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campusKREATIV Featured Ganz vorn — 20 April 2013
Ein Hochbeet im Golmer Studigarten. (Foto: Simone Schalles)

Ein Hochbeet im Golmer Studigarten. (Foto: privat)

Die Abgeschiedenheit des Campus Golm wird oft bemängelt. Dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen, bezweifelt kaum jemand. Wie sich diese naturnahe Lage aber bestens nutzen lässt, zeigen Student_innen unserer Uni seit vorletztem Semester. Von Simone Schalles.

Ein bisschen ist es so, als würde man von Mary Lennox begleitet auf die verborgenen Schönheiten der Natur treffen, wenn man hinter Haus 12 plötzlich Gartenhäuschen und Hochbeet entdeckt. Allerdings, von der im „Der Geheime Garten“ beschriebenen Verwilderung keine Spur, stattdessen reihen sich die hochangelegten Beete hier sorgsam hintereinander.

Anfang des letzten Jahres kamen Studierende der Biowissenschaften unserer Universität auf die Idee, die vielen Freiflächen von denen sie umgeben sind, zu nutzen und einen Garten anzulegen. Es gründete sich die Gärtnergemeinschaft „Junges Gemüse“. Momentan hat die im Kern zehnköpfige Gruppe aus hauptsächlich der Organismik zugewandten Biowissenschaftlern, auf Grund der Jahreszeit nicht viel zu tun. Bloß der Winterknoblauch wächst gerade im Garten. Bevor jedoch der erste Knoblauch seinen Weg hinter Haus 12 fand, musste einiges organisiert werden. „Erstmal sind wir zu Unisolar, weil wir hatten ja überhaupt keine Ahnung an wen man sich da wenden muss, wen man da fragen muss oder wie man überhaupt anfängt.“, sagt Sophie, welche auf der Zugfahrt zur Uni auf die Idee kam. Es folgten der Besuch des Allgemeinen Studierendenauschusses (AStA) und des Studierendenparlamentes. Dann stand die Finanzierung. Es konnte losgehen.

An den Wochenenden konnte die Gruppe durch „Hauruck-Aktionen“ mit Holz, Beton und Schaufel den Großteil des Gartens aufbauen. Das war in dieser Form auch für die meisten der zehn Studierenden etwas Neues und Positives. „Bei den allerersten Aktionen, nachdem wir alles zusammengestellt hatten, standen wir zu sechst da, noch nie hatte jemand von uns ein eigenes Hochbeet gebaut. Da kamen dann über den Tag verteilt Leute, die ein, zwei Stündchen mitgeholfen und neue Motivation reingebracht haben. Es war schön anzusehen, wie das in der Gruppe funktioniert hat“, erinnert sich Sophie.
Pläne für dieses Jahr bestehen auch schon. Im Garten sollen Kräuter und Kürbisse sowie unterschiedliche Tomaten- und Kartoffelsorten wachsen. Außerdem werden zum besseren Gedeihen Erdbeeren neben Lauchpflanzen einen Platz im Grün finden. Auch das Saatgut alter Sorten soll zum Sprießen gebracht werden. Dieses bezieht die Gruppe von VERN e.V., einem Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen. Weiterhin wird überlegt, eine kleine Bank aufzustellen und den Garten mit einem Insektenhotel und Apfelbäumen zu verschönern. Jeder Teilnehmer des Projekts ist dabei Teil einer Gruppe, die für eines der insgesamt fünf Hochbeete verantwortlich ist. Neue Vorschläge können dann in der eigenen Gruppe abgestimmt werden. Auch gegenüber Vorschlägen von außen ist man offen. „Wenn irgendjemand noch eine Idee hat, dann bitte. Wir freuen uns!“, sagt Sophie.

Was aber passiert mit den Erträgen? Auch darüber hat sich die Gruppe schon Gedanken gemacht. So wird zum Beispiel überlegt, die wiederbelebte Volksküche (oft „VoKü“ genannt) in Haus 14 zu unterstützen oder den Verkauf von Gemüse-Obst-Kisten an Studierende zu organisieren. Dabei würde der Gewinn direkt wieder in den Garten fließen.

In diesem Frühling wollen die Nachwuchsgärtner neben dem Einpflanzen der Samen und Pflänzchen auch die Leute zusammentrommeln, die beim Erntedankfest im Herbst Interesse für das Projekt gezeigt haben. „Ich würde es schön finden, wenn Leute, die noch nie gegärtnert haben, einfach mal vorbeikommen“, bemerkt Sophie. Studierende die sich an dem Projekt erst einmal nur versuchen wollen sind willkommen und keineswegs gezwungen, gleich fester Teil der Gärtnergemeinschaft zu werden. „Es geht um Spaß an der Freude und auch darum, neue Leute kennenzulernen. Ich finde Gärtnern entspannend. Es gibt Leute, die das genauso sehen und welche die das nicht so sehen. Nur ausprobieren sollte man‘s!“

Mary jedenfalls war vom Anblick des rosenberankten Gartens so hingerissen, dass sie so gleich anfing, junge Triebe freizulegen und sich Harke und Spaten zu besorgen. Wer sich jetzt also auch mit Schaufel in der Hand und feuchter Erde unter den Fingernägeln sein Glück suchen sieht, der kann diesen Frühling vielleicht am Hochbeet hinter Haus 12 fündig werden.

Info zum Mitmachen

Interessent_innen können sich entweder auf der Facebook-Fanseite „Junges Gemüse“ über laufende Projekte und Treffen informieren oder sich über junger-gemuesegarten@gmx.de bei der Gruppe melden.

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