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campusPOLITIK Featured Ganz vorn — 15 März 2017

V.l.n.r.: Karin Wagner, Dr. Martina Weyrauch, Susanne Feldkötter und Henrike von Platen. Foto: Simone Ahrend

Während der „Gender Pay Gap“ in Deutschland bei 21% liegt, beträgt er in Brandenburg nur 6%. Ist dies also ein gutes Zeichen? Wie lässt sich diese Differenz erklären? Und wie sieht die Situation der Frauen in Brandenburg tatsächlich aus? Diese Fragen wurden bei einer Podiumsdiskussion in der Landeszentrale für politische Bildung am 6. März thematisiert. speakUP war für euch vor Ort dabei und gibt euch hier einen Einblick in die Debatte. Von Julia Hennig.

Bald, am 18. März, wird mit dem Equal Pay Day wieder an die ungleiche Lohnverteilung zwischen Männern und Frauen erinnert. Neben dem Kongress in Berlin wird es in ganz Deutschland verschiedene Aktionen geben, die auf die Lohnlücke aufmerksam machen sollen. Diese Lohnlücke von 21% wird durch den 18. März symbolisiert: Bei gleichem Stundenlohn von Männern und Frauen würden Frauen bis zum 18. März umsonst arbeiten. Die Podiumsdiskussion, die in Kooperation mit dem Frauenpolitischen Rat des Landes Brandenburg durchgeführt wurde, warf den Blick speziell auf unser Bundesland und die vergleichsweise niedrige Lohnlücke.

Niedriglohnland Brandenburg

Susanne Feldkötter, Bezirksgeschäftsführerin für Potsdam-Nordwestbrandenburg bei ver.di, erklärte in 7 Thesen die besonderen Hintergründe des Gender Pay Gap in Brandenburg. Zu Anfang stellte sie fest, dass es in Brandenburg, verglichen mit den westlichen Bundesländern, generell zu wenig gut bezahlte Arbeitsplätze gebe. Zudem seien die gut qualifizierten Frauen in andere Bundesländer ausgewandert, so dass eine „Abstimmung mit den Füßen“ stattgefunden habe. Ein weiterer Faktor sei das Fehlen von (guten) Tarifvertägen, so dass es in Brandenburg auch keinen branchenabhängigen Gender Pay Gap gebe.

Zudem bestehe bei Frauen eine Angst um ihren Arbeitsplatz, die Streiks verhindere. Des Weiteren forderte die Rednerin, dass typische Frauenberufe aufgewertet werden müssten. Mit Blick in die Zukunft prognostizierte sie, dass der Gender Pay Gap ansteigen wird, wenn auch das Lohnniveau in Brandenburg ansteigen wird. Mit ihrem Vortrag stellte Frau Feldkötter somit den Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Lohnniveau und dem Gender Pay Gap her, der einigen Zuhörer_innen vorher sicherlich nicht klar war.

Wie hat sich die Gender Pay-Debatte bis heute entwickelt?

Nach Henrike von Platen, FairPay-Expertin, sei der Gender Pay Gap heutzutage in der Öffentlichkeit anerkannt, so dass heute nicht über die Lohnlücke, sondern über die Größe der Lücke diskutiert werde. Ein wichtiger Schritt für diese Diskussion sei aber, dass in der Gesellschaft über die Höhe des Lohns geredet werde. Diese Forderung betonte auch Karin Wagner, die aus ihrer Erfahrung als Betriebsrätin die Debatte kommentierte. Nach ihrer Meinung sei der Kampf um eine gleiche Bezahlung schwieriger geworden. Zwar hätten Frauen heute das Recht, nach einer Elternzeit in Teilzeit in den Beruf zurückzukehren, jedoch blieben sie teilweise auf der Teilzeit- und nicht Vollzeitstelle. Grundvoraussetzung für eine Änderung der Lohnlücke sei also die Diskussion über den Lohn, auch und vor allem zwischen den Geschlechtern.

Wie kann es weitergehen? Ein Ausblick in die Zukunft

Am Internationalen Frauentag wurde in vielen Medien darüber berichtet, dass isländische Unternehmen künftig allen die gleichen Löhne zahlen müssen. Auch in der Podiumsdiskussion wurde die Rolle der Politik diskutiert. Allerdings wurde die Beobachtung geäußert, dass viele Frauen die Erwartungshaltung hätten, dass die Politik und nicht sie das Problem löse. Mit Blick auf die USA äußerte Frau von Platen hingegen den Wunsch, dass es hier ähnlich den „Women’s Marches“ gegen Trump, große Demonstrationen von Frauen geben werde. Wichtigstes Mittel für einen gerechten Lohn ist aber vor allem eins: Die Kommunikation.

Logo: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

Neben dieser Veranstaltung bietet die Landeszentrale noch viele weitere spannende Veranstaltungen. Aktuell läuft auch die Ausstellung „Pizza aus Polen. Neue Nachbarn in alten Häusern“, die das Zusammenleben nahe der Grenze darstellt. Zudem könnt ihr als Brandenburger_innen pro Jahr 20 Bücher zu sehr günstigen Preisen bei der Landeszentrale kaufen.

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