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Nach einem guten Jahr soll es jetzt vollbracht und der Streckenabschnitt zwischen Wannsee und Charlottenburg wieder freigegeben sein. Am 9. Dezember ist es dreihundertvierundsechzig (!) Tage her, seitdem sämtliche Regionalzüge nicht mehr von Wannsee gen Berliner Zentrum verkehrten. Jede_r weiß, dass 364 Tage verdammt lang sein können. Sie bieten aber durchaus auch Zeit für prägende Erlebnisse: Die Realisierung einer Weltumsegelung, den Berufseinstieg mit einer innovativen Idee meistern oder den Bachelorstudiengang in europaweiter Rekordzeit von zwei Semestern absolvieren. Allesamt (nahezu) ausnahmslos erstrebenswerte Dinge. Die Deutsche Bahn entschied sich bekanntermaßen für eine andere Option und ging in dieser Zeitspanne ihrem (insgeheimen) Lieblingshobby nach: Bauarbeiten in die Wege leiten. Ein Rück- und Ausblick von Fabian Lamster.

Vom Ausbleiben des Worst Case und wandelnden Saunen

Zunächst ein kurzer Rückblick: Die Geschichte beginnt am 11. Dezember 2011, als keine Regionalexpresszüge mehr über Berlin-Wannsee hinaus fahren. Die Gründe hierfür sind Sanierungsarbeiten an Brücken, Gleisen, Unterbauten sowie der Stromversorgung zwischen Berlin-Wannsee und Grunewald. Eine noch flexiblere und zusätzlich sogar etwas schnellere Verbindung zwischen Landes- und Bundeshauptstadt soll im Laufe eines Jahres bis 9. Dezember 2012 entstehen.

Trotz eines Ersatzkonzepts aus RB21-Verlängerung, RB22, dem umgeleiteten RE1 und S7 waren viele Potsdamer Studis und Pendler_innen skeptisch, was sie in den kommenden Monaten erwartet. Schließlich war speziell die S7 nun eine tragende Verkehrssäule, sollte sie doch das Gros der Fahrgäste auffangen, die sonst mit dem Regionalexpress verkehren. Ausgerechnet die S-Bahn, die sich in den Vorjahren als alles andere als eine zuverlässige Konstante erwies. Die anfängliche Skepsis schien also nicht unberechtigt.

Doch der vielfach prognostizierte „Jahrhundertwinter“ in Berlin und Brandenburg sowie der damit verknüpfte Worst Case in den öffentlichen Verkehrsmitteln blieben aus. So beschränkte sich der Winter auf wenige arktische Wochen im Januar und Februar 2012, sodass sich grundsätzlich das Ersatzkonzept um S-Bahn & Co. wacker hielt und es zum Wohl aller Fahrgäste wenige Komplikationen gab.

Gleiches ist auch für die wettertechnisch wechselhaften Sommermonate konstatierbar, in denen die Technik der Züge der zeitweise vorherrschenden Hitze seltener klein beigab, trotzdem sich die mehrheitlich älteren Zugmodelle mal wieder zum Leidwesen aller Fahrgäste in rollende Saunen verwandelten.

Grundsätzlich stellte das Ersatzkonzept allerdings seine Alltagstauglichkeit unter Beweis. Eine gewisse Gewöhnung an den regionalexpressfreien Zustand in den öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Potsdam und Berlin setzte ein, auch wenn alle Mitfahrer_innen im Vergleich zu vorher nun etwas mehr Zeit für die An- und Abfahrt einplanen mussten.

Wiedersehen macht Freude: Regionalexpresszüge ab 9. Dezember wieder zwischen Berlin und Potsdam unterwegs

Wiedersehen macht Freude: Regionalexpresszüge ab 9. Dezember wieder zwischen Berlin und Potsdam unterwegs. Ungor – Fotolia.

Beendigung der Bauarbeiten sorgt für viel Licht, aber auch Schatten

Mit dem 9. Dezember 2012 wird das Ersatzkonzept allerdings wieder ad acta gelegt, da die Sanierungsarbeiten zu Ende gehen und der Streckenabschnitt zwischen Wannsee und Grunewald für Regionalexpresszüge wieder geöffnet ist. Vor allem populäre Anfahrtsziele wie Berlin Friedrichstraße oder Berlin Alexanderplatz sind dadurch unter planmäßigen Bedingungen bis zu 20 Minuten schneller erreichbar.

Das Ende des Ersatzkonzepts geht allerdings damit einher, dass der RE1 nicht mehr über Golm fährt. Des Weiteren erfolgt eine Einstellung der RB21-Verlängerung von Golm über Spandau zum Berliner Hauptbahnhof, die zu Hauptverkehrszeiten eingerichtet war.

