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campusLEBEN — 04 Juli 2013
Bild: Privat

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Die Potsdamer Gruppe des „Erasmus Student Network“ (ESN) stellt sich vor und präsentiert neben obligatorischem Erasmus-Partyprogramm auch Kultur und Geschichte aus der Region für Austauschstudierende in Potsdam ‒ und jene, die selbst mal welche waren oder es in naher Zukunft werden wollen. Interview von Nathalie Wiechers.

An einem leicht wolkigen Donnerstagmorgen in der Cafeteria am Campus Neues Palais herrscht für diese Zeit üblich ein minder heftiges Treiben. Reibt sich der Eine oder Andere des noch spärlich besuchten Raumes müde die Augen, sitzen Susan Platzdasch, 23 Jahre und Stefan Huber, 33 Jahre bereits voller Energie und Tatendrang am Tisch, um hier „das Erasmus Student Network“ (ESN) als Mitglied und Präsident vorzustellen. Alle sich in dieser studentischen Non-Profit-Organisation engagierenden Mitglieder, die nun schon seit über zehn Jahren auch eine Gruppe am Standort Potsdam hat, leisten hier ehren amtliche Arbeit. Europaweit in 36 Ländern und 424 Universitäten bietet das Netzwerk aus etwa 12.000 aktiven Mitgliedern und 29.000 Buddies Angebote für etwa 160.000 Studierende.

speakUP: Das Erasmus Student Network, kurz ESN, ist eine international agierende studentische Non-Profit Organisation und auch der Name der Organisation verspricht einen Network-Faktor. Inwiefern steckt dahinter tatsächlich ein Netzwerk?

Stefan Huber: Beim ESN handelt es sich um eins der größten Studierenden-Netzwerke in Europa. Das Network ist in jedem europäischen Land vertreten und wird weiter national und regional, etwa durch Dachverbände, weiter aufgegliedert. International gibt es einmal im Jahr ein Treffen aller knapp 400 Sektionen. Hier in Potsdam stehen wir unter dem Dachverband Deutschland und gehören zusammen mit den Sektionen der Uni Jena, TU und Universität Dresden und der Viadrina in Frankfurt Oder. Auf nationaler Ebene trifft man sich dann drei bis vier Mal im Jahr um sich über aktuelle Themen, Fragen und Probleme auszutauschen, die z.B. das Fundraising betreffen, aber auch die Frage, welche Veranstaltung wer macht.

speakUP: Was habt ihr euch hier in Potsdam an der Uni und der FH zur Aufgabe gemacht und welche Leistungen und Projekte bietet ihr an?

Susan Platzdasch: Immer zu Beginn der Semester packen wir die sogenannte „Welcome-Tasche“ für alle Incoming- Austauschstudierenden in Potsdam und füllen diese mit unseren Eventkalendern, wir machen dies auch für Leute, die keine Erasmus-Studierenden sind.
Stefan: Durch Sponsor_innen haben wir es ermöglicht, eine kostenlose Prepaid-Handykarte beizulegen, einen Energydrink von Red Bull und Gummitiere von Katjes, sowie wertvolle Infos zur Universität. Außerdem bieten wir das Projekt ‚move it‘. Bei diesem können Erasmus-Studierende kleine Alltagsgegenstände wie Taschen und Teller, die wir von im Semester davor Abgereisten bekommen, kostenlos erhalten. Es gilt aller_dings: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

speakUP: Stichwort: Eventkalender. Sorgt ihr also mit für die Bestätigung der bösen Vorurteile, dass Erasmus-Studierende nur Party machen?

Susan: Selbstverständlich bieten wir auch Partys. Aber wir kümmern uns auch um weitere Bedürfnisse der Studierenden, indem wir gemeinsame IKEAShopping Touren am Anfang des Semesters, den PubCrawl oder auch den Besuch eines Fußballspiels anbieten.

Stefan: Wir wollen, bzw. wünschen uns auch, dass die Incomer etwas von der Geschichte der Region und des Landes mitbekommen. So bieten wir zahlreiche Ausflüge im geschichtlichen Bereich, etwa im Bezug auf die DDR-Geschichte, Ausflüge zur Gedenkstätte Lindenstraße oder auch ins Stasi-Archiv. Besonders beliebt und immer wieder großes Interesse weckend ist die Exkursion nach Sachsenhausen. Ich bin sehr begeistert, dass das immer wieder so gut angenommen wird!

speakUP: Und was ist neben den genannten das kulturelle oder soziale Event, das am meisten von den Studierenden international, aber auch national, angenommen wird?

Susan: Highlights sind sicher die von uns organisierten Städtefahrten, etwa die nach Hamburg, die sind immer voll! Und jeden Donnerstag finden im Nil-Club in Potsdam die wöchentlich wechselnden Länderabende statt. Hier können Studierende Landestypisches kochen, dies auf der Party zur Verfügung stellen und auch in gewissem Maß Geld von der Bar zurückerstattet bekommen.

Stefan: Auch eigene oder landestypische Musik darf mitgebracht werden!

speakUP: Bietet Ihr eigentlich auch Veranstaltungen für diejenigen, die aus dem Ausland heimkehren, dem Erasmus-Blues erliegen und sich wieder ein bisschen Erasmus-Feeling zu Hause wünschen?

Stefan: Da haben wir eine neue Veranstaltung namens „Café International“, früher auch unter dem Namen „Homecomer-Event“ bekannt. Hier können sich Erasmus-Studis, Rückkehrer_innen und solche, die es werden wollen, kennenlernen und austauschen. Gerne werden hier auch „Einheimische“ gesehen, denn die Erasmus-Studierenden freuen sich immer über den Kontakt.

speakUP: Wie arbeitet ihr zusammen und was sind Aufgaben, die euch innerhalb der Gruppe in Potsdam immer wieder begegnen?

