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campusKULTUR — 08 Oktober 2014
(Foto: Henri Fronier - Fotolia)

(Foto: Henri Fronier – Fotolia)

Potsdam ist eine bunte und aktive Stadt, die es zu entdecken gilt. Dabei wird allerdings zu oft nur auf die „Hochkultur“ und den Tourismus geschaut. Sicher, die Parkanlagen und Schlösser sind sehenswert und auch für Studis erschwinglich. Aber in Potsdam geht es auch um Mitgestaltung. Wie soll die Stadt aussehen? Wie kann man aktiv werden? Und vor allem wo? Von Angelina Schüler.

Potsdam bietet zahlreiche kleine Vereine, unzählige Aktive und Unmengen an Potential – man muss die freie Szene nur finden. Für unser diesjähriges Ersti-Special begab sich die speakUP auf die Suche nach alternativer Kultur in all ihren Facetten und sprach mit Vertreter_innen der Initiativen darüber, auf welche vielfältige Weise in Potsdam von jedem Kultur gemacht werden kann und was besser laufen könnte.

Lindenpark: Soziokultur in Babelsberg
Das Areal des Lindenparks umfasst 6.500 Quadratmeter und bietet somit viel Platz für eure Ideen. Zusammen mit dem offenen Kinder- und Jugendhaus „j.w.d.“ verwaltet der Lindenpark die verschiedensten interaktiven Angebote aus den Bereichen Musik und Konzerte, Funsport, Theater, Comedy, Veranstaltungen, Ferienprogramme und Eltern-Kind-Angebote. Hier soll Kultur für alle angeboten werden – egal, ob der Skatepark oder die überdachte Skatehalle, der Salon oder die Open-Air-Bühne, die Proberäume oder die Spielplätze genutzt werden. Für Juliane Riedel vom Lindenpark gehe es nicht um Profit und große Veranstaltungen. Auch Kultur für kleine Gruppen sei wichtig. Ebenso die Einbindung von ausländischen Mitbürger_innen und niedrigschwellige bis kostenlose Angebote für Familien, Geringverdiener_innen oder sozial Benachteiligte sind im Konzept des Lindenparks berücksichtigt. Wie viele offene Kulturinstitutionen leidet der Lindenpark unter der zum Teil begrenzten Verlässlichkeit von Förderungen durch die Kulturpolitik. Trotzdem will der Lindenpark sein Angebot so vielfältig wie möglich beibehalten. Eine Möglichkeit, den Kulturabbau zu stoppen, sieht Juliane in der Schaffung von Kulturpatenschaften: Große Initiativen stiften Patenschaften für kleinere kulturelle Projekte und bringen den Aktiven das nötige Handwerkszeug bei. Außerdem sollten sich alle Aktiven in Potsdam vernetzen und zusammenschließen (wie jetzt mit der Kulturlobby passiert).
Stahnsdorfer Straße 76-78
lindenpark.de

KuZe: die studentische Initiative
Von Studierenden der Uni Potsdam in der Innenstadt ins Leben gerufen, versteht sich das KuZe als Ort, an dem man viel Kultur erleben kann (Theater, Workshops, Seminare, bildende Kunst, Musik und auch Barkultur), aber auch selbst produziert. Das offene System des KuZe wird von vielen Gruppen gern genutzt. Dabei beruht alles auf Gegenseitigkeit: Wer im KuZe mit einem Projekt aktiv wird, bringt sich auch für das ganze Zentrum ein. Bühne, Seminarraum, Proberaum, eine Siebdruckwerkstatt und Büroflächen stehen hier zur Verfügung. Wer sich also politisch engagieren möchte, mal bei einem Impro-Theater reinschnuppern will oder doch eher in die technische Richtung strebt, findet hier Ansprechpartner_innen und Profis, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ausschlaggebend für die Motivation von Sören Boller und Sabine Finzelberg, die im KuZe beschäftigt sind, sind nicht nur ihre Arbeitsverträge, sondern die Initiative an sich. Die Möglichkeiten, die man auf dem Gelände und mit den Leuten habe, seien zahlreich und bunt: „Für jeden ist das KuZe etwas anderes. Und für jeden ist etwas dabei!“ Das Selbstverständnis, eine Schnittstelle zwischen niedrigschwelligen Kulturangeboten und Hochkultur zu sein, entstehe auch aufgrund der fehlenden Angebote innerhalb Potsdams. Da das KuZe vom AStA sowie durch einen Sonderbeitrag direkt von den Studierenden genauso wie vom Studentenwerk Potsdam gefördert wird, ist es nicht unmittelbar vom Kulturabbau betroffen. Der Bedarf an freien Räumen für Künstler_innen und Aktive in der Stadt ist groß, ein Zeichen von Seiten der Politik würde vieles vereinfachen. Die Schaffung von Räumen und Förderung von Projekten liege auch in der Hand der Stadtverwaltung. Das KuZe wünscht sich weiterhin aktive Teilnehmende, die sich für die Stadt und die Kultur engagieren.
Hermann-Elflein-Straße 10
kuze-potsdam.de

