Eine neue Stelle im AStA- ein Interview mit dem neuen Netzpolitik- und Digitalisierungsreferenten

Pascal Kienast ist neu gewählter Referent für Netzpolitik und Digitalisierung (Foto: Pascal Kienast)

Vor wenigen Wochen konnte die Website der speakUP mehrere Tage nicht genutzt werden. Händeringend suchte die damalige Chefredakteurin nach Hilfe. Pascal Kienast kam damals zur Rettung; seit Dezember ist er auch neu gewählter Referent für Netzpolitik und Digitalisierung im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Wer er ist und was seine Arbeit umfasst, das durfte die speakUP in einem Interview mit ihm erfahren. Von Lea Hauprich.

 

Magst du dich einfach mal kurz vorstellen?

Ja, gerne. Ich bin Pascal Kienast, 21 Jahre alt und studiere aktuell im fünften Semester Wirtschaftsinformatik im Bachelor. Seit dem 09. Dezember 2020 bin ich gewählter Referent im AStA für Netzpolitik und Digitalisierung. Was an sich relativ spannend ist, da es im Vergleich zu vielen Studierendenschaften anderer Universitäten in Deutschland doch eine etwas ungewöhnliche Stelle ist, die innerhalb eines AStAs geschaffen wurde. Aber wenn man sich einfach mal umschaut – auch im Kontext mit der Corona-Pandemie – wird ja alles mehr und mehr ins Internet übertragen. So viele große gesellschaftliche Themen stehen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und dem Internet, so dass das Studierendenparlament sich entschieden hat, diese Stelle zu schaffen, die jetzt mit mir besetzt wurde, und ich so mit vielen spannenden Aufgaben betraut bin:  Sei es mit internen Themen, u.a. Verbesserung der Infrastruktur innerhalb des AStAs, z.B. dass Anträge digitalisiert werden können oder auch große gesellschaftliche Themen, zum Beispiel die Frage, wie wir mit Verschlüsselungen umgehen wollen, sowie der Abhängigkeit zu amerikanischen Tech-Konzernen bis hin zur digitalen Lehre. Ja, ein Strauß an vielen Themen…

Du hast jetzt schon einige Aufgaben benannt. Ist es denn möglich, diese Aufgaben zu konkretisieren?

Das ist genau das Spannende, weil es eine Stelle ist, die sehr ungewöhnlich und neuartig ist. In einem Pressereferat oder in anderen Referaten z.B. sind die Strukturen, was die tagesgeschäftlichen Aufgaben betrifft, relativ klar. Was ich aber auch schon vergleichsweise schnell erlebe, ist, dass man sich mit den verschiedenen IT-Administrator:innen, die wir im AStA haben, und allgemein, wenn es um die IT-Infrastruktur geht oder um neue Funktionalitäten der Webseiten, schnell vernetzt. Ja, auch bei prozessualen Dingen, wo ich sagen würde, dass man auch viel im AStA verbessern kann, wirke ich intensiv mit.

Ein anderer Punkt ist natürlich auch, die Studierendenschaft zu unterstützen und ihre Interessen zu vertreten. Sei es bei Initiativen, oder einzelnen Studies bei technischen Problemen zu helfen, oder bei technischen Fragestellungen zu unterstützen. Schönes Beispiel ist ja auch die speakUP. Das ist ja auch schon eine witzige Geschichte, wie es zu diesem Interview gekommen ist.

Die speakUP hatte Schwierigkeiten mit der Website und suchte händeringend nach jemandem, der uns helfen kann.  Dein WG- Mitbewohner hat für uns den Kontakt hergestellt.

Das war genau in dem Zeitraum, nachdem ich mich auf die Ausschreibung des AStA beworben hatte. Kurz vor der Wahl kam dann die damalige Chefredakteurin Christina Kortz auf mich zu und teilte mir mit, ihr hättet da ein ziemlich großes Problem, die gesamte Website funktioniere nicht. In diesem Kontext habe ich dann auch viele spannende Dinge herausgefunden, weil es am Anfang nicht klar war, dass die speakUP komplett die IT Leistung des AStAs nutzt. Die speakUp und auch viele andere studentische Initiativen nutzen ein Angebot des AStAs, nämlich den sogenannten Studiserver. Das ist ein Server, der physisch im Raum des AStAs steht, wo Studierenden-Initiativen oder Studierende ihre Websites hosten können oder auch andere Online-Tools.

