Proteste gegen Niedriglöhne an Hochschulen

Die vermehrte Vergabe gering bezahlter Lehraufträge zeige, wie schlecht die Hochschulen in Brandenburg ausfinanziert seien, kritisiert die GEW (Bild:  Chris Brignell - Fotolia.com)
Die vermehrte Vergabe gering bezahlter Lehraufträge zeige, wie schlecht die Hochschulen in Brandenburg ausfinanziert seien, kritisiert die GEW (Bild: Chris Brignell – Fotolia.com)

Am 6. November demonstrierten deutschlandweit Lehrbauftragte für bessere Arbeitsbedingungen. In Berlin überreichten 60 Donzent_innen vor der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Wissenschaft einen Forderungskatalog an den Sprecher von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres. Zu dem Aktionstag hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen.

Mittlerweile wird ein Großteil der Wissensvermittlung an Hochschulen von Lehrbeauftragten bewältigt. Die GEW bemängelt, dass lediglich die Semesterwochenstunden, nicht aber die Betreuung, Vorbereitung und das Prüfen und Korrigieren von Hausarbeiten bezahlt werden. Für die Kranken- und Rentenversicherung müssen Lehrbeauftragte selber aufkommen, ein Ausgleich von Ausfällen durch Urlaub, Krankheit oder Feiertage findet nicht statt. So seien Lehrbeauftragte trotz ähnlichen Aufgabespektrums gegenüber vollbeschäftigten Lehrenden erheblich beanachteiligt.

Auch an der Universität Potsdam gehören Lehrbeauftragte seit Längerem zum Alltag und leisten dabei auch große Teile der grundständigen Lehre. Die Leitung der Universität kritiserte zuletzt immer wieder die Landesregierung für die schlechte Ausfinanzierung der Hochschulen: Nur deswegen greife man als Universität vermehrt auf die Möglichkeit der Vergabe von Lehraufträgen zurück. Die Landesregierung hatte zuletzt Korrekturen an der bisher von ihr befürworteten Praxis veranlasst: Mit dem neuen Hochschulgesetz, das im Frühjahr von der rot-roten Koalition verabschiedet wurde, sollen Lehraufträge auf zwei Semester und vier Semesterwochenstunde pro Lehrenden reduziert bleiben. Kritiker_innen halten die Neuregelung eher für eine Verschlechterung der Lage: Die Regelung würde nur zweckmäßig sein, wenn auch mehr vollwertige Stellen geschaffen werden. Mit der Neuregelung wiederum würde bei der aktuellen mangelnden Hochschulfinanzierung vielen Nachwuchswissenschaftler_innen zum Teil die letzte Chance zum Lehren genommen.

Wie es nach dem Aktionstag weiter geht, wurde am zurückliegenden Freitag in einer Sitzung der AG-Lehrbeauftragte bei der GEW Berlin diskutiert. Anfang kommenden Jahres stehen womöglich auch Zahlen über Lehrbeauftragte an den Brandenburger Hochschulen zur Verfügung. ps und dn

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