clubMitte: Jugendclub und Kulturort
Auf dem Freilandgelände – welches neben dem clubMitte und der Kulturlobby auch andere freie Kulturinitiativen beherbergt – kann man schon von Weitem die freien Graffiti-Wände sehen. Eine Möglichkeit, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber auch Konzerte, Workshops und andere Veranstaltungen können im Programm gefunden werden. Der clubMitte arbeitet vorwiegend projektbezogen. Besonders junge Bands seien hier willkommen: „Vom Proberaum direkt zum Auftritt!“ lautet das Motto. Das Profil setzt auch auf Street Art und will das medienpädagogische Angebot in der nächsten Zeit verstärken. Der eigene Radiosender clubFunk wird bald nicht mehr nur über Internet empfangbar sein. Wer sich schon immer hinter einem Mikrofon gesehen hat, kann hier die ersten Erfahrungen als Moderator_in sammeln. Ein großes Geo-Caching-Projekt steht auch schon in den Startlöchern. Auch kleine Projekte können durch die Kooperation mit der Stiftung Telefónica, die das „Think Big“-Projekt auf die Beine stellte, gefördert werden. Die Mitarbeiter_innen helfen beim Ausfüllen der Formulare, begleiten die Projekte und unterstützen auch bei der Endabrechnung. So haben junge Aktive die Möglichkeit, 400 Euro für ihre Ideen zu bekommen. Junge Menschen stehen hier im Mittelpunkt. Dabei werde der Kulturabbau spürbar, wenn oftmals die Gelder für kleine Kulturprojekte knapp werden. Der clubMitte habe am eigenen Leib erfahren müssen, dass freie Räume in Potsdam mehr als Mangelware sind: Bevor er auf dem „freiLand“-Gelände Fuß fassen konnte, suchte der Club nach geeigneten Gebäuden, doch die Ein- oder Zweijahresmietverträge spiegeln die schwierige Situation in der offenen Kunstszene wider. Potsdams Kultur hangele sich von einem Jahr zum anderen. Daher wünscht sich der clubMitte eine konstante Arbeitsphase – auch über 365 Tage hinaus.
Friedrich-Engels-Strasse 22
lindenpark.de/SPI_Potsdam/clubmitte

Kulturlobby: das solidarische Netzwerk
Die Kulturlobby ist ein Netzwerk für aktive Potsdamer_innen, das sich nach der Schließung der alten Brauerei gegründet hat. Nachdem klar wurde, dass es in Potsdam um die letzten freien Räume geht, hat es sich diese Initiative zum Ziel gesetzt, die Stadt aktiv zu gestalten, aber auch auf die prekäre Lage um Freiräume für Kultur aufmerksam zu machen. Viele Gruppen haben sich unter dem Namen „Kulturlobby“ vernetzt. Die unabhängige Kultur solle der Stadt enthalten bleiben, denn es gehe auch um Lebensqualität. Über ihre Website tritt die Kulturlobby in die Öffentlichkeit und hat ein Statement, die „Kulturpolitischen Leitlinien 2014-2018“, verfasst, welcher der Stadtverwaltung übergeben wurde. „In einem System, welches wir uns nicht ausgesucht haben, müssen wir uns solcher Sachen bedienen, um aufmerksam zu machen“, so die Initiator_innen. Die Kulturlobby verstehe sich also nicht nur als Vernetzer_in, sondern auch als politische_r Taktgeber_in. Das immer noch überschaubare Angebot von alternativer Kultur soll mithilfe eigener Projekte und aktiver Mitarbeit von Potsdamer_innen vermehrt werden. Die Kulturlobby biete als Netzwerk die besten Möglichkeiten für die Bildung von Gruppen und Initiativen: Aufgrund des Kulturabbaus gegründet, würden die Verantwortlichen nur zu gut kennen, was es heißt, um Räume und Förderungen zu kämpfen. Potsdam sei eine Stadt, die das persönliche Engagement braucht, um eben nicht nur Hochkultur, sondern auch Subkulturen und die Kultur „von unten“ aufrecht zu erhalten. Auch der Verwaltungsapparat müsse vereinfacht werden, um den Aktiven keine Steine in dem Weg zu legen. Die Kulturlobby will sich langfristig für freie Räume in Potsdam engagieren, denn nur wer sich in eine Stadt einbringt, könne sie nach den eigenen Wünschen gestalten.
kulturlobby.de

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