ich verkaufe meinen körper nicht, ich hab ihn danach noch

Die Vorlesungsreihe „Ware SEX Macht ARBEIT“ fand am 1. Februar im KuZe-Theatersaal  ihr vorläufiges Ende. Ein Interview mit den beiden Organisatorinnen Cora vom „Archiv für Feminismus und kritische Wissenschaften“ und Vicky vom Referat für Geschlechterpolitik eures AStA. von Teresa Renner

Bei der Auftaktveranstaltung habt ihr das Audi- Max mit dem Tabu-Thema Prostitution gefüllt, heute im KuZe-Theatersaal reden zwei Referentinnen über Menschenhandel und Zwangs-Prostitution. Wie seid ihr auf das Thema Sex-Arbeit gestoßen?

CORA: Im Sommer 2009 gab‘s die Debatte um den Straßenstrich an der B2 bei Potsdam. Kurz danach ging‘s in den Medien um „Flatrate-Bordelle“, wie dem Pussy-Club in Berlin-Schönefeld, in denen man(n) für einen Festpreis mit so vielen Prostituierten Sex haben konnte, wie man(n) wollte/konnte. Wir wollten dieser medialen Perspektive von außen, die die Sexarbeiter_Innen immer als Opfer, statt als Akteur_Innen darstellt, etwas entgegensetzen.

VICKY: Prostitution ist auch Arbeit, eben Sex-Arbeit. Uns ging‘s darum, dieses Arbeitsverhältnis als selbstbestimmte, legitime Lohnarbeit darzustellen, wie jede andere. Gleich bei der ersten Veranstaltung waren zwei sympathische, selbstbewusste Sex-Arbeiterinnen da, die haben unser Bild von Prostituierten ganz schön auf den Kopf gestellt: „Ich verkaufe meinen Körper nicht, ich hab ihn danach noch.“

CORA: Was spiegelt die Prostitution eigentlich für Vorstellungen von Geschlechterrollen und Sexualität wider, welche Sexual-Moral wird uns da gezeigt? Wir können unsere Gesellschaft in der Prostitution erkennen, das hat uns an dem Thema gereizt.

Wie lief die Vorlesungsreihe bisher?

CORA: Uns hat‘s Spaß gemacht! Wir hatten einen relativ festen Publikumsstamm von Studierenden, aber auch viele Schüler_innen kamen regelmäßig.
VICKY: Und die Diskussionen waren immer sehr rege. Die Referierenden haben das quasi unentgeltlich gemacht, die kamen also weil sie echt Lust auf den Meinungsaustausch hatten.

Und wie geht’s danach weiter?

VICKY: Als  i-Tüpfelchen zu unserer Reihe planen ein paar engagierte Studierende gerade noch eine zusätzliche Veranstaltung. Nur soviel: Es wird um Bordelle in Konzentrationslagern gehen.

CORA: Wir machen uns jetzt an die Arbeit für den Reader zu „Ware SEX Macht ARBEIT“. Und im nächsten Semester wollen wir eine Veranstaltungsreihe zum Thema Sexualität und Macht organisieren.

Was tut sich sonst gerade im „femarchiv“ und dem GePo-Referat?

VICKY: Das femarchiv ist durch die Veranstaltung hoffentlich etwas bekannter geworden. Wir haben gerade neue Bücher zu dem Thema Sexarbeit bestellt, also Leute, kommt vorbei! Am 25. Januar hat die Juso-Hochschulgruppe sich von uns durchs femarchiv führen lassen, das war auch für uns sehr spannend. Demnächst kommt das StuPa zu Besuch. Und pünktlich zum Hochschulsommerfest eröffnen wir die neue Ausstellung „Sexismus in der Werbung“, wir wollen dort einen Schwerpunkt auf die Uni Potsdam legen.

Bei der Veranstaltung heute geht’s um Frauenhandel und Zwangsprostitution. Das Thema ist medial eher tabu, weil sich in Deutschland nur wenige Menschen direkt betroffen fühlen. Man sieht‘s ja nicht…

VICKY: Ne, im Gegenteil. Zwangsprostitution ist ein Lieblings-Thema der Medien, Blut verkauft sich doch viel besser. Wir wollten das Thema trotzdem aufgreifen, denn es gehört leider dazu.

CORA: Ja, das Thema spielt in den Medien eine große Rolle. Das Problem daran ist, dass die mediale Berichterstattung die allgemeine Sicht auf Sexarbeit so einfärbt, dass Prostitutierte grundsätzlich als Opfer angesehen werden. Gerade migrantischen Sexarbeiter_innen wird die eigenständige Entscheidung zur Arbeitsmigration und zur Tätigkeit als Sex-Dienstleister_innen abgesprochen. Es ist wichtig zu trennen – und das passiert im Mainstream-Diskurs selten bis nie – zwischen den Phänomenen Sexarbeit einerseits, und Menschenhandel und Zwangsarbeit andererseits. Natürlich ohne  die „Zwangsprostitution“ zu relativieren. Zwangsarbeit stellt aber immer eine zu bekämpfende Menschenrechtsverletzung dar, unabhängig davon, wozu die Opfer genötigt werden. Wenn dies dann Sexarbeit ist, verschärft das vielleicht noch die Grausamkeit der Tat, hat aber mit Sexarbeit als solche nichts zu tun. Wenn Menschen zu Küchenarbeit in sklavenartigen Bedingungen gezwungen werden sagt auch niemand: „Oh Gott, wir müssen Großküchen verbieten!“ Machen wir uns lieber auf die Suche nach den Motoren von Menschenhandel und Zwangsverhältnissen in der Sexarbeitsindustrie: Nämlich restriktive Migrations- und Arbeitsgesetzgebung und gesellschaftliche Stigmatisierung. Doch dazu werden wir sicher heute abend noch einiges hören.

Was war denn los Ende November, als die heutige Veranstaltung eigentlich stattfinden sollte?

VICKY: Tja, da hat die Kommunikation leider nicht so gut geklappt. Aber obwohl die Referentin vom Ban Ying e.V. nicht kam, hatten wir spontan eine richtig tolle Diskussion mit den Leuten. Bis dahin hatten sich schon jede Menge Fragen gesammelt, auf die wir in diesem Moment eingegangen sind. Und den Input zum Thema liefern uns heute nachträglich Naile Tanis und Barbara Eritt vom KOK e.V., dem „Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess“.

Na, Lust bekommen? Weiterlesen!

Magazin „sul serio“, Ausgabe 13: „WARE LUST MACHT ARBEIT“ (Winter 2008). Zu finden im Internet unter www.reflect-online.org/magazin. Den „Ware SEX Macht ARBEIT“-Reader gibt‘s bald im femarchiv, KuZe, Café Eselsohr und im Studi-Café Golm und natürlich bei eurem AStA im Büro oder im Internet unter www.astaup.de.

One Reply to “ich verkaufe meinen körper nicht, ich hab ihn danach noch”

  1. prostitution ist grundsätzlich abzulehnen, da vorallem die armut in erster linie der prostituion vorausgeht.

    kampf der armut!

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