Nachdem wir das herausgefunden haben, sind wir auf die IT Administratorin innerhalb des AStAs zugegangen und konnten dann gemeinsam das Problem lösen. Das Problem, um nochmals darauf einzugehen, war, dass ja leider diese Stelle eines:r Netzpolitiker:in/Digitalisierungs-Referent:in nicht besetzt war und deshalb auch häufig diese ganze strategische Ausrichtung und vieles von der IT immer so ein bisschen wie im Winterschlaf war und leider die Server relativ veraltet sind. Die speakUP hat auf der Website Tools verwendet, die nicht auf dem Server laufen. Das haben wir dann einfach rückgängig gemacht. Genau diese Themen möchte ich angehen, dass man halt dieses Angebot des Studiservers technisch erneuert, damit es auch der breiten Studierendenschaft bekannt wird, dass es so ein Angebot gibt – was ziemlich cool ist, weil so was teilweise ordentlich Geld kostet.

Du hast vorher schon Erfahrung in diesem Bereich gesammelt und warst bei UniClever. Wie kamst du dazu, dich sozial an der Universität Potsdam zu engagieren?

Auf jeden Fall hat es mich schon immer gereizt, dass ich gerne wirklich etwas Positives für die Studierendenschaft ermöglichen will. Das habe ich bereits im Rahmen von UniClever getan, wo das große Thema Berufsorientierung ist und wie man vielleicht auch die ganzen theoretischen Aspekte des Studiums mit etwas Praktischen verbinden kann. Da ist mir aufgefallen, dass es mir einfach Spaß macht, zu helfen, und einen Impact zu erzeugen.

Da kommt man natürlich immer wieder mit dem AStA, mit der Hochschulpolitik von außen in Berührung. Es war immer so, man konnte da nie so richtig rein blicken. Das ist auch eine Kritik, die von vielen geäußert wird, dass die gesamte Hochschulpolitik leider manchmal für die Studierendenschaft intransparent wirkt.

Bei der letzten Wahlbeteiligung, die – wie immer – niedrig war, habe ich dann vorher in dem großen Mail-Verteiler die Ausschreibung für die einzelnen Referate gesehen und einfach gesagt, Okay, ich wage es mal und bewerbe mich. Es ist ja auch bei vielen anderen Personen, die ins AStA gehen, so, dass sie da schon innerhalb des Studierendenparlamentes viele Kontakte haben.

Bei mir ist das überhaupt nicht der Fall, da bin ich auch so ein kleiner Sonderling. Ich habe wirklich einfach initiativ eine lange Bewerbung geschrieben und das fand die Mehrheit spannend, hat mich eingeladen und am Ende wurde ich gewählt. Jetzt kann ich auch nochmal deutlich intensiver die gesamte Studierendenschaft unterstützen und hoffentlich das Studium und allgemein viele Dinge, insbesondere in diesen herausfordernden Zeiten, verbessern.

Wie viel Zeit investierst du in deine Arbeit? Hast du bestimmte Vorgaben oder ein Zeitpensum, das du dir selber setzt?

Pascal Kienast mit dem Studiserver. (Foto: Pascal Kienast)

Ja, das ist eine ziemlich spannende Frage, weil das häufig auch zu einigen Konflikten führen kann. Denn innerhalb des AStAs ist es nicht genau gesetzt und am Ende ist es die Entscheidung eines:r Referent:in. Es ist komplett ehrenamtlich. Zwar gibt eine Aufwandsentschädigung, aber wie viel Zeit man investiert, ist jedem:r selbst überlassen.

Da ich es wirklich mit Herzblut mache, achte ich eigentlich nicht wirklich auf die Zeit. Allein durch die ganzen Sitzungen, die man hat und die vielen Vernetzungstreffen, kommt man pro Woche schon auf 10 Stunden. Es kann also sehr zeitintensiv sein, besonders wenn dann die referatsspezifische Arbeit hinzukommt.

