„Klotzen statt Kleckern“ – Der Boxenstopp am Hans Otto Theater geht in eine neue Runde

Bo Phyllis Strube als Rotkäppchen (Foto: Donnie Corvalán González)

Der Boxenstopp am Hans Otto Theater geht in eine neue Spielzeit. Nachdem der Regieassistent Donnie Corvalán González seine erste szenische Lesung mit in die neue Spielzeit nahm und im Oktober zum zweiten Mal aufführte, wird er mit seinem selbstgeschriebenen Stück Lust + Leid des Rotkäppchens Ende November nun sein endgültiges Regiedebüt feiern. Von Clara Olberding.

Das nicht mehr ganz so neue Format des Hans Otto Theaters, der Boxenstopp, das seit Beginn der Intendanz von Bettina Jahnke Einzug in das Theater an der Schiffbauergasse gehalten hat, ist den meisten bereits ein Begriff. Für einen kleinen Groschen kann einmal im Monat freitags ein Kulturabend der anderen Art genossen werden. Hier sind den Organisierenden keine Grenzen gesetzt: Von Chanson-Abend, über szenische Lesung oder bis hin zu einem Live-Hörspiel in Zusammenarbeit mit der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf war bislang alles dabei. Nun wird im Rahmen des Formats ein selbstgeschriebener Text als Theaterabend seinen Weg in die Box finden. Aber wer organisiert das alles?

Regieassistent_Innen – die „Qualitätspolizei“ des Theaters

Donnie Corvalán González ist seit der letzten Spielzeit Regieassistent am Theater und Teil des kreativen Teams. Als Regieassistent betreut er normalerweise die Theaterstücke vom Tag der Konzeptionsprobe an, also dem Tag, an dem das neue Stück visuell, dramaturgisch und inhaltlich von der Regie allen Beteiligten vorgestellt wird. Die Arbeit hört allerdings keinesfalls mit der Premiere auf, denn sie sind die „Qualitätspolizist_innen“, die den Schauspieler_innen nach jeder Vorstellung Feedback geben. Meist sind es gerade die Regieassistent_innen, die bei einer Produktion organisatorisch alles zusammenhalten.

In ihrer Freizeit planen sie nun seit circa anderthalb Jahren zusätzlich noch den Boxenstopp, vor allem da es ihnen die Möglichkeit gibt, sich selber auszuprobieren, es ihnen eine Plattform bietet und nicht zuletzt so Erfahrungen gesammelt werden können. Viele von ihnen, so auch Donnie, wollen selber in die Regie und profitieren von den Chancen, die ein solches Format mit sich bringt. Die Möglichkeit des Scheiterns ist hier keinesfalls ein Tabu, sondern absolut erlaubt.

„Willst du mein Rotkäppchen sein?“

Donnie hebt den Boxenstopp Ende des Monats auf eine neue Stufe, indem er seinen eigenen Text, Lust + Leid des Rotkäppchens, auf die Bühne der Reithalle bringt. Die Unterstützung findet er bei Bo Phyllis Strube, die letzte Spielzeit als Ronja Räubertochter am Hans Otto Theater zu sehen war. Die beiden lernten sich kennen und im Juni kam es zur Startschussfrage: „Willst du mein Rotkäppchen sein?“ Als freie Schauspielerin ist sie jedoch viel unterwegs, weshalb die Probenzeit nicht knapper hätte ausfallen können. So kommt sie erst sieben Tage vor der Premiere zurück nach Potsdam und dann hieße es, so Donnie, „klotzen statt kleckern“.

Bo Phyllis Strube als Rotkäppchen (Foto: Donnie Corvalán González)

Aber worum geht’s eigentlich? Lust + Leid des Rotkäppchens spielt im Haus der Großmutter, als Rotkäppchen durch die Tür tritt: Weder die Großmutter noch der böse Wolf sind zugegen. Also beginnt das Rotkäppchen von ihren Erlebnissen im Wald und von ihren Gedanken zu ihrer Familie zu erzählen. Es geht Donnie vor allem darum, das Rotkäppchen als alte Märchenfigur zu begreifen, die in einem ewigen Zyklus gefangen ist, ständig vom Haus der Mutter mit einem großen Picknickkorb zum Haus der Großmutter zu wandern und währenddessen die Veränderungen im Wald wahrzunehmen und ihr Leben zu reflektieren: Warum ist sie alleine unterwegs, wieso verändert sich der Wald und warum ist die Großmutter überhaupt krank?

Die Stille zum Thema machen

Es soll in erster Linie allerdings ein Stück über das „Nicht-miteinander-sprechen“ sein, ein Stück, was die Situation des Nicht-Kommunizierens aufheben möchte, die in Donnies Augen das Problem seiner Elterngeneration sei. Gerade diese Konfrontation mit der alten Generation sieht er als Magnet für ein junges Publikum. Das Rotkäppchen stellt in seinem Text nun gerade diese Fragen, die vielleicht sonst nie gestellt wurden, hebt die Stille auf, die ihr die vorigen Generationen und vergangenen Jahre hinterlassen haben.

Am 22.11.2019 soll Lust + Leid des Rotkäppchens schließlich Premiere feiern. Donnie freut sich auf seinen Abend, um seinen Text einem Publikum zu präsentieren und so zu sehen, ob seine Vision des Rotkäppchens funktioniert und wie die Zuschauer_innen auf sein Rotkäppchen reagieren. Wir sind gespannt.

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