Eine Insel für die Hoffnung und die Kunst – Die Potsdamer Inselbühne beginnt ihre erste Saison

Stühle in Reihen, vorne eine Bühne die von Potsdamer Bürgerstiftung bearbeitet wird
Die Inselbühne erstrahlt in diesem Sommer in neuem Glanz. (Foto: Potsdamer Bürgerstiftung)

Ab dem 1. Juni – also heute! – können alle, denen es nach Kunst und Kultur dürstet oder die einfach nur mal wieder einen Ort für den öffentlichen Austausch, Diskussionen und das Gefühl von Zusammensein brauchen, sich zur Freundschaftsinsel in Potsdam aufmachen. Hier hat die Bürgerstiftung Potsdam das Projekt der Inselbühne ins Leben gerufen. Kunst- und Kulturschaffende können sich auf die Bühne wagen und jeder kann unter freiem Himmel endlich wieder ein wenig Freiheit schnuppern. Ein Hoffnungsschimmer. Von Carla Magnanimo

Die letzten Monate waren trist und – oh mein Gott – so unglaublich lang. Grau und traurig, kalt und nass, ungemütlich, fies und alles was einem sonst noch so einfällt. Auch die ab und an hervorblitzenden Sonnenstrahlen können uns nicht vergessen lassen, dass wir seit vielen Monaten versuchen uns zusammen zu reißen, jedes Mal zusammenzucken, wenn jemanden neben uns hustet, wir versuchen so gut es geht allein zu bleiben; dass die Gastronomie langsam stirbt und es lediglich ein sehr begrenztes (und vor allem hauptsächlich digitales) Kulturangebot gibt. Kultur im Digitalen Raum, ja, das kann funktionieren und es hat geholfen: als Überbrückungshilfe, als Übergangslösung. Doch die wenigsten werden es vorziehen, sich zu Hause auf dem Sofa einen Theater-Livestream reinzuziehen, wenn man stattdessen im Foyer eines Theaters mit einem Glas Wein aufgeregt die anderen Menschen beobachten kann. Sich an der Bar noch schnell Nachschub besorgt, bevor es losgeht, den Geruch von Bretzeln einatmet, von denen man sich immer sagt, dass man sie nicht kaufen wird, weil man hat ja eigentlich schon gegessen und zu teuer sind sie eigentlich auch. Und schließlich kehrt man zu seiner Begleitung zurück, mit einer Bretzel in der Hand, denn es gehört einfach irgendwie dazu, wie die Sonne zum Sommer.

Kultur ist die angeregte Diskussion mit Freund*innen nach einem experimentellen Kinofilm, bei der wir nicht immer einer Meinung sind. Kultur ist das Gefühl von roten Samtsesseln unter und einer weiten, dunklen Bühne vor uns, auf der jederzeit alles passieren kann. Kultur ist eine belebte Straße, auf der man immer wieder innehalten muss, um zu schauen, zu riechen, zu fühlen, auf der es egal ist, in welche Richtung man geht, denn man wird da ankommen, wo es richtig ist. Kultur ist die Ungewissheit, mit welchem Eindruck von der Welt oder mit welcher Inspiration man ins Bett geht. Kultur ist ein Live-Event. Und wir brauchen wieder Kulturleben! Da kommt das Projekt der Inselbühne Potsdam wie gerufen – ja, wirkt beinahe wie ein Hoffnungsschimmer am FFP2-maskenbedeckten Horizont.

Was ist die Inselbühne?

Am 24. März kam das Okay der Stadt Potsdam. Hiermit war es der Potsdamer Bürgerstiftung gestattet, das seit 2013 stillstehende Gelände der Freilichtbühne auf der Freundschaftsinsel zu nutzen. 1973 wurde die Freilichtbühne vom VEB Spezialbau Potsdam gestiftet, zum Anlass der Weltjugendfestspiele. Kunst- und Kulturschaffende sollen auf der Inselbühne einen Treffpunkt haben, erzählt Jonas, der bei dem Projekt in der Kommunikation und Organisation mithilft. „Wir wollten allen Künstler:innen – egal ob professionell oder aus dem Amateurbereich – die Möglichkeit geben, die Bühne für ihre Kunst zu nutzen und die Veranstaltungen durch freiwillige Eintritte und ein buntes Programm für alle Interessierten zugänglich zu machen.”

Kultur? Pandemie? Kann nicht sein! 

