisch zu essen, Kreuzfahrten oder Flugreisen zu unterlassen (das natürlich sowieso, und Urlaub in der Nähe mit dem eigenen Hund macht sowieso mehr Spaß 😉), oder sich mal am Tierfutter selbstkochen versuchen.

Lasst uns gerne, entweder in den Kommentaren oder über Social Media, wissen, ob ihr weitere Themen aus dem Bereich Umwelt, Klimawandel oder Naturschutz habt, über die ihr gerne in der speakUP lesen wollt.

[1] Yavor et al: Environmental Impacts of a Pet Dog: an LCA Case Study.  In Sustainability 2020, 12.

[2] Marra: The Ecological Cost of Pets. In Current Biology Magazine 2019, 29.

[3] Aivazidou und Tsolakis: Assessing the Water Footprint of Pets: the Case of Small Breed Dogs. In Chemical Engineering Transactions 2017, 57.

[4] Bosch and Swanson: Effects of using Insects as Feed on Animals: Pet Dogs and Cats. In Journal of Insects as Food and Feed 2020.

[5] https://www.scinexx.de/news/biowissen/wiege-des-haushunds-stand-in-deutschland/ (zuletzt aufgerufen am 28.03.2021)

[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30153/umfrage/haustiere-heimtierhaltung-in-deutschen-haushalten-seit-2008/ (zuletzt aufgerufen am 28.03.2021)

[7] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Familien/_inhalt.html (zuletzt aufgerufen am 28.03.2021)

[8] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30157/umfrage/anzahl-der-haustiere-in-deutschen-haushalten-seit-2008/ (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

[9] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html;jsessionid=7AFACC2884FF2B289817C0C1026EC676.live741 (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

[10] Bao und Schreer: Pets and Happiness: Examining the Association between Pet Ownership and Wellbeing. Anthrozoös 2016, 29.

[11] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/film-nemo-loest-ansturm-auf-tropenfische-aus-198941.html (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

[12] https://www.pdsa.org.uk/get-involved/our-campaigns/pdsa-animal-wellbeing-report/uk-pet-populations-of-dogs-cats-and-rabbits (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

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