Keine Plätze für Studis am Computer

Die Gemüter der immer wieder abgelehnten Studierenden sind erhitzt. Das kann böse ausgehen. (Foto:  igor - fotolia.com)
Die Gemüter der immer wieder abgelehnten Studierenden sind erhitzt. Das kann böse ausgehen. (Foto: igor – fotolia.com)

Wer kennt das nicht? Mühevolle Erarbeitung des Stundenplans, Rechtzeitiges Eintragen in PULS und dann erfährt man, dass die oder der Dozent_in einen abgelehnt hat. Und nun? Ein weiteres Semester warten! Zugangsbeschränkte Lehrveranstaltungen finden sich in allen Studiengängen, so auch im EDV-Bereich. Von Angelina Wiederhöft.

Besonders schwer ist es für Studenten_innen, einen Platz in den elektronischen Kursen zu ergattern. Unter dem Teilmodul „Digitale Informationsverarbeitung und Visualisierung“ findet sich eine scheinbar respektable Anzahl an Kursen rund um den Computer. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass wohl die Wenigsten einem Newbie in der Welt der Datenverarbeitung nützlich sind: Im Wintersemester 2012/13 wurden lediglich acht von 23 Kursen für „Anfänger_innen“ angeboten. Nicht jede_r möchte gleich die Tiefen des Programmierens erlernen oder erst einen Sprachkurs absolvieren, um den Kurs überhaupt belegen zu können. Hinzu kommt, dass lediglich fünf Dozent_innen und wenige Tutor_innen den EDV-Bereich abdecken. Zwar finden sich einige Angebote über die ZEIK, aber diese werden nicht bei den Schlüsselkompetenzen angeboten. Das Präsidialamt, unter der Leitung von Prof. Musil, sowie Studiumplus wurden frühzeitig, also noch vor Beginn des Wintersemesters 2012/13, über das Ausscheiden von zwei Lehrbeauftragten in Kenntnis gesetzt. Darauf folgte jedoch keine neue Einstellung, wie sich im Oktober 2012 für viele Studierende zeigte. Erneut wartete man vergebens auf eine Zulassung zum Kurs. Selbst Sechstsemestler_innen waren schon betroffen, wie durch eine Befragung der Studierenden ermittelt werden konnte. Viele standen vor einem Crash ihres sorgfältig ausgearbeiteten Stundenplanes.

Der Zulassungsprozess ist, gelinde ausgedrückt, furchtbar, denn die Dozent_innen können die unteren Semester nicht zulassen. Erst werden die Student_innen angenommen, die die höchste Anzahl an absolvierten Fachsemestern haben, dann die Notfälle (wie bei einem Uni-Wechsel) und zum Schluss die sogenannten „Zufälle“. Nachdem die ersten beiden Auswahlkriterien abgedeckt sind, bleibt jedoch nur eine geringe Chance für die „Zufälligen“. In der Regel können nur wenige glückliche Studenten_innen im sechsten Semester einen Platz ergattern. Alle jüngeren Semester haben eben Pech gehabt.

Natürlich ist es verständlich, dass die älteren Semester Vorrang haben, damit sie nicht noch ein weiteres Semester in der Waiting-Loop verbringen, da sie schon längst alle erforderlichen Kurse absolviert haben, nur eben diesen nicht. Aber was ist mit den jüngeren Semestern – sie haben doch das gleiche Problem? Zumal die Vermittlung der EDV-„Basics“ gerade am Beginn des Studiums besonders zweckmäßig wäre, so könnten die Studierenden die neu erworbenen Fähigkeiten auch während des Studiums einsetzen – und nicht erst bei der Abschlussarbeit.

Die Studiumplus-Koordinatorin, Frau Dr. Kirjuchina, bestätigte uns zwar die Kenntnis des Problems, konkrete Vorschläge zur Beseitigung lassen aber bisher auf sich warten. Denn im Stellenangebot der Universität Potsdam findet sich keine Ausschreibung im Bereich der EDV-Ausbildung. Weshalb keine Einstellungen vorgenommen werden, konnte von der speakUP bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

Im Etat der AG Studiumplus befinden sich derzeit 15.000 Euro, die zur Förderung für studentische Initiativen, wie Debattierclubs, Betreuung von ausländischen Studierenden oder sprachspezifischen Theatergruppen, vorbehalten sind. Diese Förderung von Studiumplus wird auch von der Studierendenzeitschrift „speakUP“ in Anspruch genommen. Doch im Zuge der Haushaltskürzungen der Landesregierung stand selbst dieser wichtige Fördertopf weit oben auf der Streichungsliste. Nur in letzter Sekunde konnte verhindert werden, dass die studentischen Projekte dem Rotstift zum Opfer fallen. Das Beispiel zeigt: Auch bei der AG Studiumplus – genauso wie in vielen Fachbereichen und an den Fakultäten – scheint der Etat schlicht zu gering zu sein, als dass die Nachfrage nach den gewünschten Studienangeboten auch nur annähernd gedeckt werden könnte.

Solange es keine andere nachhaltigere Lösung gibt, könnte das erfolgreiche Konzept der AG Studiumplus zur Förderung studentischer Initiativen für eine kurzfristige Verbesserung des Angebots an Lehre sorgen: Bei einem minimalen Kostenfaktor von 300 Euro für Tutor_innen könnten Computerbegeisterte den Studierenden die EDV-Kenntnisse vermitteln, wie wir es bereits von bestehenden Tutor_innen-Programmen kennen. Die Einstellung von Lehrbeauftragten steht dagegen unter der Macht des Dezernats für Personal und Rechtsangelegenheiten, daher würde es keine Überschneidung von Etats geben.

Die Stellenausschreibungen der Universität Potsdam werden vom Dezernat für Personal- und Rechtsangelegenheiten organisiert und ausgeschrieben. Im Sommersemester 2013 werden sechs Plätze für akademisches Personal angeboten, zu denen gehören u.a. eine Professur im Bereich Chemie, Betriebswirtschaftslehre, Didaktik der Anglistik. Für wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte werden fünf Lehrende gesucht, überwiegend im Zentrum für Qualifikationsentwicklung in Lehre und Studium. Jedoch nur zwei dieser Stellenangebote betreffen die EDV, aber nur als wissenschaftliche Hilfskräfte und nicht als Dozent_innen oder Tutor_innen.

Den jüngeren Semestern bleibt es also auch 2013 nicht vergönnt, in die „digitale Welt“ einzutauchen und auf der Office-Welle zu surfen. Ein Alptraum, wenn man daran denkt, dass wir im Zeitalter der digitalen Datenverarbeitung und des globalen Internets leben. Fast kein Beruf kann mehr ohne EDV bestehen, also braucht unsere Universität Potsdam dringend ein Upgrade.

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