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campusPOLITIK Featured Ganz vorn — 17 April 2018

Wie berichten Medien? (Foto: Angelina Schüler)

Al-watan ist arabisch und heißt „die Heimat“. Was passiert, wenn du gezwungen bist, deine Heimat zu verlassen und plötzlich all deine Zukunftspläne zerplatzen wie eine Seifenblase? Und vor alldem wie berichten die Medien über die Situation in Syrien? Von Issam.

Plötzlich werden alle meine Zukunftsphantasien irreal. Außerdem befürchte ich, dass sich das nicht wieder ändert. Ich habe mit 23 Jahren mein Jurastudium abgeschlossen und war kurz davor den Master zu beginnen. Aber es passierte das Unvorstellbare. In meiner Heimat hat das Volk gegen das diktatorische Regime eine Revolution begonnen. Das Regime herrscht bereits 47 Jahre lang. Ich hoffte wie viele, dass die Welt zu unserer verwaisten Revolution, so wie wir sie später genannt haben, steht. Jedoch passierte das Gegenteil. Fast die ganze Welt ist für das herrschende Regime, welche ihren Zweck bedient. Außerdem haben viele berühmte und bekannte internationale Medien versucht, das Konstrukt der Revolution zu diskreditieren. Welche Freiheit, welche Würde und welche soziale Gerechtigkeit gibt es für uns? Die Herrschaft entzieht sie uns seit einem halben Jahrhundert.

Einer von vielen

Meine Situation ähnelt denen von Millionen Menschen. Ich habe gezwungenermaßen meine Heimat verlassen müssen. Schuld ist der Völkermord, dem wir hilflos ausgeliefert sind. Die ganze Welt schaut zu, ohne zu handeln. Bei meiner Ankunft in Deutschland war ich hoch motiviert und hoffnungsvoll, ein neues Leben zu beginnen, mein Studium fortzuführen, irgendwann in meine Heimat zurückzukehren, weil ich dort zum Wiederaufbau beitragen möchte.

Der erste Tag in Deutschland

Doch es kam anders. Mein erster Tag in Deutschland kam einer Katastrophe nahe und begann mit der Unterbringung in einer Sporthalle, dann ging es in ein Zimmer in einem Gebäude am Waldrand. Ich musste mit Hunderten von Menschen meine Privatsphäre, die Toilette, das Bad, die Küche und viele andere Sachen, teilen. Das kleine Zimmer nutzten wir zu sechst.

Außerdem war es schlimm, dass ich kein Deutsch sprechen konnte und keine Chance hatte, es zu lernen. Damals hatte ich sehr viel Geduld. Diese Situation dauerte mehr als einen Monat, dann kam ich nach Stendal. Ich dachte, dass es jetzt besser werden würde, aber leider wurde ich in meiner Vermutung ein weiteres Mal enttäuscht. Das erschütterte mich und lies mich zugleich erstarren.

Ehrlich gesagt, spitzt sich meine Situation mehr und mehr zu. Wir werden von allen angesehen, als wären wir von einem anderen Planeten. Manche gucken uns verachtungsvoll an oder klagen uns an, wir hätten ihr tolles Leben zerstört und ihr Vermögen geraubt. Doch das Schlimmste, sind die ängstlichen Menschen, weil wir laut ihren Vorstellungen Mörder oder Terroristen sind. Das wird ihnen von den Medien vorgegaukelt. Und natürlich möchte ich nicht die Menschen vergessen, die mir geholfen haben, mit dem was sie für mich getan haben oder auch immer noch tun.

Integration ist schwierig

Eine Integration oder eine einfache Diskussion zu diesem Thema ist leider auch nicht möglich, da das Erlernen der deutschen Sprache für mich fast unmöglich ist. Obwohl die Sprache lebenswichtig ist, bekam ich keine Unterstützung. Eine Sprachschule durfte ich nicht besuchen, weshalb ich meine Sprachbarriere nicht abbauen konnte. Auch Bürger von hier wollten nicht mit uns sprechen. Trotzdem war ich geduldig und wartete, dass sich etwas in meinem Leben verändert, dies blieb aber aus.

Die Situation ist über Monate gleichgeblieben und meine Motivation nahm mehr und mehr ab. Ich warte nun schon acht Monate darauf, die Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Und weitere Monate, um einen Integrationskurs zu beginnen. Seit anderthalb Jahren bin ich hier und beherrsche eure Sprache leider immer noch nicht.

Euer Verhalten uns gegenüber ist, gegen uns zu sein, obwohl wir niemanden von Euch verletzt haben oder dies zukünftig tun wollen. Durch unsere Religion haben wir für Euch Liebe und Respekt. Euer Handeln uns gegenüber ist, gegen Euch selbst, denn wenn ihr uns von euch wegschiebt, können wir uns nicht in eure Gesellschaft integrieren. Das würde dazu führen, dass wir eine Parallelgesellschaft bilden, die von Euch getrennt und isoliert ist.

Wir brauchen Eure Unterstützung, denn ohne Eure Sprache und Hilfe können wir nicht in die Arbeitswelt gehen und dem Staat nichts zurückgeben, der uns in schlechten Zeiten unterstützt hat.
Deshalb bitte ich Euch, darüber nachzudenken, wie ihr und wir die jetzige Situation ändern können.

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