fragen zu kopenhagen

Vom 7. bis 18. Dezember findet in der dänischen Hauptstadt die 15. UN-Klimakonferenz statt. Ein Interview mit der Klimaaktivistin Jana Bosse, Studentin an der Universität Potsdam. Von Teresa Renner

Die „Klimapiraten“, ein Netzwerk junger Klimaaktivisten, sind seit dem 5. Dezember mit dem Segelschiff nach Kopenhagen unterwegs. Und du, Jana, bist dabei! Warum setzt du dich fünf Tage Wind und Wetter aus, um zu einem Gipfeltreffen zu fahren, bei dem deine Stimme gar nicht erwünscht ist?

Ich will in Kopenhagen – gemeinsam mit anderen – den öffentlichen Druck auf die RegierungsvertreterInnen erhöhen. Das Thema ist zu wichtig, als dass wir es den offiziellen VertreterInnen alleine überlassen können – die zudem von Lobby-Gruppen unter Druck gesetzt werden, die ihre eigenen, kurzfristigen, wirtschaftlichen Interessen vertreten.

Einige Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass wir als Individuen nichts mehr ausrichten können gegen den Klimawandel, und dass eine internationale Konferenz unsere einzige Chance ist. Was sagst du dazu?

Nun ja, wir Individuen, alle zusammen, machen den Klimawandel. Jeder und jede Einzelne von uns trägt durch sein bzw. ihr Konsumverhalten dazu bei. Internationale Konferenzen sind wichtig, da hier Weichen von „oben“ gestellt werden können und – so zumindest die Hoffnung – verbindliche Zielvorgaben gemacht werden können. Auf diese Art und Weise können politische Anreize für klimafreundliches Handeln gegeben werden – aber handeln müssen wir. Es hilft nicht, die Verantwortung abzuschieben – wir entscheiden, ob wir beispielsweise fliegen oder nicht. Aber wenn Flugbenzin besteuert wird, steigen die Flugpreise und es ist wahrscheinlicher, dass mensch sich gegen ein Flugzeug entscheidet. Insofern: COP 15 ist nicht alles, aber: politics matter!

Und von welchem Ergebnis von CO P 15, der „Conference of the Parties“, träumst du?

Die globale Erwärmung muss unter 2°C bleiben. Deshalb dürfen die globalen Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 eine Menge von 650 Gigatonnen Kohlendioxid nicht überschreiten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich die reichen Industrienationen (aufgelistet im „Annex I“ der Klimarahmenkonvention) zu Emissionssenkungen gegenüber 1990 von mindestens 40 Prozent bis zum Jahr 2020 und 95 Prozent bis zum Jahr 2050 verpflichten, und zwar durch Energieeinsparungen, erneuerbare Energien, nachhaltigen Transport und nachhaltige Landwirtschaft. Außerdem brauchen wir Zahlungen an so genannte Entwicklungsländer von mindestens 110 Milliarden Euro pro Jahr, um Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren und energiesparende Technologien zu implementieren. Soweit
zu meinen Träumen…

Was hälst du von dem konsumkritischen Ansatz der „Décroissance“, zu deutsch etwa „Wachstumsverweigerung“?

Es gibt mehr und mehr Leute, die das Wirtschaftswachstum bewusst bremsen wollen, mittels so „radikaler“ Maßnahmen wie Verzicht auf Handy, TV , Auto – Anschaffungen ohne die mensch doch gar nicht mehr leben kann… Natürlich kann man ohne Handy leben, habe ich bis vor kurzem gemacht… Im Ernst: Wenn wir von Klimagerechtigkeit reden, sind wir natürlich auf der Seite derjenigen, die sich einschränken müssen. Wollten wir weltweit unseren Lebensstandard durchsetzen, erreichen wir die Klimaziele nicht. Für mich persönlich halte ich die Frage danach, ob etwas tatsächlich notwendig ist, für sehr hilfreich. Mensch stellt nämlich fest, dass sehr vieles eigentlich nicht notwendig ist…

Na dann, Leinen los! Ich wünsche euch viel Erfolg in Kopenhagen und danke dir für das Interview!

Wer wissen will, wie‘s den die Klimapiraten auf hoher See ergeht, findet hier das Logbuch: www.klimapiraten.net

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