Kultur und Pandemie scheinen zwei Dinge zu sein, die sich nicht gut miteinander verbinden lassen – fast wie Wasser und Öl. Im letzten Jahr haben sich schnelle Übergangslösungen gefunden; am Anfang war es noch aufregend, etwas Neues: Wow, könnte das die kulturelle Revolution sein, auf die manche gewartet haben? Kunst im Digitalen Raum ist vielleicht die Zukunft; schließlich müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass das Digitale immer mehr unseren gesellschaftlichen als auch persönlichen Raum einnimmt.

Viele Dinge funktionieren; manche vielleicht besser – ein Großteil jedoch, wie geplant, nur übergangsmäßig. Die Menschen sind gnädig und gieren nach allem was sich anfühlt wie ein Ausflug ins Museum oder Kino. Aber keiner kann darüber hinwegtäuschen, dass Netflix über den Beamer nun mal kein Kinobesuch ist. Und dass Theater und Musik davon leben, vor Ort bestaunt zu werden. Kunstschaffende brauchen den Austausch mit ihrem Publikum. Denn die eigenen vier Wände geben irgendwann nicht mehr sonderlich viel her.

Hauptsache spontan bleiben

Freilichtbühne mit Stuhlreihe und Personen
Die Renovierungsarbeiten sind in vollem Gange. Insbesondere während der Pandemie ist es schwer, Orte für Kunst und Kultur zu schaffen. (Foto: Potsdamer Bürgerstiftung)

Auch die Inselbühne kämpft mit den Problemen dieser schier endlos scheinenden Zeit. Bereits zweimal wurde das Datum der Eröffnung verschoben. „Allein die Unwägbarkeiten und Planungsunsicherheit machen Kunst- und Kulturveranstaltungen extrem kompliziert”, erklärt Jonas. Flexibilität ist derzeit das höchste Gut, mit ständigen Änderungen sollte gerechnet werden.

Allerdings sieht sich die Inselbühne auch im Vorteil gegenüber anderen Kultureinrichtungen, die ihre Veranstaltungen drinnen abhalten müssen. „Sollte es dieses Jahr zu Kulturveranstaltungen kommen – was wir sehr hoffen -, so werden diese nur unter strikter Einhaltung von Hygienemaßnahmen stattfinden können”, so Jonas.

Potsdam soll kulturell wiederbelebt werden. Derzeit läuft der Vertrag mit der Stadt auf ein Jahr und bisher geplante Veranstaltungen sind auf den Sommer 2021 begrenzt. Was darüber hinaus mit dem Ort passiert ist noch nicht klar, doch für die Organisator:innen ist die Idee einer “Kreativoase inmitten Potsdams”, die von Kunst und Kultur lebt; die als Ort der Begegnung und des kreativen Austausches funktioniert, natürlich absolut gewollt: „Im Grunde ist die Bühne wirklich für jeden da.” Und trotz der Begleiterscheinungen der Pandemie würde man positiv in die Zukunft blicken.

Worauf kann man sich freuen?

Wer an einem lauen Samstagabend in diesem Sommer noch nichts vorhat, sollte auf jeden Fall bei der Inselbühne vorbeischauen, denn die Liste der hier auftretenden Kulturschaffenden und geplanten Veranstaltungen ist lang und lohnt sehr. Gleichzeitig soll es ein Kernprogramm unter der Woche geben, zum Beispiel Tango-Abende am Donnerstag, Talk-Runden am Mittwoch und Auftritte der “Jungen Bühne”. „Die „Junge Bühne“ ist ein spannendes Projekt innerhalb des Inselbühneprojekts, das vor allem jungen Künstler:innen, KiTa-Gruppen und Schulensembles die Möglichkeit geben möchte, auf der Freundschaftsinsel aufzutreten.” Hier sind schon ein paar Auftritte des Jugendmusiktheaters „Musical Minds Potsdam“ geplant.

Mit der Veranstaltung „International Tuesday”, einer Talk- und Veranstaltungsreihe der Potsdamer Bürgerstiftung in Kooperation mit den Vereinen „ProWissen“ und „Neues Potsdamer Toleranzedikt“, wird am 1. Juni die Inselbühne offiziell eröffnet. Unter dem Motto „Polarexpedition“ soll Prof. Dr. Markus Rex vom Potsdamer Alfred-Wegener-Institut von den Erlebnissen und Ereignissen rund um seine Polarexpedition berichten.

Für alle, die interessiert sind und verfolgen wollen, was in nächster Zeit so passiert: Folgt der Inselbühne bei Instagram!

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