Not the same procedure as every year

Ein etwas anderes Silvester (Foto: Pixabay)

Dieses Jahr war hart. Auf einmal war nichts mehr, wie man es kannte. Es herrschte eine neue Normalität, an die wir uns alle gewöhnen mussten. Wir waren eingeschränkt und verwirrt, wussten nicht, was gerade mit uns und unserer Welt geschah und in Zukunft passieren würde. Überall, online und offline, erschienen die neuesten Infektionszahlen, Bilder von überfüllten Krankenstationen und überall nur diese ungewohnten Worte wie “R-Wert” und “AHA-Regeln”. Wie kann man so ein Jahr an einem einzigen Abend wie Silvester hinter sich lassen? Und kann man überhaupt ausgelassen feiern, mit allem was wir in 2020 erlebt haben? Hier findet ihr ein paar Anregungen, wie ihr euch an die Kontakt-Regeln halten und trotzdem ein wenig Spaß haben könnt. Von Carla Magnanimo.

Ein entspannter Rutsch ins Jahr 2021?

2020 geht nun zu Ende. Doch wird mit dem Jahresende keineswegs das Ende von Covid-19 eingeläutet und keine_r von uns wird dieses Jahr schnell und einfach hinter sich bringen können. Unter anderen Umständen würde sich nun alle Welt auf Silvester vorbereiten: Jahresrückblicke erstellen, Partys organisieren und Raclette-Sets entstauben. Wir würden unsere Vorsätze für das neue Jahr beschließen und versuchen, das Erlebte langsam hinter uns zu lassen.

Und doch werden wir dieses Mal viele Altlasten mit in 2021 nehmen. Viele Unternehmen werden sich von den finanziellen Einbußen nicht wieder erholen können, andere haben möglicherweise Freund_innen oder Familienmitglieder verloren oder haben die Auswirkungen von Corona am eigenen Leibe erfahren. Möglicherweise haben wir verlernt, wie eine Vorlesung in einem wirklichen Unigebäude aussieht, ohne Zoom und Jogginghose. Die Vorstellung ohne Maske in eine U-Bahn einzusteigen, kommt einem_r inzwischen so absurd vor, wie es uns vor einem Jahr noch niemals in den Sinn gekommen wäre. Niemand hatte geahnt, dass die Maske zum Accessoire des Jahres 2020 und neben Handy, Schlüssel und Portemonnaie ein dauerhafter Begleiter werden würde.

Und trotz allem ein wenig Ausgelassenheit?

Wie lässt man so ein Jahr hinter sich? Kann man trotz eingeschränkter Möglichkeiten ausgelassen feiern, in Anbetracht all der Menschen, die es so schwer hatten und haben in dieser Zeit, in der unsere Gesellschaft auf eine so harte Zerreißprobe gestellt wird? Für einige wird es sicherlich anders, für andere möglicherweise genau das entspannte Silvester, was sie immer haben wollten. Irgendwie geht es natürlich immer. Und trotzdem auch mit ein bisschen Spaß und Ausgelassenheit, denn vielleicht haben wir uns gerade dies ein wenig verdient. 

Klein, aber sehr fein

Gemütliches Essen unter Freund_innen (Foto: Pixabay)

Klein ist natürlich das grundsätzliche Stichwort in diesem Jahr und das muss ja nicht unbedingt etwas Negatives sein. Vielleicht versteht man sich besonders gut mit der eigenen WG, sodass man unter sich bleiben kann oder ist in einer Beziehung und freut sich schon auf einen Silvesterabend zu zweit. Da man sein Geld ohnehin nicht für eine Party im Club, einen Wochenendtrip oder irgendein anderes Event ausgeben kann, könnte man all dieses Kapital in ein großartiges Essen stecken, dass man sich vorher gemeinsam überlegt.

Ist man nur zu zweit, mit dem oder der Partner_in oder besten Freund_in, kann man gemeinsam kochen. Feiert man zum Beispiel mit einer befreundeten WG, kann man die Gänge aufteilen und sich so gegenseitig überraschen. Hier kann natürlich alles hinzugefügt werden, von einem Signature Drink bis hin zu einem Motto oder Dresscode. Das Entscheidende ist am Ende das Zusammensein mit einer (oder ein paar) Person/en, die man am liebsten hat und mit denen man um Mitternacht mit einem Sekt und einer Wunderkerze in der Küche anstoßen kann. 

Bringt das Kino zurück!

Heimkino (Foto: Pixabay)

Was habt ihr in diesem Lockdown mit am meisten vermisst? Auf diese Frage gibt es mit Sicherheit viele verschiedene und persönliche Antworten. Aber etwas, das man sich mit wenig Stress und Anstrengung nach Hause holen kann, ist das Gefühl von Kino. Da dieses Silvester wohl ohnehin eher gemütlich als die größte Sause des Jahrhunderts wird, kann man sich auch direkt richtig zu Hause einnisten.

Ob nun auf einem großen Fernseher, über einen Beamer oder auch über den Laptop geguckt wird, Hauptsache es gibt Popcorn in allen erdenklichen Varianten. Überhaupt ist der Vorteil am Heimkino, das Übermaß an Snacks und Getränken, die man sich relativ entspannt und günstig zu Hause zubereiten kann. Das geht los bei einfachen Dingen, wie Brot mit Dip, Chips und Gummibärchen bis hin zu selbstgemachtem Flammkuchen, Würstchen im Schlafrock, Nachos mit Käse überbacken und selbstgemachter Salsa. Und was gehört irgendwie zu Silvester dazu? Genau, ein betrunkener Butler, der über einen Tigerkopf stolpert! Der perfekte Einstieg für einen langen und ausdauernden Filmabend. 

