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campusLEBEN Featured Ganz vorn — 15 Oktober 2018

Nur 8,9% der Studierenden können in einem Zimmer des Studentenwerks Potsdam wie hier in der Kaiser-Friedrich-Straße wohnen. (Foto: Julia Hennig)

Jedes Jahr zum Wintersemester geht die große Wohnungssuche der neuen Studierenden in Potsdam los. Für viele heißt das vor allem unzählige Anfragen an WGs und Vermieter_innen zu schicken, in der Hoffnung, eine (positive) Antwort zu bekommen. Parallel hoffen viele darauf, vom Studentenwerk eine Zusage für ein Zimmer im Wohnheim zu bekommen. Wer nicht direkt ein Zimmer findet, weicht erst einmal auf Notlösungen aus. Anfang Oktober waren aber immer noch einige der neuen Studierenden auf Wohnungssuche. Von Julia Hennig.

Bezahlbarer Wohnraum ist in Potsdam Mangelware. Besonders für Studierende von außerhalb, die neu in die Stadt gekommen sind und mit einem knappem Budget auskommen müssen, ist dies eine besondere Herausforderung zu Studienbeginn. Leider kann das Studentenwerk nicht einmal jedem_r zehnten Studierenden einen der begehrten Plätze anbieten. Ende September standen circa 3.400 Personen auf der Warteliste. Eine letzte Chance bot sich am “Tag der freien Vergabe” am 2. Oktober, bei dem jedoch auch nur 30 Plätze vergeben werden konnten (speakUP berichtete).

Die Studenten- und Studierendenwerke haben daher eine online Mitmach-Aktion ins Leben gerufen, bei der ihr hier eure Stimme für bezahlbaren Wohnraum abgeben könnt. Auf studentischer Seite engagiert sich die Initiative “Unter Dach und Fach”, die von der Politik bessere Bedingungen fordert. Wir haben uns Anfang Oktober in den “Wohnung gesucht”-Gruppen in den sozialen Netzwerken umgehört und die neuen Studierenden nach ihren Erfahrungen bei der Wohnungssuche gefragt.

Erste Anlaufstelle: Studentenwerk Potsdam

Bei der Bewerbung für einen Platz im Studierendenwohnheim gilt vor allem ein Satz: “Der frühe Vogel fängt den Wurm”. Wer sich früh bewirbt, hat gute Chancen auf einen Platz. Allerdings muss man dann auch dementsprechend früh wissen, dass man in der jeweiligen Stadt studieren möchte. Anika aus der Nähe von Eberswalde hatte bereits im Vorfeld gehört, dass sich frühe Bewerbungen lohnen. Da sie sich bereits im August 2017 für einen Wohnheimsplatz in Golm beworben hatte, bekam sie diesen auch gleich mit der Immatrikulation. Auch Jonas aus Berlin hat in der Zwischenzeit ein Zimmer im Studierendenwohnheim an der Stahnsdorfer Straße bekommen, nachdem er sich im April 2018 um einen Platz beworben hatte.

Henri aus München hatte erst nach WG-Zimmern gesucht, dabei aber festgestellt, dass viele Anzeigen schon nach kurzer Zeit wegen zu vieler Anfragen deaktiviert wurden. Zudem war die Rückmeldequote klein, da er aufgrund der Entfernung nur Skype zum Kennenlernen anbieten konnte. Anfang September hatte er dann doch noch Glück, als die Zusage fürs Studierendenwohnheim kam. Sein Fazit: “Mein Gefühl ist, dass man kurzfristig (für 1-6 Monate) gute Chancen hat, was zu finden. Längerfristig ist es aber gerade aus der Ferne sehr schwer.

WG-Suche: Eine Flut von Anfragen

Mark aus Würzburg war Anfang Oktober immer noch auf Zimmersuche. Nach seiner Erfahrung antworten nur gut 10 Prozent der Vermieter_innen auf Anfragen, da sie innerhalb der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung einer Wohnungsanzeige direkt eine Flut an Anfagen erhielten. Eine andere Studentin entschied sich zwar letzten Endes für Münster und nicht Potsdam als Hochschulort, schrieb uns aber ein längeres Fazit nach ihrer Wohnungssuche in beiden Städten. Hannas Fazit: “Vit B hilft! Das altbekannte “Wenn wer wen kennt, der wen kennt” darf nicht unterschätzt werden!” Außerdem rät sie dazu, eigene Inserate zu veröffentlichen und auch etwas zu sich selbst zu schreiben. Jedoch sollte man dabei aufpassen, welche Daten, wie etwa die eigene Handynummer, man von sich preisgibt, da man sonst auch “dumme Anmachen” bekommen kann.

Ihrer Erfahrung nach haben es ältere Studierende etwas leichter als jüngere Studierende. Eine eigene Wohnung nur für sich bleibe aber trotzdem oft ein unbezahlbarer Wunschtraum, selbst WGs seien oft sehr teuer. Leider bleiben bei der ganzen Wohnungssuche teilweise auch schon die Vorbereitungen für das neue Studium auf der Strecke. Eine Erstsemesterstudentin, die für ihren Freund und sich eine Wohnung in Potsdam gesucht und letztendlich auch gefunden hatte, schrieb uns, dass sie deswegen nicht an den Vorkursen teilnehmen konnten.

Wohnungssuche als Glückssache?

