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campusKREATIV — 14 Oktober 2013
Gehirm im MRT

Gehirm im MRT (Bild: Charité Berlin)

Pünktlich zum Semesterstart kommt für viele neue Student_innen nach dem Start die Ernüchterung: Wohnraum in Potsdam ist teuer, Partys kosten viel Geld, die Lebensmittelpreise steigen. Da freut sich jeder Studi über leichtverdientes Geld. Wir schauen uns im zweiten Teil der Reihe „Ungewöhnliche Student_innenjobs“ die Möglichkeit des Geldverdienens als medizinische_r Probant_in an.

Geld verdienen im Liegen? Ja, das ist möglich. Ich habe es im letzten Jahr ausprobiert. Immer wieder werden für medizinische und insbesondere psychologische Studien Proband_innen gesucht, die sich für Befragungen und komplette Interviews in einen Magnetresonanztomographen (kurz MRT) legen.
In der Magnetresonanztomographie werden mittels digitaler Schnittbilder, die durch starke magnetische Felder im Radiofrequenzbereich entstehen, Teile des menschlichen Körpers auf Erkrankungen untersucht. Beispielsweise wird dann geschaut, ob ein Tumor vorhanden ist oder nicht.

Im konkreten Fall hing im Herbst 2012 am schwarzen Brett der Mensa Griebnitzsee ein Zettel der Charité, wo Teilnehmer_innen gesucht wurden, die sich für einen einstündigen Test in einen MRT legen wollen. Im Anschluss wurden noch weitere Interviewfragen ohne MRT gestellt. Thema der Studie war „Neurale Korrelate der Panikstörung“.

Zu Beginn füllte ich einige Fragebögen aus. Dann ging es ab in die Röhre. Platzangst sollte man nicht haben, die Röhre ist ziemlich eng gebaut. Ich legte mich vor dem Reinschieben auf eine Liege und bekam einen Kopfhörer aufgesetzt. Gleichzeitig war es ein Gehörschutz, dazu später mehr. Ich bekam auch eine Art Datenbrille auf die Augen, auf der die späteren Fragen und Bilder eingeblendet wurden.
Zusätzlich wurde in die rechte Hand eine Art Spielekonsole gedrückt. Damit sollte ich während des Tests nach gezeigten Bildern oder gestellten Fragen eine Auswahl treffen. Es gab eine Skala, auf welcher ich bewerten sollte, wie stark ich Angst empfunden hatte – oder eben nicht. Zusätzlich zur Konsole gab es auch einen Schlauch, an dem ein Notfallknopf befestigt war, ich hätte laut Studienleitung ohne Angabe von Gründen aufhören können.

Dann ging es ans Eingemachte. Die Ärzte, die die Studie betreuten, saßen hinter einer Glaswand in einem Nebenraum. Ich fühlte mich für einen Moment hilflos, aber ich kannte das schon aus einer anderen Studie der Freien Universität Berlin (FU), wo ich sogar zwei Stunden in so einer solchen Röhre steckte.
Mittels Sprachansage wurde gefragt, ob es mir gut gehe, dann wurden die Fragen und Bilder eingeblendet. Anstrengend war in der Stunde über die Enge und vor allem die Lautstärke. Bestrahlt und untersucht wurde der Kopf. Und so ratterte, surrte und brummte es die ganze Zeit wie verrückt.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Lohnt es sich finanziell? Als regelmäßiger Nebenjob – nein. Solche Studien sind recht selten zu finden. Stimmt das Geld? Jein, bei der Studie an der FU gab es 25 Euro für zwei Stunden, bei der Charité auch. Aber durch die weiteren Untersuchungen dauerte es dort fast sechs Stunden. Am Ende gab es als Schmankerl wenigstens eine CD mit Fotos vom eigenen Gehirn.
Allerdings gab es von der Charité am Schwarzen Brett in den Potsdamer Mensen diesen Sommer wieder ein Gesuch, wo es um die 250 Euro für 3 Nächte im Schlaflabor gab. Das wiederum wäre eine lohnenswerte Sache.
Fazit: Wer von Euch nicht nur kellnern gehen, sondern auch mal im Liegen oder im Schlaf Geld verdienen will, der ist bei Studien mit Magnetresonanztomographie an der richtigen Adresse.

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