All by yourself

Entspanntes Alleinsein (Foto: Pixabay)

Wir waren in diesem Jahr deutlich öfter allein, als unter normalen Umständen. Haben uns zusammengerissen, möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen gehabt, sind nicht vor die Tür gegangen und haben versucht, uns selbst mit neuen Hobbys und Netflix-Marathons zu beschäftigen und mit FaceTime-Anrufen unser Sozialleben am Laufen zu halten.

Deswegen erscheint es vielleicht merkwürdig sich vorzustellen, auch den Silvester-Abend allein zu verbringen. Doch 2020 hat uns nicht nur im Bereich Uni, Arbeit und Soziales einiges abverlangt. Den Einfluss, den dieses Jahr auf unsere Psyche hatte, sollte man nicht unterschätzen. All die schlechten Nachrichten über die Ungewissheit, die Härte der Krankheit und die immer größer werdende Zahl der Sterbenden, mit denen man ununterbrochen konfrontiert war, haben sich tief in unser Gedächtnis gegraben und sicherlich vielen von uns Angst gemacht.

Gleichzeitig herrscht für einige gerade an Silvester ein spezieller sozialer Druck unterwegs zu sein und zu entscheiden, welche Freund_innen man sehen möchte. Diesem Druck kann in 2020 getrost ausgewichen werden und man muss sich deswegen nicht einmal schlecht fühlen. Alleine sein in 2020 hat Vorbildfunktion! Also wieso nicht auch einfach den Silvesterabend dafür nutzen, sich im Bett mit Tee oder Wein eingraben zu können und die Bücher zu lesen, die auf dem Nachttisch liegen oder diese eine Doku zu schauen, die man schon seit Monaten im Browser geöffnet hat. Oder einfach um 22 Uhr einschlafen und am 1. Januar ohne Kater aufwachen. Das klingt doch eigentlich sogar ganz verlockend.  

Digital Natives

Quelle: Pixabay
Mit Freund_innen vernetzen (Foto: Pixabay)

Für diejenigen, die es noch können, es noch aushalten, die noch nicht genug davon haben, ihre Freund_innen und Familie nur auf dem Bildschirm zu sehen, die noch ein wenig Restkraft übrig haben, um mit einem Glas Wein zu Hause zu sitzen und mit dem Laptop anzustoßen, für die bietet sich dieses Silvester die Gelegenheit, so viele Freund_innen wie möglich auf einmal zu sehen.

Für einige ist schon die Vor-Silvesterzeit stressig, da man sich bereits hier für eine Veranstaltung entscheiden und einen Freundeskreis auswählen muss, mit dem man den Abend verbringt. Im Laufe der Silvesternacht kann es dann zum regelrechten Party-Hopping kommen, wenn man sich vorgenommen hat, möglichst viele Freund_innen sehen zu wollen. In diesem Jahr müsst ihr euch nicht entscheiden! Sogar die Leute, die sich in einem anderen Teil der Welt befinden, könnt ihr euch digital in die Küche holen und vielleicht die seit langem geplante Erasmus-Reunion machen, die immer wieder vom Alltag und unterschiedlichen Plänen durchkreuzt wurde. Und das sogar umweltbewusst und ganz ohne Geld für Flugtickets auszugeben. 

Zeitmaschine

Wen dieses Jahr wirklich hart erwischt hat und wer einfach nur verdrängen möchte, dass es 2020 überhaupt gegeben hat und am liebsten nie wieder das Wort Corona hören will, hat die Möglichkeit einfach ein paar Jahre in der Zeit zurückzuspulen. Denn wie heißt es so schön: Silvester ist das, was man draus macht. Einfach mit der ausgewählten Gruppe Menschen, mit denen man zusammen ist (oder alleine) eine Playlist aus dem Wunschjahr anmachen und so tun, als würde man beispielsweise gerade von 2017 in 2018 rutschen. Oder vielleicht geht man sogar zurück bis in die 90er?

2020 liegt in weiter Ferne und kann noch alles werden. Corona? Nie gehört! Einfach Ed Sheeran oder die No Angels, die ja nun glücklicherweise auf Spotify vertreten sind (!), in Dauerschleife hören. Und was war nochmal der Blockbuster aus 2017, den man unbedingt gesehen haben muss? Oder gab es vielleicht ein lustiges Partyspiel aus dem Jahr, in dem man geboren wurde? Die Möglichkeiten hier sind endlos.

Wer dafür sorgen möchte, dass das meistgenannte Wort in diesem Jahr unter keinen Umständen aufkommt, kann natürlich noch einen Schritt weiter gehen und entsprechende Strafen verhängen. Und nach dem dritten Straf-Shot möchte vielleicht auch niemand mehr an Corona denken und einfach für eine Nacht alles vergessen. 

Und wie geht es nun weiter?

Neues Jahr, neues Glück? (Foto: Pixabay)

Sicher ist: Dieses Silvester wird anders. Nicht zwangsläufig schlechter oder besser, aber nicht wie in den Jahren zuvor. Wie so viele Dinge in 2020. Wichtig ist nur zu versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. 2021 wird kommen, Corona wird uns, trotz Impfstoff, begleiten und es wird immer wieder zu neuartigen Situationen kommen. Doch vielleicht sind wir inzwischen ganz gut darin uns anzupassen und zu improvisieren. Und wer weiß, was 2021 alles für uns bereit hält. 

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