Beim Lesen der Antworten auf unsere Anfrage erhält man schnell den Eindruck, dass die Wohnungssuche auch immer eine Glückssache ist. Während die meisten unzählige Anfragen abschicken, haben manche auch einfach Glück bei der Suche. So schrieb uns Johanna aus Schwerin, dass sie nach dem Abschicken von ca 20-30 Anfragen in einer knappen Woche nur eine WG besichtigt habe und jetzt in einer 2er-Mädchen-WG wohne. Nach ihrer Meinung liegt es daran, dass sie direkt nach ihrer Zulassung Anfang August gesucht hat. Auch bei Philipp aus Karlsruhe hat es gleich bei der ersten Wohnungsbesichtigung einer 3er-WG geklappt. Vorher hatte er über 30 Anfragen verschickt, konnte Besichtigungstermine aufgrund der Entfernung jedoch nie spontan wahrnehmen und bekam nur von einer sehr kleinen Anzahl eine Rückmeldung.

Natascha aus Aachen hatte bereits, um auf Nummer sicher zu gehen, ab Anfang August ein Zimmer in einer 2er-WG im Potsdamer Zentrum gemietet, ohne dies vorher gesehen zu haben. Mit ihrer Mitbewohnerin hatte sie nur telefoniert. Wie sich rausstellte, hatte sie dabei viel Glück gehabt, da sie jetzt in einem schönem  Zimmer in einer tollen, sehr gut angebundenen Altbauwohnung mit einer sehr netten Mitbewohnerin wohne. Eine negative Rückmeldung war nur die Antwort des Studentenwerks gewesen, da sie mit 30 Jahren nicht berechtigt sei, in einem der Studierendenwohnheime zu wohnen.

Kompriss: Erstmal zur Zwischenmiete wohnen

Was macht man aber, wenn man nach dem Abschicken vieler Anfragen und WG-Castings immer noch kein Zimmer gefunden hat? Eine Alternative ist die Zwischenmiete, so dass man erstmal ein Dach über dem Kopf hat und in Ruhe weitersuchen kann. Kauri aus der Nähe von Stuttgart kann bis Ende März in ihrem ungefähr 20m2 großen Zimmer mit Balkon wohnen, das warm und mit Internet 350€ kostet. Sie berichtet allerdings auch, dass ein maximal 8m2 großes Zimmer mit einer Dachschräge und kleinem Fenster und weiteren Einschränkungen in der Wohnung für 280€ angeboten wurde, ein Doppelzimmer pro Person sogar für 400€.

Auch Hannes aus der Nähe von Dresden hat zwar schon drei Wochen vor dem Beginn der Einführungsveranstaltungen ein Zimmer gefunden, jedoch nur vorübergehend für sechs Monate. Er zahlt für sein 15m2 großes Zimmer 280€ warm. Ebenfalls zur Zwischenmiete wohnt Meike aus Bremen für die nächsten fünf Monate in einemm 10m² großem Zimmer und einem gemeinschaftlich genutzten Wohnzimmer für 350€. Das Zimmer habe sie aber nur bekommen, weil sie dort die erste Bewerberin war. Ihre Verzweiflung bei der Wohnungssuche, die sicherlich viele Studierende im Laufe der Suche teilen, drückt sie so aus: “In meiner Not hätte ich ehrlich gesagt jedes noch so abgeranzte Zimmer genommen, einfach weil ich ja irgendwo unterkommen muss und keine Verwandte/Bekannte in Potsdam oder Berlin habe.

Neben WGs bieten auch Familien ein Zimmer zur Zwischenmiete an. Lilly kann bei einer Familie in Wilhelmshorst für das erste Semester wohnen. Das Zimmer dort habe zunächst 500€ gekostet, sie seien aber für sie noch deutlich mit dem Preis runtergegangen. Auch sie berichtet von unangemessenen Wohnungspreisen von Zimmern mit 12m2 für 350-400€ und von der Flut an Anfragen auf Wohnungsanzeigen, die daher schon sehr schnell wieder rausgenommen werden.

Notlösungen: Couch, Airbnb, Hostel…

Bild einer Protestaktion der studentischen Initiative “Unter Dach und Fach”. In einem Zelt muss in Potsdam bis jetzt Gott sei Dank noch kein_e Studierende_r wohnen. Foto: Julia Hennig

“Not macht erfinderisch”, so lautet zumindest ein Sprichwort. Auf die Wohnungssuche bezogen, könnte man eher sagen, dass die Wohnungssuche Studierende verzweifeln lässt. Gideon, der ursprünglich aus Ghana kommt und zuletzt in Groningen studiert hat, schrieb uns, dass er aktuell abwechselnd bei Freund_innen auf der Couch schlafe. Er hatte zwar am Tag der freien Vergabe versucht, eines der letzten Wohnheimszimmer zu ergattern, sei jedoch die 32. Person gewesen und habe damit keines bekommen. Auch ein weiterer Erstsemesterstudent schrieb uns, dass er erstmal auf der Couch eines Freundes in Berlin-Mitte schlafe, bis er ein eigenes Zimmer finde. Ihn stört neben den relativ wenigen Angeboten an freien Zimmern die fehlende Rückmeldung auf Anfragen am meisten.

Vivien aus Iserlohn schrieb uns, dass sie auch bei einem Hostel und der Jugendherberge nach einem freien Zimmer angefragt habe. Der Mitarbeiter der Jugendherberge habe ihr berichtet, “dass er Anrufe von ganz vielen Student_innen bekommen hat, die auf der Suche nach Zimmern sind und dort wohnen wollten für die ersten Wochen.” Emil aus Garmisch-Partenkirchen wohnt aktuell in einer airbnb-Unterkunft, ist aber immer noch zuversichtlich, auch wenn er die Ungewissenheit ein bisschen nervenaufreibend findet. Auch Aaron aus Hannover ist noch auf Wohnungssuche. Sein Fazit: “Wohnraum scheint mittlerweile rarer Luxusartikel zu sein.

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