Anzeige
campusPOLITIK Featured Ganz vorn — 17 Juli 2017

Gruppenfoto der HSG terre des hommes Foto: Maria Dietel

Seit 2016 gibt es an der Universität Potsdam die Hochschulgruppe „terre des hommes“, die am Mittwoch, den 19. Juli, pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum des Kinderhilfswerkes zur Auftaktveranstaltung mit ergreifendem Programm einlud. Von Maria Dietel.

Die Landschaft der Hochschulgruppen an der Uni Potsdam wird immer bunter und vielfältiger. Bereits im letzten Sommer hat sich die Hochschulgruppe „terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not“ unter Leitung von Joshua Hofert gegründet (speakUP berichtete). Frei übersetzt nach Antoine de Saint-Exupéry bedeutet „terre des hommes“ so viel wie „Erde der Menschlichkeit“, begrüßt Joshua die vielen interessierten Studierenden, die es zu der Veranstaltung gezogen hat.

Einige Gesichter der Anwesenden sind schon aus dem letzten Jahr bekannt. So äußerte sich Antonia, dass sie sich freue, dass so viele zur Veranstaltung gekommen sind und sich bei „terre des hommes“ engagieren wollen. Die Reaktivierung der Gruppe und der jetzige aktive Start seien wichtig, da „das Thema viele bewegt.“

Engagement und Ziele von terre des hommes

Joshua Hofert über terre des hommes Foto: Maria Dietel

Terre des hommes Deutschland e.V. ist ein international tätiges Kinderhilfswerk, welches sich 1967 in Deutschland gegründet hat. Ziel ist es, Kinder vor Sklaverei und Ausbeutung, bei der Flucht sowie vor Gewalt und Missbrauch zu schützen und für die Erziehung und Ausbildung der Kinder Sorge zu tragen. „Bei uns geht es viel um Hilfe zur Selbsthilfe“, so Joshua, der bereits seit September 2015 Teil des Präsidiums von „terre des hommes“ ist. Das Kinderhilfswerk schickt entsprechend keine Helfer_innen aus Deutschland in die Welt, sondern „arbeitet besonders mit lokalen Akteuren zusammen“, welche vor Ort mit Beratung, Vernetzung und Spenden unterstützt werden. Die Arbeit von „terre des hommes“ richtet sich dabei konsequent an den Kinderrechten aus, „die Kinderrechtskonvention ist quasi unsere Bibel“, so Joshua. Die Arbeit in den 34 Projektländern ist damit „gemeinnützig, politisch unabhängig und konfessionell ungebunden.“ Etwa 30 Millionen Euro, die größtenteils aus Spenden bestehen, akquiriert das Kinderhilfswerk jährlich, um „Projektarbeit, Katastrophenhilfe, Kampagnenarbeit, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit“ voranzutreiben. In Deutschland engagieren sich die Menschen in 120 Orten ehrenamtlich – „ab heute sind es 121 durch unsere Gruppe hier in Potsdam“, so Joshua.

Mit Sicherheit gut ankommen

Erinnerungen an die Heimat Foto: Maria Dietel

Höhepunkt, auch emotionaler Höhepunkt des Abends, war der berührende Vortrag von Zahraa, ursprünglich aus Baiji Irak, die über die Entwicklungen im Irak, über ihre eigene, tief ergreifende Fluchtgeschichte sowie über ihren Neuanfang in Deutschland berichtete.

Mit selbst gebackenem Gebäck für alle Anwesenden und Gegenständen aus ihrer Heimat, wie Teeschalen und Schmuck, leitete Zahraa ihren Vortrag ein. Über detaillierte Erklärungen zu den Provinzen Mossul, Salahuddin und Kirkuk, Provinzen, in denen Zahraa gelebt, studiert oder gearbeitet hatte, berichtete sie unter Tränen ihre und die Fluchtgeschichte ihrer Eltern. „I started hearing guns and our house was shaking – our neighbors told us ISIS is here.“ Im Sommer 2015 flüchtete Zahraa und ihre Familie, eine schiitische Familie, Hals über Kopf aus ihrem Haus, ohne Dokumente, ohne Geld. „We could not believe that we survived that night“, so Zahraa. Eine neue Heimat und Hoffnung fand Zahra im November 2015 in der Arbeit mit der internationalen Hilfsorganisation „Handicap International”. „That really changed my life because I could make them smile again. I was proud to help those people.”

Zahraa erzählt über ihre Erlebnisse Foto: Maria Dietel

Über Zahraas Engagement startete sie im August 2016 ein Praktikum bei “terre des hommes” in Deutschland, wobei ihr bewusst wurde, dass seine Rückkehr in ihre Heimat Kirkuk nicht mehr möglich sei. Im März 2017 wurde Zahraas Asylantrag genehmigt. „The hard part is loosing your country, loosing your family and your job“, schließt Zahraa ihre bewegenden Schilderungen.

Die Frage, die im Raum steht – was können wir tun?

Im letzten Punkt der Auftaktveranstaltung ging die neue Hochschulgruppe nun konkret der Frage nach, was man nun tun könne. Vom 22. Bis 24. September 2017 werden im Rahmen einer Tour durch Norddeutschland zwei Schiffe in Potsdam ankommen, die auf das Thema Migration und Flucht auf besondere Art hinweisen und sensibilisieren wollen. 70 Kupferfiguren, die die Flüchtlinge repräsentieren, werden als Projekt auf den Schiffen sein, um aufzuzeigen, wie es sich auf einem „Flüchtlingsboot“ anfühlt. Die Hochschulgruppe „terre des hommes“ plant die Organisation eines informativen Begleitprogrammes rund um die Ankunft und Ausstellung der beiden Schiffe in Potsdam. Viele kreative Ideen wurden durch gemeinsames Brainstorming der Gruppe bereits aufgeworfen.

Du möchtest dich auch engagieren? Terre des hommes trifft sich erneut am 19. Juli um 18 Uhr im Raum S27 im Haus 6 in Griebnitzsee. Engagierte Studierende und helfende Hände sind für die Umsetzung des Projektes und die Mitarbeit in der Hochschulgruppe herzlich willkommen.

Share

About Author

redaktion

(0) Readers Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.