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Blick in die Hermann-Elflein-Straße, vorne links: Das studentische Kulturzentrum (KuZe). (Foto: Julia Hennig)

Nachdem wir euch im Mai die Dortustraße und ihre Geschichte vorgestellt haben, reisen wir im Juni zwei Querstraßen Richtung Brandenburger Tor weiter. Die meisten Studierenden kennen das studentische Kulturzentrum (KuZe) in der Hermann-Elflein-Straße und waren auch schon einmal dort. Unbekannter ist hingegen die Geschichte hinter dem Straßennamen: Wer war Hermann Elflein? Und hieß die Straße schon immer so? Was gibt es auf der Straße noch so zu entdecken? Wir lüften für euch das Geheimnis hinter dem Straßennamen und geben euch Tipps, was es dort Besonderes gibt. Von Julia Hennig

Vom Tabakfabrikanten zum KPD-Abgeordneten

Die Geschichte der Straße beginnt mit dem aus Basel stammenden Tabakfabrikanten Samuel Schock (1704-1793), der in den Gebäuden mit den Hausnummern 27 und 28 zusammen mit dem aus Straßburg stammenden Tabakhändler Josef Pasqay eine Schnupf- und Rauchtabakfabrik gründete. Ab diesem Zeitpunkt hieß die Straße auch “Schockstraße”. Daneben waren im 18. Jahrhundert aber noch weitere Namen gebräuchlich: “Kleine Junkerstraße” und “Brandenburgische Querstraße/-gasse”.

Im Jahre 1945 wurde die Straße nach dem aus Thüringen stammenden Lithographen und KPD-Politiker Hermann Elflein (1892-1943) umbenannt. Dieser machte von 1898 bis 1906 in Langensalza in Thüringen in der Druckerei “Beyer & Söhne” eine Lehre als Lithograph und arbeitete anschließend dort als Geselle. Später war er im Spartakusbund in Thüringen engagiert und wurde Mitglied in der KPD.

Nach seinem Umzug nach Potsdam im Jahre 1922 wurde er Abgeordneter der KPD in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und saß seit 1925 im Brandenburgischen Provinziallandtag. Dort setzte er sich für die Verbesserung der Lage der Arbeiter und der werktätigen Mütter ein. Nach 1933 wurde er verhaftet und in das KZ Oranienburg eingeliefert. Drei Jahre später wurde er entlassen, jedoch wegen der Fortführung seiner politischen Arbeut erneut verhaftet. Im Januar 1938 wurde er von der Gestapo in das Untersuchungsgefängnis in Berlin-Moabit und von dort in das KZ Sachsenhausen gebracht. Dort wurde er am 22. Juli 1943 ermordet.

Eine alternative Bibliothek in der Potsdamer Innenstadt

Einblick in die freie Bibliothek konte[:x]t und das femarchiv Potsdam in der Hausnummer 32. (Foto: Julia Hennig)

Seit dem 7. Juli 2007 können Interessierte in der Hermann-Elflein-Straße 32 in den Büchern der freien Bibliothek konte[:x]t, das das femarchiv Potsdam beherbergt, schmökern und diese ausleihen.  Das Archiv für Feminismus und kritische Wissenschaften (kurz: femarchiv) entstand auf Initiative des Referats Geschlechterpolitik des AStAs der Uni Potsdam. Das Ziel bestand darin, Bücher zum Thema Feminismus/Queer Theory zusammenzustellen. In Ergänzung dazu bietet die freie Bibliothek konte[:x]t nach eigenen Angaben über 1500 Bücher zu verschiedenen linken Bewegungen.

Zudem fungiert die Bibliothek auch als Treffpunkt für verschiedene Gruppen wie Greenpeace. Die Bücher stammen vor allem aus Spenden und können kostenlos gegen die Hinterlegung von Kontaktdaten ausgeliehen werden. Die Bibliothek freut sich immer über neue Leser_innen und berät diese auch gerne bei Fragen. Interessierte können bereits vorab im OPAC recherchieren und einfach vorbeikommen.

Das Genna d’Oro: ein einzigartiges Café mitten in der Innenstadt

Potsdam einziges Goldschmiede-Café in der Hermann-Elflein-Straße 8-9. (Foto: Julia Hennig)

Mitten in der Potsdamer Innenstadt befindet sich seit 2006 an der Ecke Hermann-Elflein-Straße/Gutenbergstraße eine einzigartige Kombination: Eine Goldschmiede mit einem Café. Dort kann man sowohl Schmuck erwerben, als auch unter fachkundiger Anleitung selber anfertigen. Wer möchte, kann aber auch einfach in Ruhe einen Kaffee oder Cappuccino trinken, das hausgemachte Tiramisu genießen und dabei die individuell gefertigten Schmuckstücke wie Ringe und Ketten im Schaufenster bewundern. Wer Fragen zu den ausgestellten Schmuckstücken hat, kann diese gerne der Inhaberin und Goldschmiedin stellen.

Das KuZe: Wohnen, Arbeiten und Feiern an einem Ort

Blick in das studentische Kulturzentrum (KuZe). (Foto: Julia Hennig)

Das KuZe übt mit seinen vielen Räumen gleich mehrere Funktionen aus: Dort finden sich fünf Wohnheimsplätze des Studentenwerks, eine Siebdruckwerkstatt zum Selberdrucken, das AStA-Beratungsbüro, ein Seminarraum als Treffpunkt für verschiedene studentische und nichtstudentische Initiativen sowie der Theatersaal als Veranstaltungsort. Desweiteren gibt es einen Bandprobenraum, eine Bildhauerwerkstatt, das Atelier des Offenen Kunstvereins (OKeV) und natürlich die Kneipe.

Studierende aller Potsdamer Hochschulen können in den Räumen des KuZe ein umfangreiches Beratungsangebot nutzen: Von Bafög- und Sozialberatung, Beratung und Information zur Befreiung und Förderung vom Semesterticket über die Mietrechts- und Jobberatung zur Beratung internationaler Studierender. Alle Beratungsangebote des AStAs im KuZe sowie am Neuen Palais findet ihr hier.

Mehr zu den Geschichten der Potsdamer Straßennamen erfahrt ihr im Buch “Die Straßennamen der Stadt Potsdam. Geschichte und Bedeutung” von Klaus Arlt aus dem Jahre 2010. Informationen zu Personen der Landesgeschichte könnt ihr in der Publikation “Brandenburgisches Biographisches Lexikon”, hrsg. von Friedrich Beck und Eckart Henning im Jahre 2002, nachlesen.

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