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campusLEBEN — 08 Oktober 2014
(Foto: Robert Kneschke - Fotolia)

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Die Studierenden von heute besitzen Auswahlmöglichkeiten ohne Ende: Ein Studium und das Leben rund um den Campus sind vielfältiger als jemals zuvor, auch in der Studistadt Potsdam. Das kann die individuelle Entfaltung fördern, aber auch hemmen. Was ist sie also, die Vielfalt der Gegenwart: Eher Fluch oder Segen? Von Fabian Lamster.

Studiengangsbingo

Noch bevor man den ersten Schritt auf einen der drei Campus der Uni Potsdam (UP) macht, hat man je nach Studiengrad die Auswahl zwischen 96 Bachelor- und 47 Masterstudiengängen. Und die Frage aller Fragen ist natürlich: Für welchen Studiengang entscheidet man sich? Vor allem unmittelbar nach dem Abitur ist ein Interessenkonflikt denkbar, wenn man unsicher ist, in welchem „Hafen“ man beruflich anlegen möchte. Die eine zeichnet für ihr Leben gerne oder schreibt Kurzgeschichten, während der andere lieber fremde Kulturen entdeckt oder sich mit zwischenmenschlicher Interaktion beschäftigt. Wonach priorisiere ich meine Hobbys und Interessen, für die ich brenne? Na klar: Oftmals wohl auch (leider) danach, ob sich damit Geld verdienen lässt. Allerdings sollten hier die Interessen die Studienrichtung beeinflussen und nicht etwa finanzielle Aspekte oder Freunde („Studiere das mal auch, dann können wir zusammen an der Uni abhängen!“). Schließlich sollte jeder das Studienfach wahrnehmen, in dem man seine Stärken und im Idealfall die berufliche Zukunft sieht. Das fällt bei der enormen Auswahl an Studienfächern alles andere als leicht, zumal nie klar ist, ob ein Studiengang das hält, was die Texte in Broschüren, der Studienordnung etc. versprechen. Tendenz: Riesige Auswahl an Studiengängen kann belasten, daher eher Fluch.

Wo finde ich eine Wohnung, wie einen Nebenjob in Potsdam?

Hat man sich für einen Studiengang an der UP entschieden und eine Zusage im Briefkasten, ist die Freude groß, obwohl sich damit oft die nächsten Sorgen ankündigen: Wo kann ich überhaupt wohnen und wie finanziere ich das alles nur?

In Sachen Wohnen heißt das: Freunde und Bekannte via soziale Netzwerke (ruhig auch persönlich) fragen, Zeitungen wie „PNN“, „Märkische Allgemeine“ oder das kostenfreie Stadtmagazin „Events“ nach Wohnungsannoncen durchstöbern und natürlich das Internet (z. B. eBay-Kleinanzeigen, WG-gesucht.de) abklappern. Als Student_in solltest du dich unbedingt mit dem Studentenwerk Potsdam in Verbindung setzen, die sich um Unterkünfte für Studis bemühen. Alternativ sind ebenso die „schwarzen Bretter“ nahe den Cafeterien und Mensen eine Option für Wohnungsgesuche.

Hier findet man ebenfalls (meist) aktuelle Stellenangebote für Student_innenjobs. Die gibt es natürlich ebenso in den Anzeigenrubriken von Lokalzeitungen und -zeitschriften oder im „Ab in die Praxis“-Bereich der Uni-Potsdam-Webseite, in dem ihr euch mit eurem Uni-E-Mail-Konto einloggen und auf Studi-Jobs bewerben könnt. Die passende Stellenausschreibung findet ihr sonst bestimmt mithilfe der Job-Suchmaschine Indeed.de. Tendenz: Viele Optionen bei der Wohnungs- und Nebenjobsuche, ein Segen.

