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Studis am Institut für Anglistik standen im Herbst plötzlich ohne Lehrkraft da. Hier ein Bild vom Eingang zu Haus 19, indem das Institut angesiedelt ist.(Foto: F. Lamster)

Studis am Institut für Anglistik standen im Herbst plötzlich ohne Lehrkraft da. (Foto: F. Lamster)

Seit 1. Januar darf Frau Dr. Anke Bartels ihre Lehrtätigkeit an der Uni Potsdam (UP) fortsetzen, nachdem ihr Arbeitsvertrag mit der Universitätsverwaltung Ende November 2014 auslief (speakUP berichtete). Dadurch entfielen für Englisch-Studis sämtliche von ihr betreute Uni-Angebote, die wieder stattfinden konnten – teilweise. Von Fabian Lamster.

Rückblick: Am 29. November appelliert der Fachschaftsrat Anglistik/Amerikanistik der UP auf seiner Facebook-Seite an die Studierenden, am Mensagespräch mit Uni-Präsident Prof. Oliver Günther am 1. Dezember teilzunehmen. Das Ziel: Ihm gemeinsam darlegen, warum die auslaufende Stelle von Frau Dr. Anke Bartels für alle Englisch-Studis unverzichtbar ist. So finden sich fast 40 Student_innen zum Gespräch in der Mensa am Neuen Palais ein, die Präsident Günther mit dem Vorfall konfrontieren. „Geld ist da“, versichert er ihnen, um eine zügige Lösung zu finden.

Halbe Stelle reicht nicht aus

Laut einer Stellungnahme des Instituts vom 2. Januar verfügt Bartels seit Jahresbeginn über einen Vertrag für eine Halbstelle mit einer Arbeitsnorm von sechs Wochenstunden. Das hat zur Folge, dass sie zwar wieder an der Uni lehren, von den ursprünglichen sieben Lehrveranstaltungen, die sie im Wintersemester 2014/2015 leitet oder betreut, aber nur drei fortführen kann. Um sämtliche Lehrveranstaltungen fortzusetzen und den dort angemeldeten Studierenden ihre Lehre zu bieten, hat das Institut per Eilantrag eine kurzfristige Aufstockung der Halb- zur Vollstelle bis Semesterende beim Kanzler der UP gefordert. Die Universitätsleitung erklärte auf Nachfrage der speakUP, dass „eine kurzfristige Aufstockung des Arbeitsvertrages arbeitsrechtlich nicht möglich ist. Allerdings kann ein_e Dozent_in in Abstimmung mit den Fachkolleg_innen und dem Dekan in einem Semester mehr Lehre anbieten, um dann in einem anderen Semester einen Ausgleich zu erhalten.“

Darüber hinaus machte das Institut erneut darauf aufmerksam, dass unter den jetzigen Bedingungen die Qualität der Lehre im Bereich der Sprachausbildung zukünftig nicht mehr gewährleistet werden kann. „Das ist eine Frage der Verteilung der Aufgaben in der Sprachausbildung und der Entwicklung der Studierendenzahlen“, erklärt die Universitätsleitung. „Die Universität ist gerade dabei, die Sprachausbildung und die Studienplatzkapazitäten zu evaluieren. Sobald die Ergebnisse dieser Evaluation vorliegen, werden wir gemeinsam mit den betroffenen Fakultäten und Instituten darüber entscheiden, ob eine teilweise Neustrukturierung erforderlich ist.“

Die Folgen für Englisch-Studis

Bleibt der derzeitige Vertrag von Frau Bartels bestehen, müssen Englisch-Studis ab dem Sommersemester 2015 mit den Konsequenzen leben. Das bedeutet, dass grundsätzlich weniger Kurse in der Sprachpraxis angeboten werden und sich bei den verbleibenden die Teilnehmerzahl von 15 auf 25 erhöht. Dies wiederum hätte zur Folge, dass Wartelisten angelegt werden müssten, um die Kurse noch entsprechend zu führen und allen Studis eine angemessene Lehre anzubieten. Dennoch würde zwangsläufig das individuelle Lernen im Kursverlauf durch Klausuren am Semesterende ersetzt werden, obwohl insbesondere der stetige Lernprozess in der Sprachpraxis für Studis von besonderer Bedeutung ist, zum Beispiel bei der Textübersetzung oder bei dem Ausbau von Präsentationsfähigkeiten.

Personalreformen erschweren Lehre

Der Fall Bartels zeigt, wie Entscheidungen der Universitätsverwaltung die Qualität der Lehre stören können. Zudem haben Lehrende derzeit schon mit prekären Arbeitsbedingungen zu kämpfen, auf die sie am 6. November 2014 bei dem bundesweiten Aktionstag der Lehrbeauftragten (speakUP berichtete) hingewiesen haben. Besitzen doch nur 18 Prozent der 1385 wissenschaftlich Beschäftigten (Stand: 1. Oktober 2014) der UP unbefristete Verträge, was für eine Planungsunsicherheit der Lehre sorgt, sodass sich wiederum die Studierenden nicht auf ein kontinuierliches Lehrangebot verlassen können. Dadurch sinkt die Studierbarkeit ebenso wie der Reiz an einer wissenschaftlichen Laufbahn.

Ob Bartels letztlich noch die ihr bei ihrer Einstellung im Oktober 2012 versprochene unbefristete Vollstelle erhält, bleibt offen. Ebenso wie die Tatsache, wie das Institut das drohende reduzierte Lehrangebot kompensiert. „Eine Interimslösung mit provisorischen Lehraufträgen ist denkbar“, erklärt Dirk Wiemann, Geschäftsführender Direktor des Instituts, um annähernd die Lehrsituation herbeizuführen, wie sie für die Studierenden bis November 2014 vorlag. Und die nun wiederhergestellt werden soll.

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