Für alle in Berlin ansässigen Student_innen der Uni Potsdam ergibt sich damit ab 9. Dezember der Luxus, dass sie zwischen Regionalexpress-, Regionalbahn- und S-Bahnzügen sowie Bussen wählen können, um an ihr Fahrtziel zu gelangen. Studierende des Campus Griebnitzsee können dabei nach wie vor auf die S-Bahnlinie 7, teilweise auf die Regionalbahnen 21 bzw. 22, optional von Potsdam Hauptbahnhof oder Berlin-Wannsee auf Regionalexpresszüge (RE1, RE7) oder die Buslinie 696 der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH zur An- und Abreise zurückgreifen.

Die Studis vom Neuen Palais befinden sich in der komfortablen Situation, zwischen zahlreichen Busverbindungen (X5, X15, 605, 606, 695) und Zuglinien (RE1, RB21, RB22) vom Bahnhof Potsdam Park Sanssouci günstig von A nach B zu kommen. Ähnliches gilt für alle Golmer_innen, die jedoch im Vergleich zu den Studierenden am Neuen Palais auf einige Buslinien (X15, 695) und die Anbindung des RE1 am Bahnhof Golm verzichten müssen, aber dennoch gut angebunden sind.

Doch es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt, sodass es auch suboptimale Neuigkeiten zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember zu vermelden gibt. So können die Studis am Campus Griebnitzsee eben nur vereinzelt von den Zügen der Linien RB21 und RB22 profitieren, da die Deutsche Bahn in den letzten Jahren den Bau eines weiteren Bahnsteigs kläglich versäumte. Als Konsequenz können nicht alle Züge, die aus Berlin kommen, auch tatsächlich dort halten, was speziell Standortwechsel zwischen den Campi erschwert und nur bedingt möglich macht.

Verkehrt auch nach dem Fahrplanwechsel in gewohnter Manier zwischen Landes- und Bundeshauptstadt: die S-Bahn. Foto: KD-Photo - Fotolia

Verkehrt auch nach dem Fahrplanwechsel in gewohnter Manier zwischen Landes- und Bundeshauptstadt: die S-Bahn. Foto: KD-Photo – Fotolia

Happy End für alle?

Im Wesentlichen überwiegen mit dem Sanierungsende der Deutschen Bahn aber dennoch die positiven Aspekte, sodass die 364 Tage andauernde Wartezeit sich scheinbar gelohnt hat. Gut Ding will Weile haben – so scheint es auch hier.
Allerdings könnte der Moment der Freude über den scheinbaren Luxus schnell wieder verpuffen und in Ärgernis umschlagen, wenn eine angemessene Vorbereitung auf die kühleren Jahreszeiten ausblieb und sich die Zeitersparnisse bei den neuen Verkehrsmöglichkeiten durch Wartezeiten relativieren.

Längere Fahrtzeiten drohen im Übrigen ab 2015 auch bei der S-Bahn, wenn sie weiterhin eine Anpassung des über 80 Jahre alten Signalsystems an die aktuellen Standards des Bundesverkehrsministeriums ignoriert. Die Folge wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf maximal 50 km/h. Die Verhandlungen diesbezüglich laufen.

Doch zurück zum Winter 2012/2013: Hier ist gebetsmühlenartig wie jedes Jahr nur ein kollektives Daumen drücken angesagt, dass die Beziehung zwischen winterlichen Witterungsbedingungen und der Deutschen Bahn harmonisch verläuft und sich Zugverspätungen wie -ausfälle in Grenzen halten.

Ansonsten empfiehlt es sich wohl, gemäß der Jahreszeit, stets einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht über jeden Fauxpas seitens der Deutschen Bahn oder ihrer Tochtergesellschaften zu echauffieren. Nutzt die Zeit dann vielleicht lieber, um euch ein wärmendes Getränk zu holen oder angenehme Gespräche mit Leidensgenoss_innen zu führen, wenn doch einmal der eine oder andere Zug trödelt und keinen Wert auf Pünktlichkeit legt. Oder geht einmal für einen Moment inne und reflektiert, was ihr in den letzten 364 Tagen so bewegt habt. Denn auch ganz ohne Weltumsegelung und bahnbrechende Innovation dürftet ihr feststellen, dass viel passiert ist: Nicht nur zwischen Wannsee und Grunewald.

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admin

(1) Reader Comment

  1. Weniger Geschwätz und mehr Inhalt! Das hätte dem Artikel ganz gut getan. – D.h., wenn du lieber Autor für die Anderen schreibst und nicht für dich selbst. War letzteres die Absicht, dann: Gut gemacht!

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