Organspende – Ja, nein, vielleicht? (Teil 1)

Ausschnitt Organspendeausweis (Foto: Laurenzia Kiesche)

Die Organspende ist ein weitläufiges Thema, das so ziemlich immer präsent ist und zu Diskussionen führt. Es ist nie zu spät, sich damit auseinanderzusetzen, was für eine_n selbst eine gute Lösung darstellt, was einem_r als richtig erscheint. Woher wissen wir, was wir machen sollen? Neben den gesetzlichen Regelungen zur Organspende und deren positiven sowie negativen Aspekten, gibt es natürlich auch die „privaten“ Meinungen hinsichtlich des Spendens von Organen, die gegeneinander abgewogen werden können. Von Laurenzia Kiesche.

[Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde bereits Anfang März 2020 verfasst.]

Durch die medizinischen Möglichkeiten, die heutzutage bestehen, können die Leber, die Nieren, das Herz und noch viele weitere Organe gespendet werden. Das heißt, dass einem anderen Menschen die Chance gegeben werden kann, weiterzuleben. Viele Menschen sind krankheitsbedingt auf Spender_innenorgane angewiesen. Wir können in Deutschland selbst entscheiden, ob wir bereit dazu sind, unsere Organe zu spenden. Wie jedoch können wir diese Entscheidung fällen? Was spricht dafür, was spricht dagegen? Wie gut sind und werden wir wirklich informiert?

Regelungen und Beschlüsse zur Organspende

Die gesetzliche Regelung der Organ- und Gewebespende stellt in Deutschland seit 2012 die Entscheidungslösung, auch erweiterte Zustimmungslösung genannt, dar. Das heißt, dass Bürger_innen über das Thema Organspende informiert werden und individuell festlegen sollen, ob eine Bereitschaft, Organe zu spenden, vorliegt. Diese Entscheidung kann durch den Organspendeausweis, also ein Dokument, welches aufzeichnet, ob man dafür oder dagegen ist seine Organe zu spenden, festgelegt werden.

Bundestag (Foto: Marconst, Pixabay)

Am 16. Januar 2020 wurde zudem durch eine Mehrheit an Abgeordneten im Bundestag für den Gesetzesentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende gestimmt, welches im Jahre 2022 in Kraft treten wird. Es soll also intensiver über das Thema Organspende informiert werden, beispielsweise durch das Aushändigen von Aufklärungsmaterial in Ausweisstellen von Bund und Ländern.

Neben der Zustimmungslösung gibt es auch die Widerspruchslösung, welche die Regelung in Schweden, Griechenland, Italien und in vielen weiteren Ländern ist. Dabei werden Bürger_innen automatisch zu Organspender_innen, solange kein eindeutiger Widerspruch vorliegt. Ende Januar wurde der Gesetzesentwurf zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz für Deutschland unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) vorgeschlagen. Dieser wurde jedoch abgelehnt.

Warum ja, nein, vielleicht?

Meinungsverschiedenheiten sind bei dem Thema Organspende keine Seltenheit. Zum einen gibt es viele Argumente, die dafür sprechen, seine Organe zu spenden beziehungsweise seine Zustimmung mittels eines Organspendeausweises festzuhalten. Einige haben Erfahrungen gemacht, bei denen Angehörige auf ein Spender_innenorgan angewiesen waren, weshalb sie realisierten, wie wichtig ein Organ für jemand anderen sein kann. Andere wiederum sind der Meinung, dass sie ihre Organe nach ihrem Tod schlussendlich nicht mehr brauchen werden. Manche wollen auch einfach nur etwas Nützliches für andere Menschen tun, vielleicht sogar jemandem das Leben retten.

