Anzeige
campusLEBEN Ganz vorn — 20 Februar 2017

Die Westfassade des Landtages. Foto: Julia Hennig

Neben dem neu eröffneten Museum Barberini prägt ein weiteres Gebäude das neue Stadtbild des Alten Markts: Der Landtag in Potsdam, der in der Fassade des alten Stadtschlosses seit Ende 2013 das Parlament von Brandenburg beherbergt. Seitdem präsentiert sich der Landtag mit seinen Angeboten des Besucherdienstes als offenes Haus. speakUP hat diese für euch getestet und berichtet euch davon. Von Julia Hennig.

Mit seinem Umzug ins neue Gebäude in der Potsdamer Mitte Ende 2013 wollte das Parlament sich bewusst der Bevölkerung öffnen. Zuvor hatte es direkt nach der Wiedervereinigung am Standort Heinrich-Mann-Allee 107, dem vorherigen Sitz des Rates des Bezirkes Potsdam, getagt. Wegen Gerüchten über eine unzureichende Bausicherheit des Standortes zog es schließlich auf den Brauhausberg, wo es ab dem 25. September 1991 tagte. Am 20. Mai 2005 beschloss der Landtag schließlich, künftig am Alten Markt zu tagen. Den Anfang machte das Fortunaportal, das durch Spenden von Bürgern, Vereinen und Mäzenen am 12. Oktober 2002 eingeweiht wurde. Ihm folgte in den Jahren 2010 bis 2013 der Bau des Landtages nach dem Vorbild des früheren Knobelsdorff’schen Schlosses aus dem 18. Jahrhundert.

Ceci n’est pas un château oder Das hier ist kein Schloss

Wer diese Vorgeschichte kennt und noch etwas Französisch kann, versteht auch den Satz, der in goldenen Lettern auf der Westfassade des Landtages prangt. Damit soll mit Referenz auf das Gemälde La trahison des images angedeutet werden, dass das Gebäude nur vorgibt, ein Schloss zu sein. Dies knüpft an die wechselvolle Nutzung des Schlosses an, das unter den preußischen Königen als Residenz gebaut worden war. Nach der Revolution von 1918 gehörte es zur 1927 gegründeten „Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten“ und wurde bis zum Jahr 1941 als Museum genutzt. Jedoch hat auch die parlamentarische Nutzung eine Tradition, da seit dem 10. September 1920 die Stadtverordnetenversammlung im neuen Schlosssaal tagte. Nachdem das Schloss den Zweiten Weltkrieg fast bis zum Schluss unversehrt überstanden hatte, brannte es am 14. April 1945 nach einem britischen Luftangriff bis zur Umfassungsmauer nieder. Obwohl aber Teile der Fassaden erhalten blieben, wurde das Schloss auf einen Beschluss des Politbüros in den Jahren 1959 und 1960 abgerissen.

Was können Besucher_innen heute im Landtag machen?

Plenarsaal im Landtag. Foto: Julia Hennig

Jeden Freitag können Einzelbesucher_innen zwischen 15 und 17 Uhr (aktuell um 16 Uhr) an einer einstündigen kostenlosen Führung durch den Landtag teilnehmen. Dabei erhalten die Teilnehmer_innen auch einen Einblick hinter sonst verschlossenen Türen wie den Vortragsraum mit dem Archäologischen Fenster. Dort sieht man einen Ausschnitt aus einem Keller, der in den 60er Jahren des 17. Jahrhundert erbaut wurde. Weiter geht es durch das Treppenhaus, mit den für das Gebäude typischen Farben rot und weiß, in den Plenarsaal. Dort erhalten Besucher_innen Informationen zu den Plenarsitzungen, die auch von der Besuchertribüne aus verfolgt werden können. Wer danach noch Lust hat, kann den Ausblick von der Dachterasse der Kantine auf den Alten Markt genießen. Die Kantine ist unter der Woche für Mitarbeiter_innen und Besucher_innen geöffnet, diese zahlen lediglich den teureren Preis für Gäste (zwischen 3,80€ und 6,50€).

Der Landtag ist also kein verschlossenes Gebäude, sondern ein offenes Haus für alle Besucher_innen. Daher können alle ohne Anmeldung das Gebäude betreten und zum Beispiel die wechselnden Ausstellungen, die im Foyer, im Treppenhaus sowie auf den frei zugänglichen Fraktionsfluren untergebracht sind, besuchen.

Share

About Author

redaktion

(1) Reader Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.