Alle Semester wieder: Die Jagd nach den Wunschkursen

Ihr habt die Immatrikulation, den Student_innenjob und eine Unterkunft in der Tasche? Dann schaut euch als Nächstes am besten das Kursangebot für das bevorstehende Semester an. Oft erwartet euch hier ein bunter Blumenstrauß an Lehrveranstaltungen, die mit unterschiedlichen Titeln und Themen versuchen, euer Interesse zu wecken. In Zeiten, in denen die UP rund 20.000 Studis verzeichnet und überfüllte Kurse keine Seltenheit sind, sollte man sich hier nicht nur für seine „Wunschkurse“ anmelden, sondern lieber für ebensoviele Alternativkurse. Zwar habt ihr dann in den ersten Wochen der Vorlesungszeit mehr Stress, könnt aber problemlos reagieren, falls es mit dem Lieblingskurs nicht klappt. Und denkt daran: Nur, weil ihr in PULS keine Zulassung erhaltet, heißt das nicht, dass ihr nicht noch einmal persönlich mit dem Kursleiter reden könnt. Solltet ihr ihm gewichtige Gründe (Modulhausarbeit/Abschlussarbeit in dem Bereich, Vorbereitung auf späteren Berufswunsch o.ä.) sachlich aufführen, wäre es doch fragwürdig, wenn nicht noch ein grünes „Zugelassen“ in eurem PULS-Profil erscheint. Tendenz: Ein Segen, diese Kursvielfalt.

Was macht man bloß nach Lehrveranstaltungsschluss?

Nun geht man (meist) an die Uni, um zu studieren, sich zu bilden – und um neue Leute kennenzulernen. Das gelingt nicht nur in Lehrveranstaltungen, sondern ebenso beim Hochschulsport. Allein im Sommersemester 2014 standen hier 118 verschiedene Kurse wie Ultimate Frisbee oder Bauchtanz im Angebot, die allen Sportbegeisterten genügend Raum zur Entfaltung geboten haben. Achtung: Wer sich zu spät anmeldet, landet auf der Warteliste.

Allen, die eher auf „Kopf-/Wortsport“ und gepflegte Unterhaltungen stehen, kann man die eingetragenen Vereinigungen der UP empfehlen. Hier kann man sich hochschulpolitisch engagieren, beim „Erasmus Student Network“ zum Beispiel Auslandsstudis beim Einleben in Potsdam/Deutschland helfen oder sich im Debattierclub „Wortgefechte“ dem verbalen Armdrücken stellen. Wer lieber an seinen Kompetenzen und der Berufsvorbereitung feilt, sollte die Seminare des „Career Service“ besuchen.

Und wer nach „Feierabend“ nichts mehr mit der Uni zu tun haben möchte, kann seinen Horizont in Potsdams Kultur- und Unterhaltungslokalitäten (z. B. UCI oder Thalia-Kino, Hans-Otto-Theater, das Waschhaus) oder in einer der zahlreichen Studi-Kneipen (Pub à la Pub, KuZe-Kneipe, Nil StudentInnenkeller, Hafthorn, Albers) erweitern. Tendenz: Für jeden ist etwas dabei, eindeutiger Segen.

Die Vielfalt des Studi-Lebens in Potsdam: Eher Segen als Fluch

Es ist schon beeindruckend, welche Palette an Möglichkeiten Potsdams Studierende derzeit besitzen. So scheint es ausgeschlossen, dass man als Student_in hier nicht auch das machen kann, was einen begeistert. Sind das gleich mehrere Dinge, muss man sich fokussieren und den Interessen nachgehen, für die man selbst „nachts um zwei“ jederzeit ins Schwärmen geraten würde.

Die Vielfalt ist schon eine geniale Sache und für Studierende ein Segen. Allerdings wohl nur, wenn man entscheidungsfreudig ist. Ansonsten können die vielen offenen Türen einen als Studi genauso überfordern. Schließlich ist eine Entscheidung für einen Studiengang, eine Lehrveranstaltung oder einen Hochschulsportkurs immer eine Entscheidung gegen einen anderen. Man schließt immer etwas aus. Im Nachhinein fragt man sich am besten (nicht), ob die andere Option vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Und wenn schon! Die Vielfalt, die uns umgibt, hat doch für alles eine Alternative parat. Gefällt dir der Studiengang nicht, dann wechsle ihn. Findest du die Wohnung doch blöd und den Nebenjob einfach nur belastend? Dann suche dir eine/n neue/n. Das Seminar ist doof? Besuche ein anderes! Das Wichtigste ist scheinbar, dass man sich entscheidet. Ob richtig oder falsch, findet jeder für sich heraus. Und hat man in seiner Wahl daneben gelegen, probiert man eben einfach etwas anderes aus. Wahnsinn, diese Vielfalt. Oder?

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