Krieg in der Ukraine: Stimmen aus der Uni Potsdam / War in Ukraine: Voices from the University of Potsdam

Auch Studierende und Mitarbeitende der Uni Potsdam sind von dem Krieg in der Ukraine betroffen (Foto: pexels)

Krieg in der Ukraine. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen. Wir wollten Menschen, die selbst betroffen sind oder betroffene Angehörige haben – in oder aus der Ukraine, aber auch in oder aus Russland, – einen Raum geben, ihre Gedanken und Gefühle zu äußern. In einem Emailaufruf wandten wir uns deshalb an alle Studierenden und Mitarbeitenden der Uni Potsdam, mit der Bitte, uns Statements zu schicken. Die Statements veröffentlichen wir hier.

War in Ukraine. Our thoughts are with those most affeced. We wanted to give those who are directly affected or whose loved ones are affected – in or from Ukraine or Russia – a place to express their thoughts and feelings. In an email we addressed all students and staff of the University of Potsdam to ask for their statements. We are publishing those statements here.

 


Die Zeit seit dem 24.2. war niederschmetternd. – anonym

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“]Wir sind eben von Moskau über Istanbul von Moskau in Berlin angekommen. Meine Frau und ich sind Deutsche, wir hatten seit 1996 in Moskau gelebt, meine 3 Töchter haben z. B. eine russische staatliche Schule
abgeschlossen. Die Zeit seit dem 24.2. war niederschmetternd, wir haben
ganz unterschiedliche Reaktionen auf die Ereignisse erlebt.[/expander_maker]


Ich mache mir große Sorgen. – anonym

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“]Ich habe einen Brieffreund in der Ukraine. Wenn er mir eine E-Mail geschrieben hat, dann habe ich mir immer viel Zeit gelassen bis ich geantwortet habe. Wenn ich ihm geschrieben habe, dann hat er innerhalb eines Tages geantwortet. Er hat sich immer gefreut, wenn ich geschrieben habe. Meine letzte E-Mail an ihn habe ich Mitte Februar verschickt. Er hat noch immer nicht geantwortet. Ich mache mir große Sorgen. Das hat er nicht verdient. Niemand hat das verdient.[/expander_maker]


Letztens war ich in der Bahn, wo eine ältere Dame von ihren Erinnerungen geschildert hat. – Armin

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“]Letztens war ich in der Bahn, wo eine ältere Dame von ihren Erinnerungen geschildert hat. Sie meinte sinngemäß folgendes ,,Früher war es nicht einfach mit meinem Vater, es waren wirklich keine einfachen Zeiten. Essen war nicht immer vorhanden und die Wohnung war im Winter nicht immer warm. Trotz diesen Umständen meinte mein Vater: Wir kriegen das alles hin alles wird wieder gut Hauptsache kein Krieg, Hauptsache kein Krieg!“.[/expander_maker]


Ich finde unmöglich, dass in diesen belastenden Zeiten erwartet wird, Leistung zu erbringen als wäre nichts. – anonym

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“] Ich finde unmöglich, dass in diesen belastenden Zeiten erwartet wird, Leistung zu erbringen als wäre nichts (das war auch schon seit der Pandemie zu kritisieren.) Das anzusprechen führt aber regelmäßig zu herablassenden Kommentaren und der absolut grenzüberschreitenden Diskussion darüber, wie man sich fühlen sollte oder „darf“, dass man es einfach nicht „an sich heran lassen“ sollte um weiterhin unter Leistungsdruck zu funktionieren.[/expander_maker]


Unsere Wohnung ist komplett zerstört. – anonym

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“] Ich wurde in der Ukraine in der Stadt Chugujew geboren. Meine Heimatstadt die russische Armee begann als eine der ersten zu schießen. Unsere Wohnung ist komplett zerstört. Es gibt Verwandte und Freunde in meiner Stadt, die sich vor Bomben in Kellern, Bunkern usw. verstecken. Sie haben wenig Nahrung, Wasser, Medikamente, aber viel Vertrauen in die Zukunft – eine ruhige Welt. Wir haben viele Freunde aus Russland – Zivilisten, die uns unterstützen, sie sind bei uns, sie wollen auch keinen Krieg. Sie sind mit Putin nicht einverstanden. Ich glaube, es wird bald Frieden geben, ich will keinen Krieg, ich will keine Opfer. #nowar[/expander_maker]


Da in dem ganzen Land jetzt Krieg gibt, gibt es aktuell kaum Leute, die das Tierheim meiner Mutter mit benötigten und überlebenswichtigen Ressourcen versorgen können. – Tymur