Ich arbeite nebenbei noch, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Daher kann ich jetzt auch nicht unendlich viel Zeit investieren. Das wäre ja auch irgendwie verrückt, sich durch so eine Position am Ende zu überarbeiten.  Aber klar ist es anspruchsvoll und deshalb hoffe ich wirklich, da viel Positives zu bewirken, einfach, damit sich diese ganzen Anstrengungen auch auszahlen. Im Regelfall sage ich mal, sind es so 15 Stunden die Woche und wenn man mehr will, ist auch immer mehr möglich.

Wo siehst du denn im Moment die größte Notwendigkeit? Wo wirst du am meisten gebraucht?

Das Thema Digitalisierung ist bisher so vom AStA überhaupt nicht groß angegangen worden. Daher merke ich, dass es eigentlich überall brennt.  Es gibt so viele Themen, die angegangen werden müssen und rein von der Priorisierung würde ich natürlich sagen, dass ein ganz großes Thema Online-Klausuren ist.

Es gibt sehr viele Anfragen von Studierenden zum Thema, dass es in der aktuellen wirklich sehr dramatischen Situation eigentlich komplett unverantwortlich ist, zum Beispiel Präsenz-Klausuren durchzuführen. Zu diesem Thema gibt es viele Aspekte zu beachten, insbesondere den Datenschutz. Da kann es wirklich sehr tief ins Detail gehen. Es gibt Tools wie Exam.UP, aber teilweise werden auch mündliche Prüfung über Zoom gemacht, da gibt es ja ganz viele unterschiedliche Varianten. Dass man in dieses Thema auch noch mal technische Expertise und diese ganzen Aspekte mit einfließen lässt, das ist aktuell ein ziemlich großes Thema.

Zum anderen auch das große Thema Digitalisierung – sei es innerhalb des AStAs, dass sehr viele Dinge halt einfach noch komplett „auf Papier“ laufen, die man eigentlich längst auch digital machen könnte oder auch innerhalb der Uni Verwaltung, dass da auch ganz viel noch analog läuft. Da versuche ich auch der Uni-Leitung „auf den Zahn zu fühlen“ und deutlich zu machen, dass da vieles verbessert werden kann.

Hast du ein bestimmtes Ziel, das du unbedingt erreichen möchtest?

Da kann ich ganz klar sagen, dass ich dieses große Thema, nämlich die Gremien der Studierendenschaft, insbesondere der AStA, deutlich sichtbarer machen möchte. Ich glaube, dass es wichtig wäre, eine größere Transparanz zu schaffen. Das ist ein Konflikt der sehr lange besteht und am Ende passieren da so viele Dinge, von denen der Großteil der Studierendenschaft einfach nichts mitbekommt.

Oder aber sei es im Digitalen, zum Beispiel moderne Antragsformulare, wenn es um initiative Beantragung von Fördermitteln geht oder auch die ganzen internen Protokolle oder die Website allgemein. Denn die Website sieht jetzt auch nicht so schön aus, da gibt es so viele Dinge, die verbessert werden können. Um es in einem Satz zu beschreiben, die Sichtbarkeit des AStA auch im Digitalen zu erhöhen.

Was sind denn deine Erfahrungen bisher?  Es gibt ja schon viele Anfragen von Studierenden bezüglich Online-Klausuren. Wie hast du das jetzt so erlebt?

Ich muss sagen, dass diese knapp viereinhalb Wochen sehr lehrreich waren. Zum einen, diese zentrale Wichtigkeit des AStAs, dass viele Studierende sich an uns wenden in der Hoffnung, dass wir für sie da sind. Was mich wirklich positiv überrascht, dass an unsere zentrale E-Mail Adresse sehr häufig wirklich aus vielerlei unterschiedlichen Perspektiven E-Mails eintrudelten. Das vermittelt ein sehr gutes Gefühl, wirklich viel helfen zu können.

