„Man kann uns vertrauen“

Was passiert eigentlich hinter den Kulissen unserer Uni? Dieses Mal schaut die speakUP im Prüfungsamt vorbei. Im Gespräch: Frau Dr. Bieber, Leiterin des Dezerants für Studienangelegenheiten und Frau Dr. Radcke, Referentin für studentische Rechtsangelegenheiten. Interview von Philipp Schwartz.

speakUP: Frau Bieber, Sie sind Leiterin des Dezernats für Studienangelegenheiten und leiten ebenfalls zusammen mit Frau Dr. Radcke das Prüfungsamt. Ich könnte mir vorstellen, dass es kein dankbarer Job ist: Beim Thema Prüfungsamt stöhnen viele Studierende, schütteln den Kopf und winken ab. Wie erklären Sie sich diesen schlechten Ruf?

Radcke: Richtig erklären kann man das nicht. Positives Feedback wird immer seltener weitergegeben als negatives und über Probleme mehr gesprochen als über Lob.

Bieber: Ja, das ist für uns nichts Neues. Man sollte das aber auch mal so sehen: Wir haben 20.000 Studierende. Ganz viele von ihnen, bis auf die Studis der juristischen Fakultät, haben letztendlich Anliegen, die im Prüfungsamt von fünf Sachbearbeiter_innen bearbeitet werden. Dafür ist die Anzahl der Problemfälle, die an mich oder Frau Radcke heran getragen werden, sehr gering.

speakUP: Nach allem, was man hört, sind Fälle von Unflexibilität und langer Reaktionszeiten im Prüfungsamt weniger gering.

Bieber: Obwohl zu bestimmten Zeiten einzelne Vorgänge vorrangig behandelt werden, werden Anliegen in der Regel nach Posteingang bearbeitet. Wenn dann Studierende kurzfristig etwas einreichen und einen wichtigen Termin im Kopf haben, kann deren Anliegen nicht einfach vorgezogen werden, weil dann andere benachteiligt werden.

speakUP: An der Uni Potsdam wird mit Leidenschaft kritisiert. Erfahren Sie denn gelegentlich auch Lob?

Bieber: Wir haben auch schon gutes Feedback bekommen, was nicht öffentlich bekannt wird. Man bedankt sich auch mal bei der Übergabe des Zeugnisses. Die Arbeit im Prüfungsamt wird also auch wertgeschätzt.

speakUP: Wie ist es von Ihrer Seite? Was schätzen Sie an der Uni Potsdam und warum macht Ihnen die Arbeit Spaß – trotz der Fülle an Aufgaben und Verantwortung?

Bieber: Das Dezernat ist ja ein Verwaltungsbereich. Durch den direkten Weg von der Beratung zu Verwaltungsvorgängen werden viele Probleme der Studierenden auf kurzem Wege geklärt. Es gibt auch kurze Wege zwischen der Verwaltung und den Lehrverantwortlichen. Wir beteiligen uns z.B. in Gremien wie der Runde der Studiendekane, wo viele Fragen diskutiert werden und wirken auch in der LSK mit, obwohl wir selber nicht Mitglied nicht. Ich schätze zudem die offene Dialogkultur.

speakUP: Die Dialogkultur zwischen Universitätsverwaltung und Studierendenschaft scheint nicht immer so offen zu sein.

Radcke: Wir haben ein großes Interesse an der Verbesserung der Kommunikation. Wir versuchen sehr viele Wege der Kommunikation zu den Studierenden. Umgekehrt würde ich mir das manchmal auch wünschen.

Bieber: Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass Verwaltungsprozesse für alle Seiten transparent gestaltet werden, sodass also Entscheidungen nicht willkürlich wirken, sondern auch nachvollziehbar sind.

speakUP: Bei der Planung ihres Studiums müssen Studierende auch die unzähligen Studienordnungen ihres Studiengangs berücksichtigen. Nicht nur sie, sondern auch Dozierende und Professor_innen haben längst den Überblick verloren. Warum gibt es so viele Studienordnungen?

Radcke: Das beruht auf mehreren Umständen. Der Beginn der Umstellung, das war die Übungsphase. Man hat dann erst gesehen, was eine Studienordnung erfüllen muss, um rechtlich verbindlich zu regeln, wie das Studium abzulaufen hat. Da waren die ersten Ordnungen nicht aussagekräftig genug. Bei den Lehramtsstudierenden erließ das Land zusätzlich neue Regelungen, was zu erneuten Anpassungsbedarf führte. Auch die Kultusministerkonferenz-Vorgaben stellen einen sehr engen Rahmen auf, welcher die Fächer in ein Korsett presst. Es fehlt dadurch die Flexibilität.

speakUP: Viele Prozesse werden fast ausschließlich mit EDV-Unterstützung mit PULS realisiert. Das Misstrauen war damals sehr groß. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz mit PULS aus?

Bieber: Es stellt uns vor neue Herausforderungen, aber es hilft nicht bloß uns in der Prüfungsverwaltung. Es ist auch für die Studierenden von wesentlicher Bedeutung. Ich möchte die Situation nicht nochmal erleben, dass ein Studierender mit der Einschreibungsliste wegrennt. Die Belegung von Lehrveranstaltungen online innerhalb einer Belegungsfrist empfinde ich als klaren Vorteil. Auch Funktionen wie das Ausdrucken von Studienbescheinigungen und Leistungsübersichten stehen jederzeit an jedem Ort zur Verfügung.

speakUP: Was wünschen Sie sich zukünftig von den Studierenden?

Bieber: Eine langfristige Planung der Studierenden und dass sie sich selber über Prozesse informieren und nachfragen. Wenn sie Prozesse haben, wo sie sagen: „Ich weiß gar nicht, was da überhaupt passiert“, dann können Sie uns das gern mitteilen, sodass wir Anregungen bekommen, welche Prozesse noch dargestellt werden können. Das nehmen wir gerne auf.

Radcke: Viele Sachen, die unmittelbar das Prüfungsamt betreffen, werden nicht direkt an uns geleitet, sondern oftmals über die oder den Dozent_in oder die Fakultät oder den AStA. Es verlangsamt den Prozess. Manchmal geht dadurch ein wenig Vertrauen kaputt. Gerade Vertrauen ist sehr wichtig. Man kann uns vertrauen. Viele Fragen lassen sich manchmal schneller und einfacher beantworten, wenn man mit uns direkt in Kontakt tritt.

speakUP: Vielen Dank für das Gespräch!

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