Nachhaltiges Kaffeetrinken leicht gemacht – das „CupCycle“-System

"Pappe sollte in Kombination mit Kaffee zu einem Zeichen von Scheitern werden"
“Pappe sollte in Kombination mit Kaffee zu einem Zeichen von Scheitern werden” (Foto: Maridav – fotolia.com)

Für die meisten Studierenden gehört der tägliche „Coffee to go“ zum Alltag. Ebenso die typische lila Pappverpackung, die unsere Finger vor dem brühend heißen Inhalt bewahrt. Dass es dazu umweltverträglichere Alternativen gibt, ist uns allen bekannt. Studierende der TU Berlin haben aber eine Idee, die tatsächlich Alltagstauglichkeit beweist. Von Simone Schalles.

„Tasse statt Becher – der Umwelt zuliebe“, so lautete der Slogan einer im April 2011 vom Studentenwerk ausgelobten Kampagne. Keine Frage, im Hinblick auf 200.000 verkaufte Pappbecher an der Uni Potsdam im Jahr 2012 keine schlechte Idee – weniger Müll, weniger Kosten. Wäre da nicht der bequeme Studi, der dann eben doch statt zur Tasse zum transportablen Plastik-Papp-Gefäß greift. Was bringt einem schließlich eine Tasse, wenn man versuchen will, die Vorlesung um acht ohne Kopf-Tisch-Verschmelzung zu überstehen? Das dachte sich wohl auch das Berliner Studentenwerk. 2010 kam es deswegen zur Einführung wiederverwendbarer Thermobecher an unserer Uni. Der Ansturm war groß. Zumindest kurzzeitig. Zwei Jahre später steht das Problem wieder auf der Tagesordnung. Was also tun?

Statt Pappbechern verschließbare Plastikbecher zum Mitnehmen

Einen Blick nach Berlin wagen, hat sich das Ökoreferat unserer Uni gedacht und ein Konzept vierer Studierender der TU Berlin aufgegriffen. Deren Idee: der CupCycle. Anstelle von Pappbechern gibt es verschließbare, pfandfreie Plastikbecher zum Mitnehmen. Diese werden nach dem Heißgetränkegenuss an Sammelstellen zurückgebracht, gewaschen und können wiederverwendet werden. Da auch ein Plastikbecher nur eine endliche Lebensdauer hat, geht das Konzept über die Grenzen des Unigebrauchs hinaus: Statt im Müll zu landen, werden die Becher zum Hersteller zurückgesendet und dort weiterverarbeitet. Bevor das Team des Startups aus Berlin jedoch andere Unis bei diesem Projekt unterstützt, beschäftigt es sich in diesem Semester erst einmal mit den Verbesserungsmöglichkeiten. Diese resultieren aus den Erfahrungen, die im Laufe der letztsemestrigen Pilotphase in ausgewählten Cafeterien der Hauptstadt gewonnen wurden.

Berliner Wasserbetriebe wollen Projekt unterstützen

Mehrwegbecher sind momentan an keinem der Standorte zu finden, dafür aber dazu passende Sammelboxen im Fachbereich für Fabrikbetrieb und Montagetechnik an der TU. Die dort entwickelten Kästen werden die anfänglich genutzten handelsüblichen Getränkekisten ersetzen. Auch die Deckel der Becher mussten überarbeitet werden. Das existenzielle Element jedes To-go-Bechers wollte wohl partout nicht auf die kleinen Becher passen. „Unser Lieferant hat das schließlich nachbearbeitet. Dazu hat er die Gussformen, in denen unsere Becher gespritzt werden, noch einmal nachgefräst.“ meint Andrea, die sich im CupCycle-Team um Controlling, Sustainability und Entwicklung kümmert.

Momentan wird an der Logistik geschraubt. Nachdem in der Pilotphase die Sammelboxen noch von dem Startup-Team selber entleert wurden, sollen jetzt andere Wege gefunden werden. „Dann werden wir entweder einen externen Helfer einstellen oder es läuft über das Gebäudemanagement. Hierzu stehen wir gerade mit der Universität in Verhandlung.” Nachdem sich kürzlich die Berliner Wasserbetriebe als Unterstützer zum Hauptsponsor ALBA Group und diversen anderen Partner_innen gesellt haben, steht nun einem neuen Semester mit den Mehrwegbechern wenig im Wege.

„Die Akzeptanz war wirklich hoch“

Die Studierenden fragen schon nach den Bechern, die sie letztes Jahr in die Vorlesung begleitet haben. „Die Akzeptanz war wirklich hoch“, sagt auch Andrea. „Es brauchte ein bisschen Zeit bis sich das System an der Uni etabliert hat und so genutzt wurde, wie es vorgesehen war.“ Nachdem sich aber am Ende des Semesters eine Rücklaufquote (errechnet aus der Differenz von morgens sauber ausgelieferten Bechern und abends gebraucht eingesammelten Bechern) von 94 Prozent eingestellt hatte, war klar, dass das Projekt nach der Pilotphase weitergeführt wird.

Es wurde also alles schon getestet und verbessert, bevor der erste Becher in den Händen Potsdamer Studierender landet. Das macht die ganze Sache verständlicherweise schmackhaft. Laut Protokoll der Mensa-Ausschuss-Sitzung ist auch das Studentenwerk offen für die Idee.

Vielleicht wird eines Tages auch die Vision über Thermo- und Porzellanbecher des Redakteurs christian-berg wahr, veröffentlicht auf jetzt.sueddeutsche.de: „Die Becher sollten dabei den unverwüstlichen Charakter eines Laptops bekommen, ein Ausweis der eigenen Coolness, ein Symbol der Lässigkeit nicht der Unbequemlichkeit. […] Pappe sollte in Kombination mit Kaffee zu einem Zeichen von Scheitern werden, von Versagen gegenüber der eigenen Inszenierung.“

Bevor es aber soweit ist, bleibt zu hoffen, dass es das System als Gesprächsthema der nächsten Ausschusssitzung zu uns schafft und wir uns bald an Mehrwegbechern aus Berlin die Hände wärmen können.

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