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campusKULTUR Featured Ganz vorn — 31 Mai 2017

Das heutige Filmmuseum Potsdam: ein Gebäude mit bewegter Geschichte. Foto: Julia Hennig.

Über zwei Jahrhunderte lang prägten die preußischen Herrscher die Stadtgeschichte Potsdams und sein Stadtbild. Den Grundstein legte Kurfürst Friedrich Wilhelm (reg. 1640-1688), der Potsdam als zweite Residenzstadt ausbaute. Infolgedessen kam es zu der Errichtung von zahlreichen repräsentativen und militärischen Gebäuden, die sich in ihren Funktionen an die jeweiligen Herrscher anpassten. speakUP zeigt euch in einem Rundgang eine Auswahl der ältesten Bauwerke im Zentrum Potsdams. Von Julia Hennig.

Unser Rundgang beginnt am Marstall, das seit 1981 das Filmmuseum beherbergt und das älteste von sechs deutschen Filmmuseen darstellt. Die Pferdegruppen über dem Hauptportal verweisen jedoch auf eine ganz andere Funktion des Gebäudes, das von 1746 bis 1922 als Pferdestall genutzt worden war. Ursprünglich diente es nach dem Bau des Stadtschlosses, dem heutigen Landtag, ab 1685 als Orangerie zur frostsicheren Unterbringung von exotischen Pflanzen. Damit stellt der Marstall das älteste erhaltene Gebäude im Zentrum Potsdams dar, das im Laufe seiner Geschichte verschiedenste Funktionen erfüllte. Heute werden im Filmmuseum die Dauerausstellung „Traumfabrik- 100 Jahre Film in Babelsberg“ (Eintritt: ermäßigt 4€) und verschiedene Wechselausstellungen gezeigt. Zudem werden täglich (außer montags) historische wie auch aktuelle Filme vorgeführt.

Route vom Marstall über das Waisenhaus-Museum entlang dem Stadtkanal zum Kutschstall. Karte: google maps.

Die Versorgung der Soldatenkinder: Das „Große Waisenhaus“

Monopteros-Turm mit goldener Caritas-Figur des Großen Militärwaisenhauses. Foto: Julia Hennig.

Zur nächsten Station gelangt ihr, indem ihr ca. 400m der Breiten Straße Richtung Westen folgt und bei der Hausnummer 9a in den Innenhof einbiegt. In diesem Waisenhaus wurden seit der Gründung durch Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1724 bis 1952 unter unterschiedlichen Gegebenheiten Kinder versorgt, verpflegt und erzogen. Sein Sohn Friedrich II. („der Große“) ließ das Haus, das durch die Kriege zu klein und zudem sanierungsbedürftig geworden war, abreißen. Stattdessen wurde ab 1771 ein spätbarocker Bau errichtet, der durch den 26 Meter hohen Monopteros-Turm und die goldene Figur der Caritas weiterhin sichtbar war. Heute ist in dem Gewölbekeller des ehemaligen Musikerhauses eine kleine Ausstellung untergebracht, die die unterschiedliche Nutzung des Waisenhauses darstellt. Ein Ausstellungsbesuch ist Montags bis Freitags von 10-17 Uhr nach Anmeldung unter museum@stiftungswaisenhaus.de oder telefonisch unter 0331 281 466 möglich (Eintritt 3€).

Ein fast vergessener Kanal ohne Wasser: Der Stadtkanal

Blick auf den rekonstruierten Stadtkanal. Foto: Julia Hennig.

Weiter geht es durch den Innenhof des Waisenhaus Museums zur Dortusstraße, an deren erster Kreuzung ihr rechts in die Yorckstraße am alten Stadtkanal abbiegt. Heute sind nur Teilstücke des alten Stadtkanals sichtbar, die im Rahmen der Vorbereitungen für die BUGA 2001 durch einen Förderverein gebaut wurden, aber nur selten geflutet werde. Ursprünglich wurde der Stadtkanal durch Friedrich Wilhelm I. ab 1722 angelegt, um die Potsdamer Altstadt, die von Sümpfen durchzogen war, nach holländischem Vorbild zu entwässern. Ursprünglich führte der Kanal vom östlichen Ende in der Nähe der Großen Fischerstraße bis zur Dortusstraße, um dort nach nach Süden zur Einmündung in die Havel abzubiegen. Der Kanal fungierte bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts als Marktplatz für den Fischverkauf aus der Havel. Nachdem er schließlich verschlammt war, wurde er 1961 auf Veranlassung der Stadt zugeschüttet. Heute ist seine frühere Nutzung nur noch an dem Straßennamen „Am Kanal“, östlich der Friedrich-Ebert-Straße und an einzelnen Hinweistafeln des Fördervereins erkennbar.

Forschungszentrum in der Mitte Potsdams: Der Neue Markt

Kutschstall am Neuen Markt. Foto: Julia Hennig.

Die letzte Station erreicht ihr, indem ihr am alten Stadtkanal Richtung Friedrich-Ebert-Straße entlang geht und kurz vor der Kreuzung rechts in die Siefertstraße einbiegt, die direkt zum Neuen Markt führt. Nach dem Bau des Stadtschlosses diente der rechteckige Platz am Neuen Markt ursprünglich als Reitstall. Nachdem die ehemalige Orangerie ab dem Jahr 1714 als Marstall genutzt wurde, wurden an diesem Platz die königlichen Kutschpferde untergebracht. Diese Funktion gab dem Haus seinen heutigen Namen: Kutsch(pferde)stall. Das erhaltene Gebäude wurde von König Friedrich Wilhelm II., dem Neffen König Friedrich II. von 1787-1790 errichtet. Bei genauer Betrachtung der Figurengruppe am Portikus fällt auf, dass sie eine Quadriga mit dem Leibkutscher König Friedrich II. und Stallburschen bei der Arbeit zeigt. Statt seinem Onkel zeigt der Bauherr hier mit den Stallburschen also das einfache Volk. Heute befindet sich im Kutschstall das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, das in seiner Dauerausstellung rund 900 Jahren Landesgeschichte zeigt (Eintritt: ermäßigt 3,50€, freitags 2€). Zusammen mit dem Einstein-Forum, dem Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien und dem Zentrum für zeithistorische Forschung bildet der Neue Markt seit 1990 das geisteswissenschaftliche Forschungszentrum Potsdams.

Bei unserer Vorbereitung wurden wir inspieriert vom Buch „Potsdam. Der historische Reiseführer“ von Maren Richter und Winfried Sträter (2015), das ihr ebenso wie viele andere Bücher in der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung kostengünstig erwerben könnt.

 

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