(Un)gerechte Sprache: Why sexist language matters!

Businessfrau am Steuer„Ok Guys, now let‘s turn right to Alexanderplatz!“ Diese Aufforderung drang mir neulich in die Ohren, als ich mit dem Rad in eine Truppe spanischer Tourist_innen geriet. Was mir auffiel war, dass in dieser  fröhlich radelnden Masse maximal zwei Männer anwesend waren und ihr Guide sie trotzdem mit dem generischen Maskulinum, also als grammatikalisch männlich ansprach. Dieser kleine Vorfall stimmte mich nachdenklich. Von Juliane Fischer.

Je nachdem wie Menschen angesprochen, bezeichnet oder eben auch sprachlich ignoriert werden, beeinflusst dies nicht nur die betroffenen Personen, sondern auch deren soziales Umfeld. Was also macht Sprache mit Menschen? Sie spiegelt das Verhalten zueinander wieder, reproduziert es und beeinflusst es unzweifelhaft auch. Dies gilt ebenfalls für das Verhältnis der Geschlechter.
Ein interessanter und empfehlenswerter Aufsatz zum Thema Sprache und Sexismus wurde von Sherryl Kleinman verfasst. „Why Sexist Language Matters“ lautet der Titel und stellt mit unterhaltsamen Beispielen aus dem Alltag dar, warum geschlechterungerechte Sprache eben nicht egal ist und dieses Thema alle betrifft. Es geht hier nicht um Beschimpfungen oder andere offentsichtliche Formen der frauenfeindlichen Verwendung von Sprache, sondern um jenes alltägliches Ignorieren von Frauen, das vielen so normal erscheint. Denn Sprache spiegelt unsere Realität wieder, in welcher Frauen von einem männlichen Denken dominiert werden, sie in ihrer Entwicklung gehemmt und bei Beförderungen übergangen werden.

Jede_r Sprecher_in bezieht mit ihrem Sprachgebrauch Position und nimmt somit aktiv Teil an der Gesellschaft, die nach wie vor geprägt ist von Stereotypen, Normen- und Rollenvorstellungen das Verhalten der Geschlechter betreffend. Sprache und Handeln sind eng miteinander verbunden und somit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass mein Sprechen auch mein Handeln beeinflusst. Kleinman hält hierzu fest: “words are tools of thought“ und bringt somit die Bedeutung der Sprache treffend auf den Punkt. So untersucht sie zum Beispiel Berufsbezeichnungen, die eindeutig auf das Geschlecht des Bezeichneten verweisen, wie postman, congressman oder fireman. Vermutlich entstammen diese Bezeichnungen einer Zeit, in der diese Berufe nur von Männern ausgeführt wurden und daher gar nicht erst die Idee aufkam, Frauen in diese Berufe zu involvieren oder sie in diesem Bereich sprachlich einzubeziehen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Frauen sind in Wirtschaft und Politik vertreten, bekleiden Minister_innen-Posten und nehmen auch in bedeutenden Unternehmen Führungspositionen ein. Es ist somit notwendig, sie direkt zu benennen, um diese veränderte Realität zu reflektieren und sie nicht zu ignorieren.

Darüber hinaus sind wir uns wohl einig, dass sich weitaus mehr Frauen, als die selbstbewussten Einzelfälle, in besagte Führungspositionen vorwagen sollten und Probleme, wie „gender pay gap“ und „gläserner Decke“ noch lange nicht Geschichte sind. Diese Verhältnisse müssen ausgesprochen und angesprochen werden, damit sie erkannt werden und somit weitere Schritte zur Veränderung gegangen werden können. Gesprochene Sprache lässt sich jedoch schwerlich festgesetzten Regeln unterwerfen und man kann jeden Tag beobachten, dass etwas nicht mehr so oder so benannt wird, nur weil es bestimmte Gebote gibt. Das Sich-Einlassen auf neue Formulierungen, die Suche nach Alternativen und den Umgang mit der Sprache bewusster zu gestalten, ist gerade heute notwendig und gehört nicht zum alt-feministischen Stänkern. Denn das Ziel ist es nicht, in der “feminist bubble“ vor sich hin zu diskutieren, sondern aktiv die Realität zu verändern.

Wie konservativ und festgefahren das Denken bezüglich der Sprache nach wie vor ist, stellt sich spätestens dann heraus, wenn das Ansprechen einer gemischten Gruppe einmal anders erfolgt. Wenn, wie in (feministisch) bewusst denkenden Kreisen üblich, diese Gruppe in der grammatikalisch weiblichen Form angesprochen wird, wie bspw. „liebe Teilnehmerinnen“, beginnt in vielen Köpfen eine Verwirrung, die sich in Kopfschütteln oder Gekicher äußert. Hihi, der Junge wurde als Mädchen angesprochen, dabei ist er doch gar keins… Wieso aber ist es so normal, wenn es andersherum passiert?

Eine Antwort auf „(Un)gerechte Sprache: Why sexist language matters!“

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag und dem Beweis dafür wie verdreht man doch die Sprache wahrnehmen kann.
    Ich fühle mich hierdurch bestätigt auch in Zukunft explizit auf jegliche Form des Gender in meinen Texten zu achten und zu unterdrücken.

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