Willkommen an der Uni Potsdam: Studierendenparlament fordert Hochschulzugang für Flüchtlinge

Viele junge Menschen suchen auch in Potsdam Schutz vor Krieg, Verfolgung und schlechen Lebensbedingungen. (Foto: Lydia Geissler - fotolia.com)
Viele junge Menschen suchen auch in Potsdam Schutz vor Krieg, Verfolgung und schlechen Lebensbedingungen. (Symbolbild: Lydia Geissler – fotolia.com)

In Kürze werden in Potsdam hunderte Menschen erwartet, die Schutz vor Krieg, Verfolgung und schlechten Lebensbedingungen suchen. Das Studierendenparlament möchte die Lage von Flüchtlingen in der Uni-Stadt durch die Möglichkeit eines Hochschulstudiums verbessern. Wir haben beim zuständigen Ministerium nachgefragt, ob die ohnehin gut besuchte Uni Potsdam mit Unterstützung rechnen kann. Außerdem wissen wir, wo aktuell fleißige Hände benötigt werden – und wie du selbst aktiv werden kannst. Von Lisa Spöri und Denis Newiak.

Auf Initiative der Vertreter_innen von „Die Linke.SDS“ forderte das Studierendenparlament der Universität Potsdam die Hochschulleitung auf, nach Lösungen zu suchen, wie der Hochschulzugang für Flüchtlinge ermöglicht werden kann. In einer Positionierung vom 1. September fordern die Studierendenvertreter_innen von der Hochschulleitung eine ebenfalls klare Positionierung im Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt.

„Verbale Abgrenzungen reichen nicht mehr aus“, heißt es im Antrag. Stattdessen solle sich Solidarität auch in Taten zeigen, lautet die Forderung des Studierendenparlaments angesichts der sich zuletzt häufenden Angriffe auf Geflüchtete in ganz Deutschland.

Integration durch Hochschulzugang

Der Hochschulzugang sei ein sehr wichtiger Schritt für soziale Teilhabe. Während es Geflüchteten in Berlin bislang nicht erlaubt war, ein Studium aufzunehmen, sei dies in Brandenburg zumindest theoretisch möglich gewesen. Stephan Breiding vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur betonte gegenüber der speakUP, dass „studierwillige Flüchtlinge und Zuwanderer […] im Land Brandenburg willkommen“ seien und dass das Land interessiert daran sei, „Studierende zu gewinnen“. Die Landesregierung prüfe derzeit den konkreten Bedarf, nötige Unterstützung der Hochschulen und erforderliche Rechtsvorschriften. Grundsätzlich würde man Kapazitäten an den Hochschulen finanzieren und vorhalten.

Praktisch steht ein Flüchtling jedoch vor einigen Hürden: Neben dem bürokratischen Aufwand mangelt es vor allem an ausreichend Informationen, Betreuung, Deutschkursen. Das Studierendenparlament fordert daher, das bereits bestehende Engagement der Potsdamer Studierenden zu unterstützen. Seit April 2015 besteht zum Beispiel die Hochschulgruppe „Pangea“, eine Initiative von Studierenden der Universität Potsdam und der Fachhochschule Potsdam, die Geflüchteten bei der Bewältigung jener Hürden hilft. Unter anderem organisieren sie Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe und soziale Aktivitäten. Hier kann jede_r aktiv werden, egal ob Student_in oder Schüler_in.

Stadt stellt sich kurzfristig auf hunderte Flüchtlinge ein

Bereits am Mittwoch, vielleicht schon am Dienstag sollen zahlreiche Flüchtlinge aus dem Süden Deutschlands die Landeshauptstadt erreichen, im Internet kursieren Schätzungen zwischen 300 und 1.000 zu erwartenden Personen. Zunächst hieß es aus unbestätigten Quellen, dass bereits am zurückliegenden Montag mit der Ankunft von Flüchtlingen in Potsdam zu rechnen sei. Freiwillige hatten sich kurzfristig im “freiLand” getroffen, um die Hilfe zu planen.

Inzwischen wurde ein ungenutztes Gebäude der Landesregierung in Potsdam-Süd mit der gebündelten Hilfe von Stadt, Land, Bundeswehr, Rotem Kreuz und vielen freiwilligen Helfern behelfsweise vorbereitet, um dort vorübergehend Menschen in Not unterbringen zu können. In einer facebook-Gruppe tauschen die Engagierten Infos zum aktuellen Sachspenden-Bedarf aus. Unter refugeesinpdm.tumblr.com sind regelmäßig aktualisierte Beiträge zu den Vorbereitungen in der Notunterkunft zu finden. Erst zuletzt hatte die Stadt-Bevölkerung eine Welle der solidarischen Hilfsbereitschaft erfasst, als nach dem vermissten kleinen Elias gesucht wurde.

Behelfsweise wurden im ehemaligen Ministeriumsgebäude Feldbetten der Bundeswehr von freiwilligen Helfer_innen aufgebaut. (Foto: F. Görner)
Behelfsweise wurden im ehemaligen Ministeriumsgebäude Feldbetten der Bundeswehr von freiwilligen Helfer_innen aufgebaut. (Foto: F. Görner)

Viele Möglichkeiten, sich zu engagieren

In der gesamten Stadt suchen seit Wochen zahlreiche Potsdamer_innen nach Möglichkeiten, sich helfend bei der Unterstützung von Flüchtlingen zu beteiligen. Koordiniert werden die Helfenden und Spenden dabei vor allem durch die „Servicestelle Tolerantes und Sicheres Potsdam“ der Stadtverwaltung. Die Koordinierungsstelle „Neue Nachbarschaften Potsdam“ stellt etwa auf ihrer Website eine Übersicht zur Verfügung, was derzeit besonders dringend benötigt wird. So würden „Angebot und Nachfrage zueinander finden“ und passgenaue Hilfe ermöglicht werden. Beispielsweise wird derzeit nach helfenden Händen im Schlaatzer „Integrationsgarten“ gesucht, der die gemeinschaftliche Gartenarbeit regelmäßig betreut.

Neben der Koordinierungsstelle bieten auch der „Internationale Bund“ (Kontakt auf potsdam.de) und das „Stadtteilnetzwerk Potsdam-West“ Möglichkeiten, sich einzubringen. Außerdem suchen viele Potsdamer Vereine nach Möglichkeiten, ihre spezifischen Angebote stärker für Flüchtlinge zu öffnen und schaffen Deutschkurse, Sport- und Kulturangebote. Ehrenämtler_innen aus allen Bereichen nutzen dabei die Chance, die speziellen Stärken ihrer Organisationen helfend für Notleidende einzusetzen.

Bis Jahresende 1.600 Flüchtlinge in Potsdam erwartet

Laut Prognose des Landes Brandenburg sollen von der Landeshauptstadt Potsdam in diesem Jahr 1.600 Flüchtlinge aufgenommen werden. Bisher werden in zehn Einrichtungen 815 Betten zur Verfügung gestellt, davon wurden drei von vier allein im laufenden Jahr belegt. Für die kommenden Tage hat die Stadtverwaltung eine Bürgerversammlung angekündigt, die gemeinam mit dem Innenministerium organisiert wird.

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