Vom Drehort zum Sehort: Film Mephisto in der Uni

Hauptgebäude des Campus Griebnitzsee. Foto: Julia Hennig

Das Hauptgebäude des Campus Griebnitzsee hat im Laufe seiner Geschichte schon mehrere Funktionen durchlaufen. Nachdem es zwischen 1939 und 1943 errichtet worden war, diente es zunächst als Präsidialgebäude des Deutschen Roten Kreuzes. Diese nationalsozialistische Bauweise wurde für den Film “Mephisto” genutzt, der auch im Hauptgebäude gedreht wurde. Am 15. Dezember wird der Film im Rahmen der Reihe “Hinter den Kulissen” am Drehort gezeigt. Von Julia Hennig.

Der Film Mephisto wurde im Jahre 1980 innerhalb von nur dreieinhalb Monaten unter der Regie von István Szabó gedreht. Vielen ist jedoch nicht bekannt, dass neben Budapest, Paris und Berlin auch einige Szenen im Hauptgebäude des Campus Griebnitzsee gedreht wurden. Der Film selbst wurde nach Motiven des Romans von Klaus Mann aus dem Jahre 1936 gedreht. Er bekam unter anderem bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 1981 den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der internationalen Filmkritik sowie ein Jahr später den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Die Unfreiheit der Kunst in einem autoritären Staat

Der Film thematisiert am Beispiel der Künstler_innen das Verhalten der Bürger_innen in einem autoritären Staat. Im Mittelpunkt des Films steht der berufliche Aufstieg des Theaterschauspielers Hendrik Höfgen, der im Film von Klaus Maria Brandauer gespielt wird. Höfgens Karriere beginnt am Hamburger Künstlertheater, wo er ein revolutionäres Theater für die Arbeiter_innen aufführen möchte. In dieser Zeit, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, steht Höfgen diesen ablehnend gegenüber. Jedoch wird schon hier sein starker beruflicher Ehrgeiz deutlich, der ihn an das Preußische Staatstheater in Berlin drängt. Dort debütiert er in der Saison 1932/33 in seiner Rolle als Mephisto, mit der als Schauspieler in Berlin bekannt wird. Währenddessen hört er zwar die Warnungen seiner Kollegen, die vor den Nationalsozialisten emigrieren wollen, beachtet diese aber nicht und bleibt in Deutschland. Auch nach einem Filmdreh in Budapest kehrt er trotz der gewonnenen Wahl der Nationalsozialisten im Jahre 1933 auf Fürsprache einer Kollegin nach Berlin zurück.

Anpassung an das Regime

Eingangshalle des Hauptgebäudes. Foto: Julia Hennig

Nach seiner Rückkehr darf Höfgen auf sein Drängen erneut den Mephisto spielen und gewinnt mit seiner Darstellung die Gunst des Ministerpräsidenten. Daraufhin tritt er bei einem Treffen mit ausländischen Journalisten sowie bei einer Ausstellung von Skulpturen “deutscher Werke”auf. Beide Szenen wurden in der Eingangshalle des Hauptgebäudes gedreht, das seit 1952 Sitz der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR war. Dadurch kam es zu der bizarren Situation, dass während des Drehs in einem Rechtsgebäude der DDR kurz die Zeit des Nationalsozialismus wiederauferstand.

Wo bekommt ihr mehr Informationen zum Film “Mephisto”?

Am besten kommt ihr am 15. Dezember um 18 Uhr zur Filmvorführung im Hörsaal H10, Haus 1. Vor dem Film gibt es eine kurze Einführung durch Anna Luise Kiss, Medienwissenschaftlerin an der Filmuniversität Babelsberg “Konrad Wolf” und Schauspielerin. Der Eintritt ist frei, um eine telefonische Anmeldung unter der Rufnummer 0331 289-2016 bis zum 14. Dezember wird gebeten.

 

 

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