Lost in Babelsberg? Wohnheim-Studis vom Busverkehr abgehängt

Die Buslinie 616 erhitzt seit dem Fahrplanwechsel im Dezember die Gemüter der Babelsberger_innen. (Foto: D. Newiak)
Die Buslinie 616 erhitzt seit dem Fahrplanwechsel im Dezember die Gemüter der Babelsberger_innen. (Foto: D. Newiak)

Seit dem Fahrplanwechsel der Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH (ViP) fahren die Busse der neuen Linie 616 unter der Woche nur noch alle 40 Minuten und am Wochenende alle 60 Minuten durch Babelsberg. Dabei bedient die Linie keine abseitige Strecke, sondern stellt die Haupt-Busverbindung für die Menschen in Babelsberg-Nord dar. Besonders die Studis im Wohnheim Park Babelsberg sind dadurch seit Dezember 2014 in ihrer Mobilität im ÖPNV eingeschränkt. So häuften sich die Beschwerden bei der ViP, doch verändert hat sich bis jetzt wenig. Bleibt das im Sommersemester so? Und bieten sich Alternativen für Babelsberger_innen an? Von Fabian Lamster.
Am 5. März veröffentlichte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam einen offenen Brief, in dem er sich gemeinsam mit dem AStA der Fachhochschule (FHP) und dem Studentenwerk Potsdam an den städtischen Verkehrsbetrieb wandte. Das Problem: die neue Buslinie 616 und die Forderung, endlich wieder „eine angemessene Anbindung des Babelsberger Nordens zu schaffen“. Zum Vergleich: Vor dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 fuhr die Buslinie 694 im 20-Minuten-Takt durch den Norden Babelsbergs und stellte zudem eine direkte Verbindung zum Potsdamer Hauptbahnhof sicher, die die Nachfolge-Linie 616 ebenfalls nicht bietet.

Viele befürworten den 20-Minuten-Takt

Das alles stößt bei vielen Betroffenen auf Unverständnis und Ärgernis. So sind nicht nur rund 150 Studierende im Wohnheim Babelsberg, sondern auch etwa 200 Mitarbeiter_innen des astrophysikalischen Instituts, Bewohner_innen einer Pflege- und Betreuungseinrichtung, Schulkinder und ältere Menschen betroffen. Auch der Park Babelsberg sowie die Sternwarte seien jetzt mit mehr fahrgastfreundlich erreichbar, so die Kritiker_innen.

Auf diese Situation reagierten die Studis im Dezember 2014 mit einer Unterschriftenaktion und suchten das Gespräch mit der ViP. Außerdem beschäftigte sich die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung mit dem Problem und setzt sich seit Anfang März für die Sicherstellung des 20-Minuten-Takts in Babelsberg-Nord ein.

616 sollte Verbesserungen bringen

Dadurch wächst der Druck auf den ViP Potsdam, die die Situation weiterhin prüft. Denn eigentlich habe sie die Fahrplanänderung im Dezember 2014 vorgenommen, nachdem sie die Bevölkerungs- und Fahrgastentwicklung Potsdam untersucht und festgestellt habe, dass speziell in Babelsberg die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren gesunken seien. Anderswo habe es stattdessen eine deutlich höhere Auslastung gegeben, sodass die ViP umplante, um bei gleichem finanziellen Aufwand Verbesserungen im Fahrplanangebot zu erreichen, so ViP-Sprecher Stefan Klotz im Dezember gegenüber der MAZ.

Diese „Verbesserungen“ spürt insbesondere nun auch das Studierendenwohnheim Park Babelsberg: „Es liegen aktuell mehrere Anträge von Studierenden vor, die in der betroffenen Wohnanlage leben und nun in andere Wohnanlagen ziehen wollen“, so Gudrun Wewetzer vom Studentenwerk Potsdam. Deshalb sei eine Beteiligung des Studentenwerks am offenen Brief des AStAs die logische Konsequenz gewesen, da es als Vermieter natürlich an einer guten Verkehrsanbindung der Wohnanlagen interessiert sei.

Aktuelle Verkehrsinfos und Routenplanung:
vbb-fahrinfo.de

Weitere Gespräche im April

Ob sich an der Situation zeitnah etwas ändert, bleibt offen. Silke Baltrusch von der ViP bestätigte der speakUP, dass es momentan keine Anpassung gebe, man sich aber weiterhin mit der vorliegenden Situation beschäftige und die entsprechenden Daten auswerte. Aus diesem Grund solle es im April einen zusätzlichen Gesprächstermin mit Fahrgästen und Verbänden geben, zu dem auch der AStA der Uni Potsdam eine Einladung erhalten habe. Ob die ViP hier bereits die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vorstellen wird, ist unklar. Somit dürfte zu Beginn des Sommersemesters 2015 für die Betroffenen in Babelsberg noch alles beim Alten bleiben, wodurch „vermutlich noch mehr Studierende auf das Fahrrad umsteigen“, so vermutet Gudrun Wewetzer vom Studentenwerk.

Welche Alternativen bieten sich den Betroffenen?

Zwar fährt die Buslinie 616 Richtung S Babelsberg/Schulstraße sowie S Griebnitzsee nur alle 40 Minuten (unter der Woche) bzw. 60 Minuten (am Wochenende). Allerdings ist bei der Fahrt Richtung S-Bahnhof Griebnitzsee die Möglichkeit zum Umstieg an der Haltestelle Plantagenstraße zur Tramlinie 99 gegeben, die wiederum im 20-Minuten-Takt fährt und in zwei Minuten (Richtung Bisamkiez) am S Babelsberg/Wattstraße hält. Von hier hat man dann mit S-Bahn, Straßenbahnen und Bussen verschiedene Möglichkeiten, um den Potsdamer Hauptbahnhof in wenigen Minuten zu erreichen. So ist unter der Woche ein indirekter 20-Minuten-Takt (sowie 30-Minuten-Takt am Wochenende) Richtung Babelsberger Zentrum möglich. Wer dann zum Hauptbahnhof will, bleibt einfach in der 99 sitzen und kommt so innerhalb von 22 Minuten vom Wohnheim zu Potsdams Hauptverkehrsknotenpunkt. Dadurch ergibt sich zwar nach wie vor nicht die bis Dezember 2014 vorliegende komfortable direkte Busverbindung, aber immerhin ein Kompromiss für diejenigen, die sich von der Außenwelt „abgehängt“ fühlen.

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