Kuwis in Not?!

Hörsäle platzen nicht nur bei den Kuwis aus allen Nähten (Foto: pholidito - Fotolia.com)
Hörsäle platzen nicht nur bei den Kuwis aus allen Nähten (Foto: pholidito – Fotolia.com)

Seit längerer Zeit macht sich vermehrt Unmut in der Potsdamer Kulturwissenschaft bemerkbar. Das spärliche Kursangebot und kurzfristig genommene Forschungssemester diverser Dozent_innen lassen viele Studierende ratlos über ihrem Stundenplan brüten. Die fakultätsinterne Gerüchteküche brodelt: Das Institut für Künste und Medien (IKM) solle geschlossen werden, die Kulturwissenschaft abgeschafft. Ein Interview mit Prof. Köstler und Mitgliedern des Fachschaftsrats für Künste und Medien (FSR) soll Aufschluss geben. Von Marie Lau und Kristina Narajek.

Schließungsgerücht entpuppt sich als Ente

Fakt ist, das IKM wird nicht geschlossen werden. Dabei handelt es sich um eine Fehlermeldung des Dekans. Wie so etwas zu Stande kommen kann, ist allerdings fragwürdig. Auch die Kulturwissenschaft bleibt laut Dr. Köstler erhalten. Ebenso gibt der FSR an dieser Stelle Entwarnung, sagt aber auch, dass es zumindest Überlegungen seitens der Hochschulleitung gab, das Institut umzustrukturieren. Diese Überlegungen betrafen aber nie die Studiengänge, die dem Institut untergeordnet sind, im Einzelnen. Es braucht also, nach derzeitigem Stand, kein_e Student_in der Kulturwissenschaften Angst um den Erhalt des Studienplatzes zu haben. Laut FSR wird zurzeit vielmehr an einer neuen Studienordnung gebastelt, die ab dem Wintersemester 2013/14 für die Neuimmatrikulierten in Kraft treten soll.

Nichtsdestotrotz ist das Studienangebot dieses Semesters nach wie vor unzureichend. Das ist leider der Finanzpolitik der Unileitung zuzuschreiben, die die ohnehin schon wenigen Gelder eher in wirtschaftlich nutzbarere Studienfächer steckt als in geisteswissenschaftliche, wie die Kulturwissenschaften. Es fehlen daher die finanziellen Mittel für mehr Lehrbeauftragte und den damit verbundenen Kursausbau, so der FSR.
Auch Dr. Köstler sieht es so, doch auch nächstes Semester ist nicht auf Besserung der Situation zu hoffen. Denn dann wird sich auch er im Forschungssemester befinden. Mit Frau Prof. Dr. Lehnert, die sich bereits dieses Semester in ein Forschungsjahr verabschiedet hat, ist das die zweite Fachbereichsleitung, die damit wegfällt. Dr. Köstler ist jedoch bereit, wie bereits Dr. Lehnert, die obligatorischen Vorlesungen anzubieten. Um die Pflichtveranstaltungen nicht ausfallen zu lassen, ist das die einzig logische Konsequenz. Seitens der Universität müsste für die Dozenten_innen, die sich im Forschungssemester befinden, eigentlich Ersatz gewährleistet werden, aber das ist angesichts der chronischen Unterfinanzierung der Potsdamer Kulturwissenschaft leider eher utopisch.

So bleibt es weiterhin den Studierenden überlassen, ausfallende Kurse durch Angebote anderer Studiengänge oder anderer Universitäten zu ersetzen. Auch das Kursangebot kann dadurch erweitert werden, solange sich die Alternativveranstaltungen in einem gewissen prozentualem Rahmen bewegen. Das relativ unkomplizierte Anrechnungsverfahren kommt einem hierbei noch entgegen, so der FSR. Allerdings darf das nicht als Normalzustand hingenommen werden, denn optimalerweise sollten die Studierenden auf eine solche Notlösung erst gar nicht zurückgreifen müssen.

Organisations- und Finanzierungsprobleme

Ein weiteres Problem der chronischen Geldnot ist, dass die Verwaltung zu viele Bewerber_innen für den Studiengang zulässt. Die Kapazitäten sind überlastet; es werden immer mehr Studierende zugelassen, um die Prämie pro Studentenkopf zu kassieren. Die Zahlen müssen stimmen in der Bildungspolitik, und genau das scheinen die Studierenden in der Politik zu sein, eine Zahl. Das Ergebnis: Mitschriften müssen auf der Hörsaaltreppe angefertigt werden, Klausuren werden teilweise auf dem Boden geschrieben, weil die Räume schlichtweg überfüllt sind. Kein Einzelfall an der Uni Potsdam, denn auch andere Fachbereiche klagen über die gleichen Probleme.
Schlimmer jedoch ist es, wenn wegen der ausfallenden obligatorischen Vorlesungen ein bis zwei Semester mehr eingeplant werden müssen, wie es bei vielen der Studierenden zu sein scheint.Indiskutabel ist auch die Tatsache, dass sich zu den Vorlesungsstoßzeiten, sprich, Dienstags bis Donnerstags von 10 bis 12 Uhr, bis zu zehn Seminare überschneiden. Der Grund hierfür ist nicht, dass es zu wenig Räume gibt, wie man annehmen würde.
Die Räumlichkeiten sind vorhanden. Es ist die Organisation, die nicht klappt. Da auch diese nicht ausreichend Mittel zur Verfügung hat, fehlt es an allen Ecken und Enden an Personal, heißt: die zuständigen Bereiche sind schlichtweg überfordert. Auch andere essentielle Verwaltungssysteme, wie etwa PULS, sind fehlerhaft und funktionieren in organisatorischen Bereichen nicht richtig, so Dr. Köstler. Hinzu kommt, dass PULS in Zukunft durch ein anderes System ersetzt werden muss, da es die verantwortliche Firma aus finanziellen Gründen nicht mehr geben wird. Welche Probleme und Verzögerungen dies mit sich bringen wird, ist noch ungewiss.

Bildungssparschwein Brandenburg

Ein großes Problem in der ganzen Situation ist die Brandenburger Bildungspolitik. Studiengänge wie zum Beispiel Physik oder Mathematik, die teilweise ca. nur zu 50 Prozent ausgelastet sind, erhalten die gleichen Gelder wie die Kulturwissenschaft, die zu ca. 138 Prozent ausgelastet ist. Nicht gerade überraschend, dass dies zu Defiziten führen muss. Es ist schlichtweg zu wenig Lehrpersonal angestellt und trotzdem sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 300 Stellen von Wissenschaftlern gekürzt werden. Wie sich Brandenburg das angesichts der offensichtlichen Bildungsmisere leisten kann, ist mehr als fragwürdig. Das Land bildet das Schlusslicht der Republik, was Bildung angeht; kein anderes Land gibt so wenig Geld für Bildung und Wissenschaft aus. Dennoch heißt es, laut Bildungsministerin Sabine Kunst, dass Bildung und Wissenschaft in Zukunft gestärkt werden sollen. Nur wo wird sich dies bemerkbar machen? Das Prinzip „Weniger ist mehr“ lässt sich wohl kaum realistisch im Bildungsbereich anwenden.

Es scheint also an der Zeit zu sein, nicht mehr nur auf Besserung zu hoffen, sondern auch dafür aktiv zu werden. Gemeinsam können wir Studierenden mehr erreichen als angenommen, auch wir haben Rechte – und Mittel diese durchzusetzen. Vor allem haben wir das Recht, nicht von der Politik ‚kunstvoll‘ an der Nase herumgeführt zu werden. Und die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

One Reply to “Kuwis in Not?!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.