Stefan: Momentan sind wir 29 Mitglieder hier in Potsdam und zwischen 20 und 33 Jahren mit den unterschiedlichsten Studienfächern. Von denen sind 20 aktiv in das Geschehen und die Aktivitäten des ESN eingebunden, das heißt, dass jene Veranstaltungen planen, ausrichten und auswerten, auf Veranstaltungen wie dem Sommerfest präsent sind und wöchentlich zu unseren Sitzungen kommen. Hier besprechen wir, was bei Partys und anderen von uns organisierten Events gut lief und was nicht, sodass wir stets unsere Erfahrungen austauschen.

Susan: Häufig treffen wir uns auch außerhalb der wöchentlichen Meetings, um etwas zusammen zu unternehmen und so den Zusammenhalt zu stärken.

Stefan: Denn wir haben aus langer Erfahrung gelernt, dass die engere Bekanntschaft unter den Mitgliedern die Verbindlichkeit stärkt und so auch das Vertrauen innerhalb der Gruppe wächst und gestärkt wird.

speakUP: Laut eurer Homepage ist euer wichtigstes Motto „student helping students“. Was bedeutet das für euch persönlich?

Susan: Ich möchte den Studierenden helfen, dass sie sich hier in die Uni und den Alltag integrieren können. Dafür haben wir auch an jedem Campus ein Büro mit Öffnungszeiten, um immer als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Am Neuen Palais findet man das etwa am Akademischen Auslandsamt. Außerdem möchte ich persönlich auch die schönen Seiten von Deutschland zeigen und gleichzeitig dieses Land gut repräsentieren.

Stefan: So wollen wir grad am Anfang die Leute unterstützten, Fragen beantworten und, können wir dies nicht, sie an die richtigen Ansprechpartner_innen weiterleiten.

speakUP: Wer kann bei euch mitmachen? Ist das Engagement bei euch nur interessant für Erasmus-Incomer in Potsdam?

Stefan: Bei uns kann jede_r mitmachen, egal ob Potsdamer- oder Erasmus-Studi. Auch „Heimkehrer_innen“ oder die, die es noch werden wollen, sind bei uns willkommen. Wir treffen uns immer mittwochs um 19 Uhr am Campus Griebnitzsee, im Haus 6, Raum 15. Bei gutem Wetter verlagern wir das ganze in den Hof der Mensa. Einfach eine E-Mail an praesident@esn-potsdam.de zur Kontaktaufnahme oder spontan zur Sitzung dazustoßen. Wir suchen immer Helfer_innen!

Susan: Jede_r, der interessante Ideen hat, kann Veranstaltungen planen. So habe ich dieses Jahr eine ‚Tour nach Werder‘ zur Baumblüte angeboten und die ‚Gärten der Welt‘ in Marzahn besucht.

Stefan: Bei uns kann man auch Erfahrungen in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen sammeln, wie etwa der Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring oder dem Party-Planen in der Party-AG. Auch im IT-Bereich gibt es Möglichkeiten, z.B. bei der Betreuung unserer Website und des Facebook-Profils. Es gibt viel Raum für eigene Ideen und Kreativität, so hat ein Mitglied etwa eine iPhone-App programmiert! So etwas kann man gut für den späteren Lebenslauf benutzen.

speakUP: Was ist das Witzigste, Erkenntnisreichste oder einfach Schönste was euch bisher bei eurer Arbeit beim ESN passiert ist?
Susan: Für mich persönlich konnte ich auf jeden Fall schon feststellen, dass die Pünktlichkeit und das Verständnis darüber von Nation zu Nation sehr variieren, das muss man bei Veranstaltungen immer einplanen!

Stefan: Es immer wieder schön, die frohen Gesichter der Studierenden am ersten Tag zu sehen, wenn sie ihre „Welcome-Tasche“ ausgehändigt bekommen und ganz aufgeregt scheinen. Ichbin außerdem stolz auf die Mitglieder des ESN, die so kreativ sind und für das Team arbeiten. Die Arbeit wird nie Routine, obwohl ich mir das nach einem stressigen Tag auch schon manchmal wünschen würde.

speakUP: Schon seit 2000 gibt es euch als studentische Organisation an der Universität Potsdam, seit 2005 erst seid ihr Mitglied des ESN. Was sind eure Ziele und Wünsche für das Netzwerk in den nächsten Jahren?

Stefan: Obwohl wir erst seit 2005 im Netzwerk des ESN sind, haben wir uns sehr stark eingebracht und so etwa die lokale Plattform, auf der sich die einzelnen Glieder des Verbundes in Deutschland treffen, schon vier Mal ausgerichtet. Dieses starke Engagement wollen wir auch in Zukunft weiterführen. Gerne würden wir uns auch stärker mit anderen studentischen Vereinen vernetzen und die Verbindung zwischen den Buddies als ehrenamtliche Helfer_innen und den Austauschstudierenden stärken.

Susan: Wir sind eine der wenigen Sektionen, die so viele unterschiedliche und zahlreiche und vor allem kulturelle Veranstaltungen anbieten und das sollten wir unbedingt beibehalten.

Mit einer aufkeimenden Geschäftigkeit in der Cafeteria, vielleicht sogar herbeigeführt vom ansteckenden Tatendrang der beiden Mitglieder, und einem inzwischen von dem morgendlichen Dunstwolken befreiten Himmel, bedankt sich die Redakteurin für das Interview und wünscht im Namen der Redaktion noch viel Erfolg.

Mehr Infos auf der Website des ESN Deutschland.

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