Fußball als Konfliktlösung: Die Eröffnung des Jüdischen Filmfestivals 2016 in Potsdam

Bei der Festivaleröffnung fanden sich einige Prominente auf dem ausnahmsweise grünen Teppich blicken, zum Beispiel Schauspieler und Regisseur Detlev Buck (mittig). (Foto: Screenshot Potsdam TV)
Bei der Festivaleröffnung fanden sich einige Prominente auf dem ausnahmsweise grünen Teppich wieder, zum Beispiel Schauspieler und Regisseur Detlev Buck (mittig). (Foto: Screenshot Potsdam TV)

„Knallbunt, viel Chuzpe, extrem Jüdisch!“: Unter diesem Motto wurde am 4. Juni das 22. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg (JFBB) im Potsdamer Hans Otto Theater eröffnet. Voller Humor, mit einer großen Portion Lebensfreude und auf gleichwohl nachdenkliche Art und Weise führten Moderator Knut Elstermann und verschiedene prominente Gäste durch den Abend. Von Leonie Below.

Dabei war es zu Anfang des Jahres noch gar nicht sicher, ob die 22. Ausgabe des Jüdischen Filmfestivals überhaupt stattfinden könne. Denn der Hauptstadtkulturfonds beendete plötzlich seine langjährige Unterstützung, sodass das Festival die Hälfte seiner Fördermittel verlor. Zum Glück sprang das Auswärtige Amt kurzfristig als Förderpartner ein und ermöglichte dem Festival doch noch seinen Start in gewohnter Größe. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das JFBB das größte Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland und damit das wichtigste kulturelle Event seiner Art.

Film als Mittel der Völkerverständigung

„Es scheint, als verliere man das Interesse am Festival, je mehr die Vergangenheit in die Ferne rückt. Dabei ist das Jüdische Filmfestival in einer Zeit, in der Rassismus so offen zur Schau getragen wird, wichtiger denn je“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke in seiner Eröffnungsrede.

Plakat des 22. JFBB
Plakat des 22. JFBB

Auch Berlins Bürgermeister Michael Müller betonte die Wichtigkeit des Festivals. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir mittlerweile sagen können, jüdisches Leben gehöre zu unserem Leben dazu“, so Müller. Festivalpate und Schauspieler Benjamin Sadler rief dazu auf, in Bezug auf das Judentum nicht immer nur an die Vergangenheit zu denken, sondern den Fokus auf die Lebenden zu richten. Er sehe die Kraft des Jüdischen Filmfestivals darin, dass es Grundlagen für kulturelle Toleranz und Diplomatie schaffe.

Kicken für den Frieden

Dass Film und Politik durchaus miteinander verbunden werden können, zeigt auch der Eröffnungsfilm „90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden“. In der Mockumentary, einer fiktiven Doku-Satire, soll das Schicksal des Landes bei einem Fußballspiel entschieden werden. Die israelische Nationalmannschaft und das palästinensische Team treten gegeneinander an, um in 90 Minuten auf dem Rasen zu klären, was in jahrelangen Auseinandersetzungen nicht gelöst werden konnte. Der Gewinner bekommt das Land, der Verlierer muss von dannen ziehen.

Klingt absurd – ist es irgendwie auch. Doch gerade das macht den Reiz der Politsatire von Regisseur Eyal Halfon aus. Vor der Kamera des fiktiven Filmteams bekommt jeder sein Fett weg: Israelis und Palästinenser_innen ebenso wie ahnungslose Europäer_innen und der internationale Fußballverband. Auf urkomische und gleichzeitig zum Nachdenken anregende Weise beleuchtet der Film mit dem deutsch-israelischen Schauspielerteam Norman Issa, Moshe Ivgy und Detlev Buck den Nahostkonflikt mal aus einer ganz anderen Perspektive.

Von Hummus und Falafel

Die Mockumentary ist nur einer von 40 Filmen, für die es sich lohnt, das Jüdische Filmfestival zu besuchen. Weitere Highlights des bunten Programms sind der Dokumentarfilm „Hummus! The Movie“ und die Militärsatire „Atomic Falafel“. Noch bis 19. Juni könnt ihr überall in Berlin und Brandenburg eine tolle Auswahl an jüdischen Filmen sehen. In Potsdam findet das Festival Thalia Kino sowie im Filmmuseum statt. Mehr Infos zum Programm findet ihr hier: http://www.jfbb.de/de/programm-tages-uebersicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.