Dann natürlich auch die negative Seite: Wenn man vielleicht diesen anderen speakUP-Artikel über die AStA Wahl liest, das leider aktuell, insbesondere im Studierendenparlament, vieles nicht produktiv läuft. Dass sich aktuell vieles um Probleme dreht, die eigentlich verhinderbar wären und wo wirklich viel Porzellan zerschlagen worden ist. Ich hoffe, dass man in Zukunft mehr miteinander redet, die vergangenen Geschehnisse hinter sich lässt und ein neues Kapitel anfängt. Da will ich auch ungern näher darauf eingehen, weil es halt wirklich ein Thema ist, das auch zusätzlich zu der normalen Zeit, die man als Referent:in verbringt, sehr belastend und beanspruchend ist.

Konntest du denn jetzt bei deiner Arbeit schon was für dich mitnehmen?

Ja, auf jeden Fall. Was ich mitnehme, ist, dass es innerhalb des AStA doch wichtig ist, sich gut kennenzulernen, weil ich ja auch etwas später in den AStA gewählt wurde als einige andere. Da habe ich nochmal deutlich gemerkt, dass auch ein intensiver Austausch total wichtig ist und dass es auch hilft, Sitzungen produktiver zu gestalten.

Wie denkst du, sieht die Zukunft im IT-Bereich der Universität Potsdam aus? Was kommt da auf uns Studierende zu?

Auf jeden Fall ist das auch ein spannendes Thema, was ich auch in meiner Bewerbung damals angesprochen habe. Dieser große Aspekt der digitalen Souveränität. Wenn man sich einfach mal anschaut, wie die Vorgaben vom Bildungsministerium des Landes gegenüber den Schulen sind, also welche Anforderungen da zum Beispiel gestellt werden. Welche Tools genutzt werden dürfen und welche Tools nicht genutzt werden dürfen. Wie das in Relation zum Wissenschaftsministerium steht. Da ist eine erstaunliche Diskrepanz.

Das Bildungsministerium verbietet zum Beispiel den Einsatz von Microsoft Teams und Zoom und pocht sehr intensiv darauf, Tools zu nutzen, die Open Source sind und sehr datensparsam. Nach meiner persönlichen Sichtweise ist das eine sehr vernünftige Einstellung, da es sich ja auch um „Schutzbefohlene“ handelt. Aber wenn man auf der anderen Seite die Einstellung des Wissenschaftsministeriums sieht, das einfach keine Vorgaben macht und den Eindruck gewinnen lässt, dass für Studierende der Umgang mit Datenschutz keine Frage darstellt.

Ich denke, dass dies der Punkt ist, wo es auch viele Diskussionen geben wird und dass auch am Ende eine große Reflexion innerhalb der Uni-Verwaltung gibt, vielleicht auch im Ministerium, wie man am Ende hier besser agieren kann. Es kann einfach nicht sein, dass so was Zentrales wie Wissenschaft und Forschung sich so sehr abhängig macht von Servern in der USA und teilweise wirklich sehr schlecht abgesicherten Diensten. Das ist etwas, wo ich auch hoffe, innerhalb meiner Amtszeit ein Umdenken anzuregen

Gibt es von deiner Seite aus noch etwas, dass du gerne erzählen möchtest?

Ich freue mich auf jeden Fall, als Referent für Netzpolitik und Digitalisierung auch in Zukunft die speakUP zu unterstützen, wenn es mal wieder die Probleme gibt, um hier nochmal auf die kleine Anekdote einzugehen. Auf der anderen Seite die Bitte an die Studierenden, mich gerne zu kontaktieren, egal worum es geht, sobald es mit irgendetwas „Technischem“ zu tun hat. Auf der AStA-Website findet man die Kontaktdaten. Bitte mich per E-Mail anschreiben (pkienast@astaup.de). In Zukunft wird die Website auch neu gemacht. Dann hoffe ich, dass dieser speakUP-Artikel da vielleicht den ein oder anderen nochmal drauf aufmerksam macht.

Wir hoffen natürlich erstmal, dass es jetzt nicht mehr so schnell zum Zusammenbruch unserer Seite kommt, aber natürlich sind wir froh, dass wir Hilfe bekommen.

Das ist am Ende meine Aufgabe, deshalb liebend gern.

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