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campusLEBEN Featured Ganz vorn — 05 März 2017

Campus Golm (Foto: Anna Braun).

Auf den ersten Blick scheint der Campus Golm aus viele Neubauten zu bestehen, wie beispielsweise der Bibliothek, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn auch auf diesem Campus gibt es einige Gebäude, die einen alten Charme versprühen und schon einige Jahre auf dem Buckel haben. Obwohl die Gebäude auf dem Campus Golm noch nicht so alt sind wie jene am Neuen Palais, lassen sich auch hier einige geschichtlich interessante Orte finden, von denen wir Euch berichten möchten. Von Anna Braun.

Die ersten Gebäude, die heute den Campus Golm bilden, entstanden bereits in den 1930er-Jahren als Teil des Walther-Wever-Kasernengeländes. Ab 1943 gehörte es zur „Luftnachrichtenabteilung Oberbefehlshaber der Luftwaffe“ und war nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht zwischen 1935 und 1938 erbaut worden. Heute lassen sich die Gebäude hauptsächlich rund um die Mensa wiederfinden.

So entstanden unter anderem vier Kasernen an den Orten, wo sich heute die Häuser 1, 3, 5 und 7 befinden. Doch so richtig sieht man es nur noch dem heutigen Wohnheim Haus 3 und dem Haus 5 an, in dem sich einige Seminarräume und das Audiovisuelle Zentrum wiederfinden. Außerdem wurden mehrere Geräte- und Fahrzeughallen (heute: Häuser 8, 10, 11) und ein Heizhaus (heute: Haus 2) erbaut. Haus 8 beherbergt heute zum Beispiel die ZEIK am Campus Golm. Und unsere Mensa? Die wurde im Jahr 1936 errichtet und  war ein Casino der Luftwaffe. Zusätzlich gab es in der Mitte der Gebäude einen großen Aufmarschplatz. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Areal als Kasernengelände genutzt, jedoch wurde ein Teil bei einem Luftangriff im Jahr 1944 und bei Kampfhandlungen mit der Sowjetarmee im April 1945 zerstört.

Einzug der „Stasi“

In den folgenden Jahren zog die sowjetische Armee ein, bis dann in den Jahren 1949/50 die Volkspolizei der DDR dort stationiert wurde. Am 16. Juni 1951 wurde auf dem Gelände die „Schule des Ministeriums für Staatssicherheit“ eröffnet, welche im Laufe der Jahre unterschiedliche Namen tragen sollte und bis Januar 1990 eine zentrale Ausbildungsstätte der Staatssicherheit („Stasi“) darstellte. Im Jahr 1965 wurde sie in „Juristische Hochschule Potsdam“ umbenannt. Obwohl man hier auch einen Doktortitel erwerben konnte, war dies keine Hochschule im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Ausbildungsanstalt für Mitarbeiter der „Stasi“ mit starker ideologischer Ausrichtung. Auf dem Lehrplan stand beispielsweise das effektive Verhindern von Fluchtversuchen aus der DDR.

Blick auf Haus 14 und die Wohnheime (Foto: Anna Braun).

Das Areal entwickelte sich zu einem von der Öffentlichkeit abgeschirmten Gelände, auf dem es unter anderem eine Turnhalle, ärztliche Versorgung, eine Schwimmhalle und ab 1969 eine Gaststätte (heute: Haus 8) gab. Im Zuge einer Geländeerweiterung entstanden drei Wohnheime (heute: Häuser 15, 16, 17), die bis September 2016 auch noch als Wohnheime genutzt wurden, jedoch gerade für ein Wohnheimneubau abgerissen werden. Im Jahr 1977 wurde ebenfalls das heutige Haus 14, welches als Hauptgebäude der „Juristischen Hochschule“ genutzt wurde, errichtet. Damals war es jedoch ein einfacher Plattenbau und hatte noch nicht das typische schwarz-weiße Aussehen. Dieses erhielt es erst im Zuge einer Sanierung in den Jahren 2010/11.

Neuer Eigentümer

Ab 1. März 1990 wurde das Gelände von der Pädagogischen Hochschule „Karl Liebknecht“ Potsdam übernommen, bis am 15.07.1991 die Gründung der Universität Potsdam erfolgte. Zu Beginn waren in Golm größtenteils die geisteswissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt, die aber bald der Humanwisschenschaftlichen sowie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät weichen mussten. Golm bildet mit 62.000qm den größten Campus der Uni Potsdam, der außerdem zum „Wissenschaftspark Golm“ gehört und stetig erweitert wird , z.B. durch den „Goldenen Käfig“ (2008) oder die Bibliothek (2011). Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Wenn auch Ihr Euch am Campus Golm auf die Spuren der Geschichte begeben wollt, dann schaut Euch den Gedenkstein südlich der Bibliothek an, welcher an die „Stasi“-Zeit erinnern soll.

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