Bildung statt Brot?

Titel UniSPIEGEL
Titel UniSPIEGEL

von Mandy Joachim Wir hier in Potsdam studieren aus den verschiedensten Gründen. Aber ein großes Ziel haben wir wohl alle gemeinsam: ein nach unseren Ansprüchen schönes Leben führen. Genug zu essen, eine schöne Wohnung… na, ihr kennt den ganzen Kram ja. Für einige gehört zu diesem Lebensplan der Wunsch nach einer wissenschaftlichen Tätigkeit. Dazu ist es in nahezu allen Fällen notwendig, eine Doktorarbeit zu schreiben. Doch damit setzt sich betreffende Person einer Reihe von Problemen aus.

Nicht nur, dass sie Thema und Betreuer_in finden muss. Die größte Herausforderung ist wohl die Finanzierung. Also die Frage: Wie zum Geier soll das Ding mich ernähren, während ich es schreibe? Einige Studis haben das Glück und die entsprechenden Noten, ein Stipendium zu bekommen. Die anderen haben entweder reiche, gutmütige Eltern oder einen ausgesprochen beschwerlichen Weg vor sich. Nebenbei zu arbeiten, ist eine Möglichkeit, sich zumindest einigermaßen den Lebensunterhalt zu sichern. Am besten macht man das dann doch gleich an der Uni?! Passt doch! Gleich einsteigen ins Geschäft und da muss es doch auch genug Geld geben für die viele Arbeit. Oder?!

Die Initiative Intelligenzija beschäftigt sich mit diesen und ähnlichen Problemen und engagiert sich für die Belange von wissenschaftlichem  Nachwuchs, nicht festangestelltem Lehrpersonal sowie Niedriglöhnern in Angestelltenverhältnissen an der Uni Potsdam. Sabine Volk und Michael Bahn, beide Promotionsstudierende und Lehrbeauftragte, haben Intelligenzija bereits 2009 ins Leben gerufen.

Ziel der Initiative ist die Verbesserung der Situation von Lehrenden & Studierenden der Uni Potsdam. Auf ihrer Homepage, bei facebook und in vielen Interviews in verschiedensten Medien machen sie sich für ihre Sache stark. Aktuell wollen die Aktiven ihre Ziele mit einer Petition konturieren, welche auf der Homepage der Intelligenzija unterzeichnet werden kann.

Die speakUP hat die Initiative gebeten, ein kurzes Statement zu ihrem Anliegen abzugeben. Dies und die Reaktion der Uni-Leitung, an die sich die Kritik der Intelligenzija hauptsächlich richtet, findet ihr in der vorliegenden Ausgabe. Die Redaktion wird die Entwicklung der Initiative weiter verfolgen und regelmäßig darüber berichten.

Statement der Intelligenzija
„Exzellenz in der Lehre“ – wie zynisch klingen diese Worte angesichts der Situation zahlreicher Lehrenden und Studierenden an der Universität Potsdam! Dennoch zeigte sich  die  Universitätsleitung erst nach dem Gang an die Öffentlichkeit zu einem Gespräch bereit. Unsere daran geknüpften Hoffnungen wurden bitter enttäuscht.
Wir bemühten uns um einen konstruktiven Dialog und stießen auf eisigen Gegenwind: Man gab sich ahnungslos ob der Situation der Lehrbeauftragten, konnte oder wollte uns keine genauen Zahlen über den Anteil der durch Lehrbeauftragte abgedeckten Lehre an der Uni nennen, zog uns für das in den Augen der Universitätsleitung verantwortungslose Verhalten unserer Professor_innen zur Rechenschaft, versuchte die Problemlage herunterzuspielen und uns als promotionsstudierende Lehrbeauftragte vom Rest der prekär Beschäftigten abzuspalten. Es wurde uns geraten, die Universität Potsdam möglichst schnell zu verlassen.
Ein erstaunliches Verhalten angesichts der Tatsache, dass der universitäre Betrieb ohne die Arbeit der Lehrbeauftragten und der übrigen Prekären schon jetzt nicht mehr zu stemmen wäre.

Reaktion der Unileitung
Vergabe und Vergütung von Lehraufträgen werden in Deutschland durch den Gesetzgeber geregelt. Dieser hat die Person des Lehrbeauftragten als jemanden charakterisiert, der beruflich außerhalb der Hochschule fest verankert ist und das Lehrangebot mit seinen speziellen praktischen Erfahrungen ergänzt. In unserer Hochschule werden etwa zehn Prozent des Lehrangebots von Lehrbeauftragten übernommen. Damit liegen wir unter dem  Bundesdurchschnitt. Lehraufträge werden im Land Brandenburg mit Summen zwischen 16 und 52 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde entlohnt, je nach Qualifikation. Das kann nicht mehr sein, als eine Anerkennung des zusätzlichen Aufwandes und auf keinen Fall einzige Lebensgrundlage. Unterstrichen werden muss, dass besoldete Lehraufträge kein Instrument zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind. Hierfür existieren andere Instrumente. In erster Linie das Promotionsstipendium im Rahmen der strukturierten Doktorandenausbildung. Es liegt in der Verantwortung der betreuenden Hochschullehrerinnen und  –lehrer, ihren Doktorandinnen und Doktoranden den Zugang zu diesem Förderinstrument zu gewährleisten.

Dr. Thomas Grünewald, Vizepräsident für Lehre und Studium

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