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“] Ich komme aus der Ukraine, aus der Hauptstadt, Kiew, wo jetzt blutige Kämpfe stattfinden. In vielen Großstädten findet es gleichzeitig statt, ständige Luftangriffe. Aber das ist nicht das einzige Problem. Meine Mutter […] besitzt eines der größten (wenn nicht das größte) Tierheim Europas mit über 3.000 Tieren. Das Tierheim befindet sich 40 km von Kiew entfernt, im Norden der Ukraine, also gerade auf dem Weg, über den russische Militär aus Weißrussland (Belarus) über Tschernobyl nach Kiew fahren.
Da in dem ganzen Land jetzt Krieg gibt, gibt es aktuell kaum Leute, die das Tierheim meiner Mutter mit benötigten und überlebenswichtigen Ressourcen versorgen können. Sie hat mir aktuell es gemeldet, dass da keine Elektrizität gibt, sie hat kein Zugang zum Netz, es gibt kaum Essen und es gebit Gefahr dass alle diese Tiere einfach verhungern werden. Dazu kommt noch die Tatsache, dass da überall rumgeschossen wird und ständig die Raketen rumfliegen. [/expander_maker]


Beim Einkaufen hatte ich Sorge auf Russisch zu telefonieren. – anonym

[expander_maker id=“1″ more=“Read more“ less=“Read less“] Ich bin, wahrscheinlich wie alle, schockiert und kann nicht fassen was gerade passiert. Meine Familie kommt aus Russland, wir haben aber auch Freunde in der Ukraine. In Gedanken sind wir die ganze Zeit dort. Ich schätze es sehr, dass viele vor allem auf den sozialen Plattformen ihre Solidarität äußern. Was mir jedoch auch aufgefallen ist, das diese oft mit Hetze gegen die russische Bevölkerung verbunden war. Gestern zum Beispiel hatte ich ein Vorstellungsgespräch und die erste Frage lautete: „Was denkst du darüber als Russin, wie findest du Putin?“ Natürlich habe ich mich gegen die Regierung geäußert, anschließend wurde meine Antwort vom Befragenden auch noch bewertet. Beim Einkaufen hatte ich Sorge auf Russisch zu telefonieren, und im Austausch mit meinen Freunden ist mir aufgefallen, ich bin nicht die einzige. Eine Freundin meiner Mutter, auch aus Russland, erzählte, dass ihre ukrainische Nachbarin nicht mehr grüßt.
Warum bedeutet Russisch sein = Putin und Krieg gegen die Ukraine befürworten? Wie Olaf Scholz bereits sagte – es ist unser Brudervolk und das wird sich auch nicht ändern. Ich hoffe auf einen stets blauen Himmel und Besserung für die UkrainerInnen. Aber ich bitte auch darum, einzusehen, dass die Entscheidung einen Krieg zu beginnen bei der russischen Regierung lag, und nicht bei uns.[/expander_maker]


 

Unsere Vorgehensweise: Wir prüfen alle Statements einzeln. Da unser Fokus im Moment darauf liegt, Betroffenen oder Angehörigen von Betroffenen einen Raum zu geben, ihre Gefühle zu äußern, veröffentlichen wir keine Statements, bei denen es sich um eine Meinungsäußerung handelt, aus der ein Bezug zu Betroffenen nicht hervor geht. Uns allen geht dieser Tage viel durch den Kopf, aber wir wollen diejenigen, die am stärksten betroffen sind, nicht übertönen.

An Statements, die wir veröffentlichen, nehmen wir keine Änderungen vor, abgesehen von zwei Ausnahmen: 1. Politische Aufrufe und Links kürzen wir aus den Statements und veröffentlichen stattdessen allgemeine Hinweise zu Möglichkeiten, Hilfe zu leisten. 2. Namen oder anderweitig identifizierende Informationen über nicht öffentliche Personen anonymisieren wir. Wir nennen lediglich die Vornamen der Autor:innen, wenn diese dies wünschen.

Wir veröffentlichen in chronologischer Reihenfolge und aktualisieren fortlaufend, wenn uns weitere Statements erreichen. Wenn du dein Statement hier nicht finden kannst, dann entweder aufgrund eben genannter inhaltlicher Erwägung oder weil wir schlicht noch nicht zur Veröffentlichung gekommen sind.

How we proceed: We check all statements individually. Since our focus at the moment is on giving those most affected a place to express their feelings, we are not publishing statements that are expressions of opinion from which no relation to those directly affected is apparent. A lot has been going through all of our heads these days, but we don’t want to drown out the voices of those most affected.

We do not make changes to the statements we publish, with two exceptions: 1. We cut political appeals and links from statements and instead publish general information on how to help. 2. We render anonymous all names or otherwise personally identifying information about non-public persons. We only state authors‘ first names, if desired by them.

We publish statements in chronological order and add new statements as we receive them. If you are not seeing your statement on this page, that is either due to considerations with regards to content, or because we simply haven’t gotten around to publishing your statement yet.


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