Unser UNIversum – Folge 8: Das Glücksspiel mit der Wohnung

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Was passiert hinter geschlossenen WG-Türen? (Foto: Fabian Lamster)

Der Wohnraum in Berlin und Potsdam ist bei vielen Studierenden begehrt. Da muss man manchmal sich schon länger auf die Suche begeben und ein kleines bisschen Glück haben, um schöne vier Wände zu finden. Ob nun im Student_innenwohnheim oder in einer WG: Man muss sich auch auf ein gutes Zusammenspiel mit den Mitbewohner_innen einlassen. Eine Kolumne von Eileen Schüler.

Die Wohnungssuche ist wie ein Glücksspiel. Man betritt verschiedene Onlineportale, die wie die Räume in einem Casino erscheinen. Darunter sucht man sich den besten Spieltisch, also die beste Wohnungssuchmaschine heraus. Man schreibt oder ruft die/den potentielle_n Zimmervermieter_in an und stellt sich am besten dar, vielleicht blufft man auch, um bessere Chancen unter den vielen Mitspieler_innen zu haben und gespannt auf den Hauptgewinn zu warten.

Nach kurzer Zeit legt die/der Vermieter_in die Karten auf den Tisch. Die Wahrscheinlichkeit, die hübsche Wohnung als Hauptgewinn zu bekommen, stehen 50 zu 50. Hast du die Wohnung bekommen oder musst du dein Glück neu versuchen?

Neues Spiel, neues Glück

Ich bin gerade wieder auf Wohnungssuche, jedoch nicht in Berlin oder Potsdam, sondern in Sevilla (Spanien), denn ich werde für ein Jahr dort wohnen und studieren. Die Karten werden also wieder neu gemischt. Seit zwei Jahren lebe ich nun in Potsdam. Damals bin ich mit einer langjährigen Freundin zusammen gezogen, um ein angenehmes WG-Leben zu haben. So hatte ich gehofft.

Aus Freundinnen wurden allerdings Feindinnen und die Vorstellung des gemütlichen Zusammenlebens  in einer wunderschönen Altbau-Wohnung verblasste. Nettes Plaudern am Küchentisch, durchtanzte Nächte und gemeinsame Erlebnisse wichen unangenehmen Schweigen und Türen schmeißen. Jetzt werden wir bald beide ins Ausland gehen und unsere Wege sich vielleicht für immer trennen.

Die Karten werden neu verteilt

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Wie hoch pokern wir bei der Wohnungssuche? (Foto: Michał Parzuchowski)

Eine neue Runde beginnt. Neue Mitspieler_innen bewerben sich auf meine Anzeige bei wg-gesucht.de. Sie beäugen den tollen Hauptgewinn und warten gespannt auf meine Zusage. Einen Donnerstagnachmittag hatte ich einen Besichtigungstermin angesetzt. Eine junge Frau, mit der ich ein nettes Telefonat führte, sagte aus gesundheitlichen Gründen ab.

Nun ging ich meine Bewerberliste durch und fragte, wer spontan Zeit hätte. Eine 24-jährige Masterstudentin der Uni Potsdam hatte dann plötzlich Zeit. Wir verstanden uns auf anhieb, sie war begeistert von der Wohnung und wir gingen zum Kennenlernen noch etwas trinken.

Ein wichtiges Kriterium war für mich, dass man keine Zweck-WG führen möchte. Denn im September wird eine Freundin aus Valencia von ihrem Auslandssemester wiederkehren, die in das Zimmer von meiner jetzigen Mitbewohnerin zieht. Aus diesem Grund wollte ich besonders darauf achten, dass sie eine sympathische Mitbewohnerin bekommt. Nach kurzer Zeit stand es für mich fest: Die freundliche Studentin passt gut in mein Zimmer.

Sich an die Spielregeln halten

Natürlich ist es nicht einfach, mit Menschen zusammenzuleben, die vielleicht unterschiedliche Lebensstile pflegen. Jedoch muss man Kompromisse finden, damit jede_r die Möglichkeit hat, sich in seinen eigenen vier Wänden wohlzufühlen. Meine Freundin, die gerade in Valencia lebt, wohnt mit vier Mitbewohnerinnen zusammen. Da die Wände in Spanien generell sehr dünn sind, kann man fast jedes Wort von den anderen Personen verstehen. Das kann natürlich nervig sein, aber man toleriert es.

Allerdings kann es nicht sein, dass man die Mitbewohner_in durch seine Spielregeln in deren Lebensgewohnheiten einschränkt. Denn angeblich störe ich meine Mitbewohnerin durch Musik hören oder einen Film schauen bei normaler Zimmerlautstärke. Ich besitze keine Lautsprecher oder drehe den Bass auch nicht besonders auf. Neulich hat sie mir dann vorgeschlagen, ich solle mit Kopfhörern meine Musik hören. Da fragte ich mich dann selbst, wozu ich Miete zahle, wenn ich mich so einschränken soll?

Die Karten auf den Tisch!

Wenn man eine WG gründet oder in eine einzieht, setzt man alles auf eine Karte, denn der erste Eindruck zählt. Man weiß jedoch nicht, ob man im Alltag gut harmoniert. Wir alle müssen im Glücksspiel ein Risiko eingehen. Dem einen Mieter ist es wichtig, dass er nur eine bezahlbare Wohnung in Berlin oder Potsdam hat. Die nächste Mieterin findet eine Heizung z.B. im spanischen Wohnraum nicht lebensnotwendig, dafür hat sie aber liebe Mitbewohner_innen.

Letztendlich sucht ihr euch aus, was oder mit wem es euch gefällt. Schaut jedoch euren Mitspieler_innen gut genug in die Karten, damit ihr WG-Streitereien, starken Einschränkungen in euren Lebensgewohnheiten oder ähnlichem Unglück entgeht. Denn was gibt es Schöneres, als mit den Mitbewohner_innen ein schönes Studentenleben in fröhlicher Atmosphäre zu führen? Doch diese Vorstellung gibt es oft eben nur im Film.

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