Hochschulgruppe terre des hommes an der Universität Potsdam gegründet

Die Landschaft der Hochschulgruppen der Universität Potsdam wird immer bunter. In der vergangenen Woche, am Dienstag den 12. Juli 2016, stellte sich die neue Hochschulgruppe „terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not“ am Campus Griebnitzsee vor. Wir haben Joshua Hofert, Mitglied des Präsidiums von terre des hommes und Mitgründer der Hochschulgruppe, getroffen und mit ihm über Gründungsgedanken und Zielperspektiven gesprochen. Von Maria Dietel.

„Ich engagiere mich bereits seit 2009 bei terre des hommes und bin über eine Mitmach-Aktion für Kinder, bei der es um ökologische Kinderrechte ging, auf die Non-Profit-Organisation aufmerksam geworden.“ 2016 schließt sich der Kreis für Joshua Hofert, der seit September 2015 Teil des Präsidiums von terre des hommes ist, indem er sich mit der neuen Hochschulgruppe an der Uni Potsdam wieder für ökologische Kinderrechte einsetzt. Das Engagement bei terre des hommes sei so spannend, da dies eine der wenigen Organisationen sei, die Umweltfragen mit Kinderrechten verknüpfe, so Hofert.

Wie komplex und dringlich das Thema der ökologischen Kinderrechte ist, zeigt sich bereits bei einem ersten Blick auf den Informationsflyer, den Joshua Hofert mir in die Hände gegeben hat. „Fischsterben im Titicacasee, Öl im Golf von Mexiko, Schwefeldioxid in der Luft von Ilo, Pestizide im Fluss von Dongnai, versalzene Böden im Mekong-Delta und Erosion der Flussufer in Ostindien…“ Die Liste der Umweltschäden, Ergebnis unseres zerstörerischen Wirtschaftssystems, ist lang. Kinder sind doppelt betroffen von dieser Wirtschaftsweise, die auf komplexe, lebendige Öko-Systeme und die Interessen kommender Generationen keine Rücksicht nimmt: Gegenüber Schadstoffen sind ihre sich erst entwickelnden Organe und ihr Immunsystem besonders anfällig. Etwa 4.000 Kinder sterben jeden Tag allein durch verunreinigtes Wasser“, sagt Hofert.

Seminar für ökologische Kinderrechte sehr beliebt

Dass dieses Thema viele Menschen und auch uns Studierende der Uni Potsdam berührt, zeigt sich an dem regen Interesse des Seminars „Childs rights go green at the UN“, das Hofert in diesem Sommersemester erstmalig angeboten hatte. Jeden Donnerstag traf sich die interdisziplinäre Gruppe aus etwa zwanzig Studierenden, um sich über terre des hommes als NGO zu informieren und um über die Herausforderungen zu diskutieren. Ziel, so Hofert, war und sei es, sich auf den „Day of General Discussion“ am 23. September 2016 in Genf vorzubereiten.

„Dies ist eine ganz wichtige Konferenz der Vereinten Nationen, da dort die Kinderrechtskonvention weiterentwickelt wird. Die Konferenz ist der Beginn eines großen Normsetzungsprozesses, um die Kinderrechtskonvention an neue Herausforderungen und Entwicklungen anzupassen, die bei der Verabschiedung 1989 so noch gar nicht in das Blickfeld gerückt waren. Hierzu zählen auch die ökologischen Kinderrechte.“

Das Seminar beinhaltete eine breit angelegte Projektphase, in der gemeinsam überlegt wurde, wie der „day of general discussion“ bestmöglich unterstützt werden könne. Dabei herausgekommen sind drei unterschiedliche Projektgruppen, die mit Social-Media-Aktionen, Umfragen über das Umweltverhalten von Kindern sowie einer Interventionsstudie über umweltbewusstes Verhalten viel Input für den Konferenztag erarbeiten. Hofert wird am 23. September vor Ort in Genf sein, um mit NGO-Vertreter_innen, Expert_innen, Kindern und UN-Mitgliedern das Gespräch zu suchen und sich für ökologische Kinderrechte stark zu machen.

Die Ziele der terre des hommes bei der UN-Konferenz

Für Hofert war das Seminar daher auch Vorbereitung für die wichtige Konferenz. „Terre des hommes hat eine besondere Verknüpfung zum ,Day of General Dicussion‘, denn wir sind diejenigen, die den Tag vorbereiten, die auch den Aufschlag gemacht haben und den Entwurf des Konzeptes zu ökologischen Kinderrechten eingegeben haben. Terre des hommes leitet nun die Vorbereitung des Tages, weswegen ich ein Seminar angeboten habe.“ Die Pläne und Ziele der Hochschulgruppe gehen aber weit über die Vorbereitung des Konferenztages hinaus.

Die Idee ist es, an dem Thema weiterzuarbeiten und es verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen. „Die Uni als Standort für junge und engagierte Leute ist eben die Gruppe, die Entscheidungsträger von morgen sein wird und die Entscheidungen über Klimaschutz und nachhaltige Entwicklungen zu treffen hat. Wir wollen vor Ort für das weite Thema Kinderrechte sensibilisieren – Kinderarbeit, Straßenkinder, Kinderhandel, Ausbeutung und Gewalt, Flüchtlingskinder, ökologische Kinderrechte: Das ist ein breites Themenfeld, was unsere Hochschulgruppe sehr bewegt. Die Projekte von terre des hommes wollen wir an der Universität bekannter machen und mit den Studierenden in Kontakt treten“, erklärt Joshua Hofert.

Für ihn und die Mitglieder der Hochschulgruppe sind auch die Ziele für den „General Day of Discussion“ fest gesteckt: „Wir erhoffen uns noch keinen verbindlichen Outcome, das ist einfach ein Prozess, der über mehrere Jahre geht, aber was wir uns erhoffen ist, dass die Stakeholder, die vor Ort sein werden, also einerseits der UN-Kinderrechtsausschuss und andererseits die Staatenvertreter_innen und NGO´s, für ökologische Kinderrechte sensibilisiert werden und das Potenzial und die Brisanz des Themas erkennen. Wir haben nicht mehr viel Zeit, um zu handeln. Globale ökologische Herausforderungen werden immer drängender und das besonders für Kinder. Jährlich sterben mehrere Millionen Kinder an Folgen der Umweltverschmutzung. Meine Mission ist, dass die Teilnehmer den dringlichen Handlungsbedarf erkennen.“

Engagieren, Sensibilisieren und Horizont erweitern

Über neue Gesichter und Interessierte freut sich die neue Hochschulgruppe terre des hommes an der Uni Potsdam sehr. Schaut daher gerne auf ihrer Webseite oder Facebook-Präsenz vorbei. Hofert plant für das Sommersemester 2017 erneut ein Seminar, welches dann voraussichtlich als Schlüsselkompetenz gebucht werden kann.

Die Studierendenzeitschrift speakUP wünscht viel Erfolg beim „Day of General Discussion“ in Genf und für die weitere Arbeit an der Universität Potsdam.

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