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campusLEBEN Featured Ganz vorn — 20 April 2012

Wer von uns kennt nicht das Problem: Die Kasse ist leer am Ende des Monats, es muss Geld her. Wenn dann das BaFöG oder der Zuschuss der Eltern nicht reichen, heißt es für viele Studierende nebenbei arbeiten gehen. Kellnern gehen und an der Kasse sitzen macht ja fast jeder. Wir zeigen Euch in dieser Serie außergewöhnliche Student_innenjobs, die man nicht alle Tage macht. Dieses Mal: Christoph Freytag.

Der Weg zu diesem Job begann vor einigen Jahren an der Potsdamer Volkshochschule „Albert Einstein“ im Jahr 2007. Ich nahm an einem Kurs namens „Akt und Portraitzeichnen“ mit dem Potsdamer Maler Heinz Mentel teil. Der Kurs fand immer samstags statt von 9 bis 12 Uhr.
In dem Kurs konnte man unter der fachkundigen Anleitung lernen, wie man mit Bleistift, Kohle oder Feder die Muse aufs Papier bringt. Während gezeichnet wurde, lief im Hintergrund meist klassische Musik von einem altmodischen Tonbandgerät.

Eines Tages kam ich spontan auf die Idee, mich als Aktmodell anzubieten. Warum? Ich war arm und brauchte das Geld. Der gestandene Maler stutzte bei dem Gedanken zunächst. Höflich wies er mich darauf hin, dass die meisten seiner Modelle in der Regel Frauen seien.

Einige Zeit nach Kursende bekam ich einen Anruf. Herr Mentel wollte tatsächlich, dass ich bei ihm Aktmodel stehe. Es war ein kühler Wintermorgen im Februar. Rund acht Teilnehmer_innen waren gekommen, der Raum war gut geheizt. Witzigerweise waren besonders einige männliche Teilnehmer regelrechte Stammgäste. So traf ich an diesem Morgen auch den Hobbymaler mit den großen, gierigen Augen wieder. Beim Malen riss er seine Sehorgane immer weit auf, um dann die jeweilige Muse zu verschlingen, indem er sie zu Papier brachte.

Dann ging es los. Ich zog mich aus und setzte mich in Denkerpose auf einen Stuhl. Eine gewisse Hemmschwelle war anfangs da. Aber ich gewöhnte mich schnell daran. Zudem blieb ein gewisses Körperteil an seinem Platz. Sehr gut. Alle zwanzig Minuten sollte die Pose gewechselt werden. Manchmal saß oder stand ich auch 30 Minuten in der gleichen Einstellung da. Einige Teilnehmer_innen kamen mit dem Zeichnen oft nicht hinterher.

In den gut drei Stunden verdiente ich 24 Euro. Während der Malsession machte Herr Mentel auch Fotos. Ich rief ihn im Zuge der Recherche an, ob er noch Bilder von mir habe. Leider nicht, so beteuerte er, diese seien in der Masse der Fotos untergegangen. Schade, sonst hätte ich Euch, liebe Leser_innen, gern ein Beweisbild gezeigt. Herr Mentel hat mir jedoch bei dem Telefonat spontan wieder einen neuen Einsatz angeboten. Das werde ich sehr gern annehmen, diese Art von Studentenjob macht mir persönlich jedenfalls viel Spaß.

Fazit: Eine annehmbare Arbeit für das kleine Geld zwischendurch, dafür dass man „nur“ rumsitzt oder steht. Allerdings sollte man seinen Körper gut im Griff haben, um die verschiedenen Posen eine gewisse Zeit zu halten. Denn am Ende ist das anstrengender, als ihr vielleicht denkt.

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