Bevölkerungsprognose: Potsdam wächst, Brandenburg schrumpft

Trotzt dem Trend des Bevölkerungsrückgangs: die Landeshauptstadt Potsdam.
Trotzt dem Bevölkerungsrückgang in Brandenburg: die Landeshauptstadt Potsdam. (Foto: Carolin Kulling)

Brandenburg verliert immer mehr Einwohner_innen. Bis 2040 könnte die Bevölkerungszahl um weitere rund zehn Prozent schrumpfen. Einzige Ausnahme ist die Landeshauptstadt Potsdam – so nachzulesen in der gemeinsam von Berlin und Brandenburg veröffentlichten Bevölkerungsprognose 2015. Von Carolin Kulling und Peter Schuld.

Berlin und Brandenburg könnten sich gleichzeitig kaum näher und ferner sein: Brandenburg liegt für die Berliner zwar direkt vor der Haustür, wenn man allerdings aus der Hauptstadt ins Umland fährt, wirkt es vielerorts wie in einer anderen Welt. Aus Menschenmassen und Hochhäusern werden plötzlich kleine Dörfer und Felder. Aus der boomenden Hauptstadt wird eine ländliche Region, die mit schwindenden Einwohnerzahlen zu kämpfen hat.

Anhaltender Bevölkerungsschwund

Die herausgegebene Bevölkerungsprognose für das Land Brandenburg verdeutlicht, wie wenig Auswirkung das Wachstum von Berlin auf das umliegende Bundesland hat. Nach einer kurzen Zunahme der Bevölkerungszahl Mitte bis Ende der 90er Jahre ist diese seither rückläufig. Infolge des Zensus 2011 musste der Wert sogar noch zusätzlich auf 2,46 Millionen heruntergesetzt werden, weil deutlich wurde, dass die auf alten Erhebungen basierende Schätzung zu hoch angesetzt war. Zum Vergleich: Im flächenmäßig sehr viel kleineren Berlin leben 3,5 Millionen Menschen.

Bis 2018 wird in Brandenburg erneut ein kleiner Bevölkerungszuwachs auf 2,5 Millionen erwartet, so das Landesamt für Bauen und Verkehr sowie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, welche die Prognose gemeinsam veröffentlicht haben. Anschließend gehen die Statistiker_innen jedoch von einem kontinuierlichen Rückgang auf 2,2 Millionen bis zum Jahr 2040 aus. Inwieweit sich die derzeitige Flüchtlingskrise auf diese Entwicklung auswirken wird, lässt sich noch nicht vorhersagen.

Zuzug kann Geburtendefizit nicht ausgleichen

Als Ursache für diese Entwicklung wird in der Prognose vor allem die Zunahme des Geburtendefizits benannt. Während bei den Sterbefällen in den kommenden Jahrzehnten ein Anwachsen von rund 30.000 auf 35.000 pro Jahr erwartet wird, soll die Zahl der Geburten von ca. 18.000 auf 14.000 sinken. Damit gäbe es 2040 ein jährliches Geburtendefizit von 21.000. Obwohl die Prognose von einem positiven Wanderungssaldo (mehr Zuzüge als Fortzüge) von um die 7.000 Personen pro Jahr ausgeht, reicht dies nicht aus, um einen Rückgang der Bevölkerungszahl zu verhindern.

Von den nach Brandenburg ziehenden Personen wiederum werden sich 85 Prozent im Berliner Umland ansiedeln, wodurch das Schrumpfen der Bevölkerung in den übrigen Regionen des Bundeslandes noch deutlicher ausfallen dürfte. Besonders hart soll es den Landkreis Spree-Neiße treffen: Er soll bis 2040 laut Prognose 29 Prozent seiner Bevölkerung verlieren. Insgesamt ist der Rückgang in Brandenburg zwar geringer, aber mit erwarteten 6 bis 11 Prozent (je nachdem, welches Wanderungssaldo dem Modell zugrunde liegt) immer noch beachtlich.

Einzige Ausnahme ist die Landeshauptstadt Potsdam: Hier rechnen die Statistiker im selben Zeitraum mit einem Bevölkerungsanstieg von fast 20 Prozent. Dieser Zuwachs könnte Potsdam in Zukunft vor große Probleme stellen, wie fehlenden Wohnraum oder zu wenig Kitaplätzen. Ebenso wird sich aber auch das Land Brandenburg mit den Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs sowie der Veränderung der Altersstruktur beschäftigen müssen.

Alterung der Gesellschaft

Es ist bereits gegenwärtig bedenklich, dass Brandenburg im Bundesvergleich geringere Anteile der Bevölkerung bei 10- bis 30-Jährigen hat, hingegen höhere Anteile bei 50- bis 80-Jährigen. Diese Entwicklung wird, so die Prognose, bis 2040 zu einem Seniorenanteil (65 Jahre und älter) von 37 Prozent in der Bevölkerung führen.

Die vorgestellten Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, besonders für die jüngeren Generationen die Attraktivität von Brandenburg zu verbessern, und zwar auch jenseits vom Berliner Umland und Potsdam. In den letzten Jahren sind ausschließlich im Bereich der 18- bis 30-Jährigen mehr Personen aus Brandenburg fort- als zugegezogen – sprich der Altersgruppe, von der die Zukunft einer Region abhängt. Obgleich die Verluste in diesem Bereich rückläufig sind, ist dies eine Entwicklung, die sich kein Bundesland dauerhaft leisten kann.

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