Zum anderen sind viele Menschen gegen die Idee, die eigenen Organe zu spenden. Einige vertreten beispielsweise die Meinung, dass es ihnen wichtig ist, was nach ihrem Tod mit ihrem Körper passiert. Es gibt auch die Ansicht, dass der Fokus darauf liegen soll, Alternativen zur Beschaffung von Organen zu finden, anstatt darauf zu hoffen, dass es genügend Spender_innen gibt, da die Nachfrage an Organen weitaus höher als die vorhandenen Spender_innenorgane ist. Manche möchten auch weder Organe spenden, da sie sich Sorgen machen, nach der Diagnose „Hirntod“ noch etwas zu fühlen, noch wollen sie Organe gespendet bekommen. (Mehr Meinungen auf: https://www.organspende-info.de/erfahrungen-und-meinungen/pro-und-contra.html).

Widerspruchslösung und Zustimmungslösung

In Hinsicht auf die gesetzliche Regelung in Deutschland gibt es ebenfalls verschiedene Ansichten. Beispielsweise wollen manche ihre Organe spenden, sind aber dennoch für die Regelung der Entscheidungslösung, da sie die Meinungsfreiheit, selbst über die eigenen Organe zu bestimmen, als signifikant empfinden und es nicht befürworten, automatisch als Organspender_in zu gelten. Hilde Mattheis (SPD) zum Beispiel sagte, dass eine Spende eine Spende bleiben soll, da es ein selbstbestimmter und freiwilliger Akt des Menschen sei.

Im Gegensatz dazu fokussieren sich einige eher darauf, die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage zu verringern, also möglichst das Angebot beziehungsweise die Bereitschaft der Menschen, Organe zu spenden, zu erhöhen. An Dr. Hermann Otto Solms’ (FDP) Aussage „Wir streiten nicht über das Ziel, sondern über den Weg“ kann man erkennen, dass er der Meinung ist, dass „mit der Widerspruchslösung die Selbstbestimmung nicht in Frage gestellt wird“.

Chirugie (Foto: Sasin Tipchai, Pixabay)

Auch im medizinischen Bereich wird die Widerspruchslösung unterstützt, da dadurch, dass Organspender_in sein automatisiert wird, mehr Organe zur Verfügung stehen und somit mehr Menschen geheilt werden könnten. Außerdem würden die Bürger_innen durch die Widerspruchslösung dazu motiviert, sich mit dem Thema Organspende zu befassen und auf der Basis der eigenen Meinung eine Entscheidung zu treffen, gegebenenfalls dem Spenden seiner Organe zu widersprechen oder eben zuzustimmen.

Welche Meinung auch immer vertreten wird, alle Parteien haben sich über das Thema Organspende informiert und haben darüber eine Entscheidung gefällt. Danach wird nun gehandelt. Wie kann man jedoch Menschen auf das Thema aufmerksam machen?

Auf Fakten folgen Taten

Von welchen Taten wird ausgegangen? Fakt ist, dass jede_r sich informieren muss beziehungsweise informiert werden muss, um eine bedachte Entscheidung für sich selbst zu treffen. Durch den Organspendeausweis kann dann dieser Beschluss dokumentiert werden. Es wird also entweder „Ja“ oder „Nein“ angekreuzt. Diese Informationsgewinnung kann von jedem_r selbst ausgehen. Jedoch kann man auch durch die Einwirkung anderer auf das Thema aufmerksam gemacht werden, wie es beispielsweise im Gesetzesentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende vorgesehen ist.

Durch Kampagnen, Informationsveranstaltungen, Übermittlung von Informationsmaterial durch Angehörige, Lehrer_innen oder andere Bezugspersonen und viele weitere Möglichkeiten kann das Thema Organspende noch mehr an die Öffentlichkeit gelangen. Somit kann die Aufklärung über die Organspende erhöht werden, was zu einer höheren und effektiveren Entscheidungsbereitschaft der Bürger_innen führen soll.

Im 2. Teil zum Thema Organspende lest ihr ein Interview mit apl. Prof. Dr. Marie-Luise Raters, Dozentin für Ethik, LER und Philosophie an der Universität Potsdam.

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